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Eine App hilft im Kampf gegen das Virus: "Jede Stunde zählt"

Die neue Version der "Stopp Corona"-App des Roten Kreuzes beinhaltet einen Symptomcheck. Beim automatisierten Handshake via Smartphones gibt es in der Praxis Probleme.

Seit Freitag gibt es die neue Version der „Stopp Corona“-App des Roten Kreuzes. SN/apa
Seit Freitag gibt es die neue Version der „Stopp Corona“-App des Roten Kreuzes.

"Wie geht es Ihnen heute?" "Haben Sie immer wiederkehrenden, trockenen Husten, den Sie sich nicht plausibel (z. B. bekannte Allergie) erklären können?" Mit diesen Fragen beginnt der dreiteilige Symptomcheck auf der neuen Version der "Stopp Corona"-App des Österreichischen Roten Kreuzes.

Wird die zweite Frage mit "Ja" beantwortet, lautet das Ergebnis kurz und bündig "Verdachtsfall": Man wird gebeten, den Verdacht zu melden. Worauf es die Möglichkeit gibt, die in den vergangenen 48 Stunden über den digitalen Handshake erfassten relevanten Kontakte anonym über eine mögliche Ansteckung zu informieren - noch vor einem positiven Test. "Das schafft einen Zeitvorsprung im Kampf gegen das Virus", sagte Rotkreuz-Bundesrettungskommandant Gerry Foitik am Freitag in einem digitalen Briefing. Denn: SARS-CoV-2 kann schon bis zu 36 Stunden vor Auftreten der ersten Symptome für andere infektiös sein: "Jede Stunde zählt."

Was denn nun ein "relevanter Kontakt" sei? "Personen in einem Abstand von weniger als zwei Metern, mit denen man länger als 15 Minuten zu tun hat", heißt es etwa. Oder auch Menschen, mit denen man sich gemeinsam im "engen Luftraum" eines Pkw befinde. Jene Person, die den Verdacht gemeldet und die eigene Handynummer eingegeben hat, sollte die Telefonnummer 1450 wählen und einen Test durchführen lassen. Nach diesem Test kann man entweder die ärztliche Bestätigung eingeben oder Entwarnung geben. Rund 316.000 Menschen haben sich bis Freitagmittag die App "Stopp Corona" heruntergeladen. Bei der neuen Version kam es zu Verzögerungen - erst Freitagnachmittag konnte diese über die App Stores von Apple und Google bezogen werden.

Die App sei sicher kein Allheilmittel gegen die Pandemie, aber jeder, der sie nutze, leiste einen Beitrag, betonte Gerry Foitik. Für ihn sei die Anzahl der Downloads nicht entscheidend, sondern eher die Zahl der infektionsgefährlichen Kontakte der Menschen: "Wenn Sie gar keine Kontakte außerhalb ihrer Familie haben, brauchen Sie diese App nicht", sagte der Rotkreuz-Chef. Für all jene aber, die berufsbedingt viele Kontakte hätten, sei die "Stopp Corona"-App ein gutes Mittel.

Die zweite Neuerung der App betrifft den "automatisierten Handshake". Begegnungen mit anderen können also nicht mehr nur manuell registriert und gespeichert werden. Dies funktioniert über Bluetooth sowie Ultraschall, ist aber nicht als Ersatz des manuellen Handshake gedacht. "Wir überlassen es den Usern, welche Art des Handshakes sie praktizieren wollen", erläutert Peter Auer von der Firma Accenture, die mit der Konzeption der App beauftragt wurde. Grund dafür ist der Umstand, dass eine exakte automatische Abstandsbestimmung in der Praxis nicht immer einfach ist. "Smartphones sind dafür nicht perfekt geeignet", sagte Michael Zettel, der Österreich-Geschäftsführer von Accenture. Bedenken von Datenschützern kann Zettel nicht wirklich nachvollziehen: "Diese App ist ein Datenschutz-Champion. Wir erheben so wenige persönliche Daten wie nur irgendwie möglich." Außerdem würden die Daten - die Telefonnummer einer möglicherweise infizierten Person - nach 30 Tagen gelöscht.

Die nur auf Freiwilligkeit basierende App erstelle weder Bewegungsprofile noch würden GPS-Daten erfasst. Das Rote Kreuz sei allein an statistischen Daten, etwa wie viele Personen die App heruntergeladen und wie viele Handshakes stattgefunden haben, interessiert, hieß es am Freitag.

Gerüchte, wonach Daten an Google weitergegeben werden könnten, wurden vom Roten Kreuz auf SN-Anfrage dementiert: "Es gelangen keine Daten von uns nach außen." Auch komme es zu keiner inhaltlichen Kooperation mit Uniqa - das Versicherungsunternehmen unterstützt die "Stopp Corona" App bekanntlich mit zwei Millionen Euro. Gerry Foitik: "Da gibt es keinerlei Einfluss, die Uniqa bekommt kein einziges Datum von uns."

Wie lang die App in Österreich relevant sein wird? Sie hat laut Gerry Foitik "sicher noch die nächsten zwölf bis 18 Monate" eine Berechtigung. Die Epidemie sei jedenfalls erst dann vorbei, wenn eine Herdenimmunität eingetreten sei.

Aufgerufen am 23.09.2020 um 09:21 auf https://www.sn.at/panorama/medien/eine-app-hilft-im-kampf-gegen-das-virus-jede-stunde-zaehlt-86070427

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