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Wie der Winter unseren Körper stärken kann

Bergluft macht die von Feinstaub belasteten Atemwege frei. Und die Kombination aus Sonne, Natur und Bewegung stärkt die Immunabwehr.

Studien belegen: Skitouren steigern das subjektive Wohlbefinden. SN/machreich
Studien belegen: Skitouren steigern das subjektive Wohlbefinden.

Ohne die heilende Magie des Winters konnte selbst ein "Zauberberg" keine medizinischen Erfolge bei seinen Davoser Kurgästen erzielen, geschweige denn die von den Großstädtern erwarteten heilenden Wunder vollbringen. "Fünf Mal täglich kam an den sieben Tischen einhellige Unzufriedenheit zum Ausdruck mit dem Witterungscharakter des diesjährigen Winters", beschreibt Thomas Mann in seinem Buch "Der Zauberberg" den Unmut des Romanpersonals mit einem Winter, der zu wenige "meteorologische Kurmittel" bereitstellte. Vor allem über zu wenig "Sonnenstrahlung, diesem wichtigen Heilfaktor, ohne dessen Mithilfe die Genesung sich zweifellos verzögerte", beschwerten sich die Gäste.

Menschen leiden in den Wintermonaten an Vitamin-D-Mangel

100 Jahre später gibt Arnulf Hartl, der Leiter des Instituts für Ökomedizin an der Paracelsus Universität Salzburg (PMU), Manns Romanfiguren recht und liefert wissenschaftliche Belege dafür. Im Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten" bestätigt er die enorme Bedeutung von Sonnen- und UV-Strahlung gerade im Winter. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung leiden in den Wintermonaten an Vitamin-D-Mangel, der aus zu wenig Sonnenlicht resultiert und eine ernst zu nehmende Gesundheitsbedrohung darstellt. Vitamin D ist unter anderem für die ausreichende Mineralisierung von Knochen und Zähnen zuständig. Und - gerade in Covid-19-Zeiten wichtig - es schützt vor Infektionserkrankungen.

"Immunstärkung im Winterurlaub"

In einem neuen Projekt in Kooperation mit Salzburger Wirtschafts- und Tourismusverbänden stellten Hartl und sein Team wissenschaftliche Befunde zum Thema "Immunstärkung im Winterurlaub" zusammen. Ihr Resümee lautet: Gerade im (Zauber-)Gebirge könne die Wintersonne ihre positiven Kräfte entwickeln, die Höhenlage begünstigt die Sonneneinstrahlung und die wissenschaftlich belegten positiven Gesundheitseffekte aus der Kombination von Bewegung und Natur gibt es noch als Draufgabe.

Gesundheitstipp: Ärmel hochkrempeln

Um die gesundheitsfördernde Wirkung der "White Exercises" in der Winterlandschaft zu erhöhen, rät Hartl dazu, "so viel Haut wie möglich zu exponieren und dem Sonnenlicht auszusetzen". Wenn es die Temperaturen zulassen, ist Ärmel hochkrempeln und die Bekleidung luftig machen ein einfach umzusetzender und sehr effektiver Gesundheitstipp.

Bergluft befreit Körper und Geist

Stichwort luftig: Um die heilende Wirkung der "hohen Lüfte" im Gebirge wusste schon lang vor dem Schriftsteller Mann der Philosoph und Pädagoge Jean-Jacques Rousseau. Mitte des 18. Jahrhunderts, als ansonsten die Meinung über die "foeditas alpium", die Hässlichkeit der Alpen, vorherrschte, warb er bereits für die frei machenden Vorzüge der Bergluft: "Alle Menschen werden die Wahrnehmungen machen, dass man auf hohen Bergen, wo die Luft rein und dünn ist, freier atmet und sich körperlich leichter und geistig heiterer fühlt."
Ökomediziner Hartl aktualisiert Rousseaus Befund und folgt dabei auch der Bildsprache: "Die Alpen sind die grüne Lunge in einem Meer von Feinstaub - mit jedem Meter, den wir höher hinaufkommen, gewinnen wir an Atemqualität." Ausgelöst durch die Heizsaison, mehr Individualverkehr, Straßenstreuung und Inversionswetterlagen sind erhöhte Feinstaubwerte in den Niederungen eine gesundheitsschädliche Begleiterscheinung des Winters.

Wintersport wirkt sich positiv auf chronische Erkrankungen aus

Leidenszeit besonders für Menschen, die an allergischen Erkrankungen wie allergischem Schnupfen oder allergischem Asthma laborieren. Beide gehören mittlerweile zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Aber auch für Hausstaubmilbenallergiker steigt der Leidensdruck in den Wintermonaten. Eine in Hollersbach, Pinzgau, durchgeführte Studie der PMU brachte das Ergebnis, dass sich Wintersport bei moderat kalten Temperaturen positiv auf diese Patientengruppen auswirkt. Es kam es zu einem deutlichen Rückgang des FeNO, des fraktionierten exhalierten Stickstoffmonoxids, das als Biomarker zur Diagnose und Kontrolle von Asthma herangezogen wird. Laut den Probanden verbesserten sich ihre Krankheitssymptome mit den Wintersportaktivitäten: Die allergische Entzündung in der Nase und den oberen Atemwegen nahm ab, die allergische Entzündung in der Lunge und allergische Symptome reduzierten sich. In einer anderen Studie konnte gezeigt werden, dass gerade Skitourengehen das subjektive Wohlbefinden steigert; nach jeder Skitour war ein deutliches Stimmungshoch zu verzeichnen.

"Wunderkur Winter"

Mit ein Grund, dass Hartl das Kapitel zu diesem Gesundbrunnen in seinem Buch "Heilkraft der Alpen" (Bergwelten Verlag, 2020) mit dem Titel "Wunderkur Winter" überschreibt. "Die Berge in der Kombination mit dem Winter geben einen ziemlich vollkommenen Medizinmann ab", sagt Hartl: "Er setzt uns Sonne und Natur aus, befriedigt unseren Bewegungsdrang und versorgt uns mit reiner Luft." Alles Faktoren, "die unsere Immunabwehr und unsere natürlichen Killerzellen zur Abwehr von Viren stärken und uns vor Atemwegsinfekten schützen". Dazu brauche es keinen Spitzensport, sagt Hartl. Im Gegenteil: Moderate Bewegung ein wenig über dem Ruhepuls liefere die besten Ergebnisse zur Verjüngung des Immunsystems. Wobei Bewegung in der Natur entstressender wirke als im Fitnessstudio, sagt Hartl und begründet das mit der Evolutionsgeschichte des Menschen: "Dieses evolutionsbiologische Prinzip ist in unseren Genen. Wir sind Kinder der Natur, wir sind in und mit ihr evolviert, deswegen tut sie uns auch so gut."

Aufgerufen am 17.04.2021 um 09:59 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/wie-der-winter-unseren-koerper-staerken-kann-99867904

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