Klimawandel

Greta Thunberg mit Wutrede vor UNO: "Wie könnt ihr es wagen"

Beim UNO-Klimagipfel in New York hat die junge schwedische Aktivistin Greta Thunberg Politikern aus aller Welt eklatantes Versagen vorgeworfen. "Menschen leiden. Menschen sterben. Wir befinden uns am Anfang eines Massen-Aussterbens, und alles, woran ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum. Wie könnt ihr es wagen!", sagte die 16-Jährige am Montag in New York.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich unterdessen zufrieden mit dem von ihm einberufenen Klimagipfel. "Heute in dieser Halle hat die Welt klare Handlungen und konkrete Initiativen gesehen", sagte Guterres zum Abschluss des Gipfels in New York am Montag. So hätten sich 77 Länder - viele davon Industriestaaten - zum Ziel der Klima-Neutralität im Jahr 2050 bekannt. 

Auch hätten 70 Länder angekündigt, ihren nationalen Beitrag zum Kampf gegen die Klimakrise ab 2020 zu erhöhen. Mehr als 100 Unternehmenschefs hätten sich zudem dazu verpflichtet, ihre Firmen ökologischer auszurichten. Guterres lobte auch die Anstrengungen von Entwicklungsbanken und Investoren für die Finanzierung sauberer Energiequellen. Der UNO-Chef stellte aber auch klar, dass die Arbeit trotz des mit dem Gipfel gesetzten Impulses weitergehe. Für eine klimaneutrale Welt im Jahr 2050 seien noch viel mehr Anstrengungen nötig.

Experten und NGOs zogen eine kritischere Bilanz des Gipfels. So sagte der Direktor der International Climate Initiative vom World Resources Institute, David Waskow, dass die größten CO2-Produzenten teilweise hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. "Es gab nicht die Art von Klarheit und die eindeutigen Aussagen, die wir von diesen Ländern sehen wollen würden", sagte Waskow mit Blick auf Deutschland oder China.

Thunberg, die sich für ihren Kampf ein Jahr vom Unterricht befreien lassen hat, wiederum sagte, sie müsste nicht in New York sein, wenn der Umweltschutz ernst genommen würde. "Ich wäre in der Schule, auf der anderen Seite des Ozeans." Dass sie dies nicht könne, sei Schuld der Politiker: "Ihr habt mit euren leeren Worten meine Träume und meine Kindheit gestohlen", sagte die 16-Jährige wütend.

Thunberg hat die Bewegung "FridaysForFuture" ins Leben gerufen. Diese bekam in New York Unterstützung von Guterres. Die jungen Klimaaktivisten hätten Recht, wenn sie "sofortiges Handeln" verlangten. Die ältere Generation habe bisher beim Klimaschutz versagt. Guterres verlangte als Teil einer globalen Kehrtwende unter anderem, dass nicht weiter "Billionen von Steuergeldern" für die Unterstützung des fossilen Energiesektors ausgegeben würden. Der Bau neuer Kohlekraftwerke müsse weltweit eingestellt werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisierte Thunberg für eine Beschwerde beim Kinderrechtausschuss der Vereinten Nationen gegen Frankreich, Deutschland und drei weitere Staaten. Die jungen Aktivisten sollten sich auf diejenigen konzentrieren und Druck ausüben, die versuchten, Dinge zu blockieren, sagte Macron dem französischen Radiosender Europe1. Er habe nicht das Gefühl, dass das die französische oder die deutsche Regierung sei, so Macron.

Thunberg und 15 weitere Jugendliche hatten zuvor eine Beschwerde bei der UNO eingereicht. Darin erklärten sie, dass Frankreich, Deutschland, die Türkei, Argentinien und Brasilien nicht genug gegen den Klimawandel unternehmen und damit gegen die vor 30 Jahre verabschiedete UNO-Kinderrechtskonvention verstoßen würden. Laut der Anwälte der Jugendlichen wurden die fünf Länder ausgewählt, weil sie die größten Umweltverschmutzer seien, die sich dem Beschwerdeverfahren für Kinder an den UNO-Ausschuss angeschlossen haben. Die Beschwerde ist aufgrund eines Zusatzprotokolls zur Kinderrechtskonvention möglich.

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich beeindruckt von Thunbergs Rede. "Greta hat die Fähigkeit, direkt ins Herz zu gehen", sagte er am späten Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz. Die jungen Klimaaktivisten seien die "politischen Kräfte von morgen", freute sich der 75-Jährige.

Der Kommentar von US-Präsident Donald Trump zu Thunbergs Rede kann wohl einzig als zynisch bezeichnet werden: "Sie wirkt wie ein sehr glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut. So schön zu sehen!", schrieb Trump auf Twitter.

"Ein Kind im Krieg" - Lilly ist Thailands Antwort auf Greta Thunberg

Das war die Rede von Greta Thunberg

Die zentralen Zitate im Wortlaut:

  • "Meine Botschaft ist, dass wir Euch beobachten! Das hier ist alles falsch, ich sollte hier nicht sein, ich sollte zurück in der Schule sein auf der anderen Seite des Ozeans - aber Ihr kommt immer noch zu uns jungen Menschen, um Euch Hoffnung zu geben!"
  • "Wie konntet Ihr es wagen, meine Träume und meine Kindheit zu stehlen mit Euren leeren Worten?"
  • "Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber Ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum - wie könnt Ihr es wagen?"
  • "Wenn Ihr die Situation wirklich verstehen würdet und uns immer noch im Stich lassen würdet, dann wärt Ihr grausam und das weigere ich mich zu glauben."
  • "Wie könnt Ihr es wagen zu glauben, dass man das lösen kann, indem man so weiter macht wie bislang - und mit ein paar technischen Lösungsansätzen? Ihr seid immer noch nicht reif genug zu sagen, wie es wirklich ist. Ihr lasst uns im Stich."
  • "Alle kommenden Generationen haben euch im Blick und wenn Ihr Euch dazu entscheidet, uns im Stich zu lassen, dann entscheide ich mich zu sagen: Wir werden Euch das nie vergeben! Wir werden Euch das nicht durchgehen lassen! Genau hier ziehen wir die Linie. Die Welt wacht auf und es wird Veränderungen geben, ob Ihr es wollt oder nicht."
Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 28.09.2020 um 04:40 auf https://www.sn.at/panorama/klimawandel/greta-thunberg-mit-wutrede-vor-uno-wie-koennt-ihr-es-wagen-76617169

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