Leben

Souverän im Auftritt: Make-up für die Festspiele

Bei Theater- oder Opernpremieren stehen ja nicht nur Kunst und Künstler im Rampenlicht, sondern auch das Publikum - vor allem das weibliche. Zwei Profis geben Tipps.

Nichts, aber auch nicht das kleinste Detail wird bei großen Theater- oder Opernproduktionen dem Zufall überlassen. Nur so wird Außergewöhnliches, Überragendes möglich. Und nichts, auch nicht das kleinste Detail ist unwichtig, wenn man sich für so ein Ereignis zurechtmacht. Die Kunst steht zwar im Mittelpunkt, aber kulturelle Großereignisse sind immer auch ein Sehen und Gesehen-Werden. Große Festspiele also für Augen und Ohren. Kleine Festspiele für Haut und Make-up.

Tiefenreinigung - Essenziell für schöne Haut

Die Festspiele für schöne Haut beginnen im Idealfall ein, zwei Wochen zuvor. Mit einer Tiefenreinigung der Haut. "Nicht, weil die Reinigung so dramatisch intensiv ist, sondern um sicherzugehen, dass später auch wirklich keine Rötungen mehr da sind", sagt Kerstin Linz, die als Kosmetikerin bei Nägele & Strubell am Makartplatz in Salzburg arbeitet. "Eine Tiefenreinigung entschlackt und entgiftet die Haut. Macht man das früh genug, kann man ausschließen, dass noch Unreinheiten nachkommen." Wirkstoffe mit Depotwirkung, etwa Hyaluronsäure, schließen das Saubermachen ab.

Erwünschter Effekt: Makellose Haut

Am Tag vor einem wichtigen Ereignis oder am selben Tag steht für Festspielprofis eine sogenannte Effektbehandlung auf dem Programm. Ampullen beispielsweise, eine Sauerstoffmaske oder ein Kollagen-Vlies. "Aber auch Modellagen, bei denen gefriergetrocknete Wirkstoffe mit Konzentraten vor jeder Anwendung frisch vermischt auf die Haut aufgetragen werden. Früher ist eine Modellage ausgehärtet worden, heute wird sie abgezogen wie Plastilin", erklärt Kerstin Linz. Der Effekt: Die Haut sieht, je nachdem, was sie benötigt hat, frisch, glatt und ebenmäßig, prall und erholt aus. Keinesfalls vergessen sollte man Hals und Dekolleté und den hinteren Hals, also den Nacken. "Hier gibt es Spezialbehandlungen, auch mit Fruchtsäuren. Neue Fruchtsäuren sind so mild und schonend, dass sie auch am Tag davor angewendet werden können. Allerdings sollte man danach nicht in die Sonne gehen, da die Haut empfindlich auf UV-Licht reagiert. Und wenn doch, dann mit ausreichendem Sonnenschutz, also LSF 50." In Topform sollten auch Hände und Füße sein. Das besorgen Mani- und Pediküre inklusive Peelings mit hochwertigen Ölen, Salz oder Zucker sowie "Handvliesmasken, die die Hände verjüngen und die Haut prall machen".

Bitte unbedingt vermeiden!

Auch wenn die Wirkung verlockend ist, rät Linz von Schälkuren kurz vor einem wichtigen Ereignis ab. "Die Haut reagiert, will sich erholen und lässt sich schlecht oder gar nicht schminken." Ausreinigen steht als Beauty-Quickie auch auf der "Bitte nicht!"-Liste, "weil es zwei Tage dauert, bis die Haut wieder im Gleichgewicht ist". "Bitte nicht" gilt auch für Wimmerl ausdrücken. "Man glaubt, das muss noch weg, und dann wird es meist schlimmer. Besser ist da eine Maske mit Heilerde, die mattiert und ausgleicht." Und: Nicht ins Solarium gehen. Auch kein Sonnenbad drei Stunden vor einer Aufführung. "Das rötet die Haut, stresst sie und das sieht man." Finger weg von sehr fettigen Produkten, " weil die Haut glänzt und das Make-up nicht hält". Lieber leichte Produkte verwenden. "Auch wegen der FFP2-Masken, weil die Haut unter der Maske schwitzt."

