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Hände waschen und wieder waschen

Egal ob man Geld oder Haltegriffe anfasst, es gilt die gründliche Hygiene, wie sie uns Großeltern und Eltern beigebracht haben.

Händewaschen ist derzeit oberstes Gebot. SN/racle fotodesign/stock.adobe.com
Händewaschen ist derzeit oberstes Gebot.

Wie lang halten sich Coronaviren auf Gegenständen und sind von dort aus infektiös? Das ist eine Frage, die jetzt häufig an Hans-Peter Hutter gestellt wird. Er ist Facharzt mit dem Schwerpunkt Umweltmedizin an der Medizinischen Universität Wien und Spezialist für die Auswirkungen von Umweltfaktoren jeder Art.

Arbeiten, die sich mit dem SARS-Coronavirus (2002/2003) und MERS-Coronavirus (2012) befassten, ergaben, dass die Viren bei Raumtemperatur bis zu neun Tage lang auf Oberflächen infektiös bleiben können. Sie überlebten zwischen vier und fünf Tagen. Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit steigerten ihre Lebensdauer. Ob das in diesem Ausmaß für das neue Coronavirus gilt, ist nicht abschließend geklärt. Laut der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) reagieren Coronaviren sehr empfindlich auf Umwelteinflüsse. Unter idealen Laborbedingungen könnten sie allerdings Stunden bis mehrere Tage auf glatten Oberflächen überleben.

Es gebe jedoch keine Belege, dass Türklinken, Tastaturen, Haltegriffe, Geldscheine, Lebensmittel, Schuhe, Pakete und Briefe bis jetzt bei der Übertragung eine wichtige Rolle gespielt hätten, sagen die Fachleute der AGES. Direkter persönlicher Kontakt (länger als 15 Minuten, Abstand unter einem Meter oder wenn einen jemand anniest oder anhustet) ist gemäß der Weltgesundheitsorganisation derzeit der Hauptübertragungsweg.

Die Dauer von neun Tagen oder fünf Tagen oder drei Stunden spiele keine Rolle, sagt dazu Hans-Peter Hutter. "Solche Fragen zeigen nur, wie sehr alle schon verunsichert sind. Es gilt das, was immer schon für die persönliche Hygiene gegolten hat. Und in Zeiten von Infektionserkrankungen wie Covid-19 und der Influenza gilt das in ganz besonderem Ausmaß. Wir müssen waschen und wieder waschen und wieder waschen, wie uns das die Großeltern und Eltern beigebracht haben."

Waschen bedeutet: Die Hände gründlich und mindestens 20 bis 30 Sekunden lang mit Seife zu waschen, die Fingerkuppen, die Fingernägel, den Daumen, die Zwischenräume, Handballen, Handrücken, Handgelenke. Danach muss man die Hände gut abtrocknen. "Das macht man, wenn man Geldscheine angegriffen hat, wenn man in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war. Man putzt seine Schuhe und wäscht sich danach die Hände. Man wäscht sich die Hände, bevor man auf die Toilette geht. Man geht auf die Toilette und wäscht sich die Hände. Man wäscht Obst und Gemüse gründlich, man schält es, nicht nur wegen der Coronaviren, sondern weil sich auf Lebensmitteln immer Keime befinden können wie etwa Durchfallserreger. Es ist die normale Alltagshygiene und Hygiene ist eine der wirksamsten Methoden im Infektionsgeschehen", sagt Hans-Peter Hutter.

Chinesische Forscher haben in den vergangenen Tagen darauf hingewiesen, dass die Ansteckung auch über Fäkalien erfolgen könne und dass man bei kranken und gerade wieder als gesund eingestuften Patienten nicht nur den Mundabstrich, sondern auch dementsprechende Tests machen müsse, um auszuschließen, dass sie noch infektiös seien. "Auch bei sogenannten Schmierinfektionen gelten die Hygienevorschriften. Wie das auch bei Noroviren gilt, die schwere und lebensbedrohliche Brechdurchfälle auslösen", stellt Hans-Peter Hutter fest.

Wichtig ist auch: sich Disziplin anzueignen und sich nicht mit den Händen ins Gesicht oder die Haare zu fassen. Das braucht etwas Übung, denn das macht man ganz unbewusst mehrmals pro Minute.

Hans-Peter Hutter bittet auch, darüber nachzudenken, welche Kontakte zu Menschen mit einem höheren Risiko jetzt wirklich notwendig sind: "Wenn man eine Familienfeier geplant hat und deswegen alle angereist sind, ist die Frage, sieht man sich nur ein Mal im Jahr oder nicht. Wenn es wichtig ist, dann kann man das Umarmen, Küssen und Kinder-an-sich-Drücken sein lassen. Man muss alles abwägen und sozial verträglich gestalten."

Und noch ein Punkt: "Es ist wichtig, jetzt möglichst Ruhe zu bewahren. Stress reduziert zusätzlich die Abwehrkräfte."

Aufgerufen am 02.12.2021 um 03:13 auf https://www.sn.at/panorama/international/haende-waschen-und-wieder-waschen-84752857

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