Mozartwoche

Mozarts Requiem mit frischem, großem Klang

Wiener Philharmoniker, Singverein und Solisten adeln Trauermusiken.

Dirigent (links) und Chorleiter freuen sich über den Beifall.  SN/ism/lienbacher
Dirigent (links) und Chorleiter freuen sich über den Beifall.

Etwas komisch klingt es schon, wenn nach wenigen Minuten gleich nach den tragisch durchpulsten Tönen von Adagio und Fuge in c-Moll, KV 546, "normaler" Applaus aufbrandet, nach weiterer kurzer Zeit auch die Maurerische Trauermusik ganz diesseitig empfangen und die in der Stimmung passende expressive "kleine" g-Moll-Symphonie Mozarts, hier sehr wohlklingend, aber nichtssagend vorgetragen, bejubelt wird. Aber so ist eben das Konzertritual, egal, wonach der Anlass klingt. Man ist feierlich gut aufgelegt im vollbesetzten "Haus für Mozart".

Mag sein, dass viele Besucher den Abend gebucht haben, weil Rolando Villazón den (ohnedies kleinen) Tenorpart in Mozarts Requiem singen wollte. Eine Stimmpause bis März hat es verhindert, an seiner Stelle war Mauro Peter mit kultiviertem Einsatz zur Stelle und bildete mit Adam Plachetka ein so formidables Männerduo wie auf der Frauenseite die wunderbare Elsa Dreisig und die feinherbe Angela Brower. Im Hintergrund wie eine Phalanx der Wiener Singverein, von Johannes Prinz souverän einstudiert. Man ist mittlerweile bei klassischen Chorwerken viel weniger Stimmen gewohnt als hier aufmarschiert sind, aber es wurde trotz der Fülle edel und subtil gesungen.

Am Pult nahm Andrés Orozco-Estrada die Totenmesse ohnedies frisch, knackig, eher rasch und auf dramatische Effekte hin kalkuliert. Die Wiener Philharmoniker steuerten ihren Edelklang unverblümt bei, ohne dass man sich in allfällige tiefere Gedankenzonen hätte verlieren müssen: klassisch eben, durch und durch. Und entsprechend "welthaltig" bejubelt.

Aufgerufen am 25.10.2020 um 04:24 auf https://www.sn.at/mozartwoche/mozarts-requiem-mit-frischem-grossem-klang-65139277

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