Gepflegte Feinabstimmung

Vor dem Schminken sollte ein Vitamin-C-Serum aufgetragen werden, das die Haut gut durchblutet und rosiger aussehen lässt. Sowie eine Augenmaske - "Gelmasken kühlen, wirken abschwellend, glättend und beruhigend" - und, falls nötig, eine Maske für die Lippen, die Fältchen glättet und die Kontur strafft, auflegen. Zum Abschluss einen Primer als Weichzeichner auftragen. Wer keine Zeit für ein Profi-Treatment hat, was schade ist, weil es herrlich entspannend ist, oder keines braucht, kann die Haut mit einer Sauerstoffschaummaske, mit Augenpads, Serum und Hautpflege vorbereiten.

Das Make-up: Möglichst natürlich und viel Glow

"Das Ziel eines Abend-Make-ups ist es, sich schön und selbstbewusst zu fühlen", sagt Isabella Hanl. Hanl ist Make-up-Artistin und arbeitet als Education Coordinator Estée Lauder Companies (Bobbi Brown, Clinique). "Weil am Abend das Licht weicher ist, darf man sich ruhig ein wenig stärker schminken. Derzeit liegt der Fokus auf einem möglichst natürlichen Make-up, einem Satin-Finish. Mehrere Schichten und Make-up, das als solches deutlich erkennbar ist, sind out." Wichtig ist nicht nur, dass die Foundation Feuchtigkeit spendet, sondern vor allem der Farbton, der "immer am Kinn" und nirgendwo sonst getestet werden sollte. "Ideal ist eine Nuance, die man an der Kinnlinie beim Übergang zum Hals nicht sieht." Kleine Makel wie Augenschatten werden mit Concealer abgedeckt, "der immer eine Nuance heller sein sollte als das Make-up". Auf Puder wird, außer bei Mischhaut wegen der T-Zone, verzichtet. Rouge darf abends kräftiger sein, "ideal und zwar für alle Altersklassen sind Pfirsichtöne", sagt Hanl. Natürliches Make-up bedeutet: Glow. Den man mit Highlightern auf den Lippen, Augen oder Wangen zaubert. "Aber man sollte sich für einen Bereich entscheiden - zu viel Glanz wirkt übertrieben."

Die Farben für Lippen und Augen

Sattes, mattes Rot tragen die Lippen, so will es der Trend. "Wer das nicht mag, kann den Fokus auf dunkler betonte Augen setzen. Dann empfehle ich einen Nude-Ton oder Lippenstift in der Farbe der Lippen zu tragen", sagt Hanl. Mit Lipliner die Lippen ausmalen, so bleiben sie "in Farbe", wenn der Lippenstift schon längst weg ist. Ist der Mund nicht mehr ganz perfekt, vielleicht zu klein, rät Hanl, Concealer auf Lippen und Konturen aufzutragen, "das macht optisch größer". Dann mit Konturenstift über der Kontur die Kontur nachziehen. Bei den Augen führt an Eyeliner kaum ein Weg vorbei. "In Schwarz, sehr schön ist auch Kupfer." Eine Alternative sind Smokey Eyes, wofür man mit dunklem Lidschatten eine Eyeliner-Linie zieht und verblendet. Nicht vergessen werden dürfen die Brauen, die nun in sehr natürlicher Façon getragen werden. "Das gibt dem Gesicht einen Rahmen. Die Farbe sollte die der Haarfarbe sein, bei roten Haaren sind brünette Farbpuder oder -stifte ideal." Bronzer im Ton der Haut sorgt für einen Hauch Sonne am Dekolleté und im Gesicht, "besser als Solarium". Wimpern tuschen und fertig.

"Du sollst nicht ..."

Zu den Top-Schminksünden zählt Isabella Hanl "zu dunkle Augenbrauen, das macht das Gesicht hart". Ebenso: zu dunkle Foundation, "das macht alt". Zu viel Rouge kann fleckig werden. Klumpige Wimperntusche. Zu stark umrandete Augen wirken kleiner. "Sollen die Augen größer wirken, einfach das Tuschen der unteren Wimpern, das übrigens Augenringe und -schatten betont, sein lassen."

Aufgerufen am 17.09.2021 um 05:14 auf https://www.sn.at/leben/souveraen-im-auftritt-make-up-fuer-die-festspiele-106621828

Kommentare

Schlagzeilen