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Lügen im Netz schüren die Coronapanik

Die Welt geht unter - zumindest im Internet. Wieso es online aktuell derart viele Falschnachrichten gibt. Und wie man damit umgehen sollte.

Einige der Falschnachrichten zu Corona.  SN/dopsch
Einige der Falschnachrichten zu Corona.

Ausgangssperren in ganz Österreich. Und wenn nicht in ganz Österreich, dann zumindest in Wien. Parallel schließen alle Geschäfte. Also auch Lebensmittelläden, Apotheken, Postfilialen.

Kein heimischer Politiker stellte bislang Ausgangssperren in den Raum. Und Regierung wie Behörden machten klar, dass die Grundversorgung durch Supermärkte etc. gewährleistet bleiben wird. Dennoch verbreiteten sich solche Informationen in den vergangenen Tagen online wie ein Buschfeuer.

Falschnachrichten sind beileibe kein neues Phänomen. Doch was seit dem Ausbruch des Coronavirus in den sozialen Medien los ist, übertrifft alles bisher da Gewesene. Das französische Gesundheitsministerium sah sich sogar veranlasst, klarzustellen, dass Kokainkonsum nicht gegen Covid-19 hilft, so wie im Web verbreitet. Und auch Innenminister Karl Nehammer warnte am Freitag neuerlich vor Fake News.

Wieso schwappt die Fake-News-Welle gerade dieser Tage derart hoch? Und wie soll man mit der Welle umgehen? Mehrere Faktoren spielten hier zusammen, schildert Michael Roither, Professor für digitale Medien und Kommunikation an der FH Burgenland. Es gebe zum einen Quellen, die Falschnachrichten bewusst verbreiteten. Und zwar aus einer Agenda heraus. Diese könne politisch motiviert sein oder wirtschaftliche Hintergründe haben. "Wenn ich irgendwelche Fake News rausballere, sammle ich Klicks und somit Werbegeld." Es gebe aber auch Onlinetrolle, die bewusst Unfrieden stiften wollten. "Um damit die eigene Psychohygiene zu befriedigen."

Eine Vielzahl an Falschnachrichten entstehe aber nicht aus Absicht. Vielmehr würden Informationen falsch interpretiert, überhöht, verzerrt. Dahinter stehe zutiefst Menschliches: Zum einen hätten Menschen gerade in Zeiten von starkem Druck den Wunsch, sich auszutauschen. Zum anderen sei in solchen Phasen die Kommunikation mit Bekannten besonders wichtig. Denn da seien Vertrauen und Glaubwürdigkeit höher. "Doch wenn sich das hochschaukelt, führt das zu jener Hysterie in WhatsApp-Gruppen, die wir dieser Tage beobachten", ergänzt Roither. Und der Medienexperte hat auch einen Rat, wie man mit der Hysterie umgehen soll. Trudelten etwa via WhatsApp Fake News aus dem Bekanntenkreis ein, sollte man diese nicht ignorieren, sondern sie hinterfragen und gegebenenfalls aufklärend wie beruhigend einwirken.

Aber was ist mit all jenen Informationen, die über Plattformen wie Facebook einprasseln? Biologieprofessor Carl Bergstrom rief dieser Tage gar zum Medienfasten auf. "Ich würde nicht zum Fasten raten, aber zu gesunder Ernährung", sagt Roither. Man sollte schlicht nur vertrauenswürdige Quellen wählen. Das seien zum einen die offiziellen Kanäle, zum anderen aber auch seriöse Medien: "Guter Journalismus ist jetzt besonders wertvoll."

Wer sich hingegen im Internet verliere, tue seiner Psyche nichts Gutes. Könne man der Versuchung dennoch nicht widerstehen, sollte man die gefundenen Fakten zumindest gegenchecken, rät Roither. Oft könnte Googeln schon reichen. Zudem gibt es eigene Faktencheck-Seiten wie correctiv.org oder mimikama.at. "Unsere Mitarbeiter arbeiten derzeit rund um die Uhr", schildert Andre Wolf, Sprecher und Inhalts-Manager von mimikama. Und auch er hat einen ähnlichen Rat wie Michael Roither: "Es ist derzeit besonders wichtig, den Informationskonsum zu entschleunigen - und auf die Quellen zu achten."


Aufgerufen am 06.12.2021 um 08:11 auf https://www.sn.at/panorama/medien/luegen-im-netz-schueren-die-coronapanik-84804109

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