Einfach Liebe

"Wir tanzen bald zu dritt durch das Leben"

Im Ballett "Der Widerspenstigen Zähmung" zanken sich die beiden. Abseits der Bühne gründen die Tänzer vom Bayerischen Staatsballett, Laurretta Summerscales und Yonah Acosta, nun eine Familie.

Mit verschränkten Armen steht Katharina da. Sie wippt mit dem Fuß und zieht eine Augenbraue hoch. Nur widerwillig lässt sie sich von ihrem Verehrer Petrucchio in die Arme schließen. Er ein draufgängerischer Lebemann, der eigentlich nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung ist. Sie eine dickköpfige Singlefrau, die verkuppelt werden soll, damit ihre kleine Schwester Bianca ihren Geliebten heiraten kann. Am Ende verlieben sich die beiden Sturköpfe in William Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" ineinander und entdecken ihre sanftmütigen Seiten.

Es sind die Paraderollen für die Tänzer Laurretta Summerscales und Yonah Acosta, die in dem Handlungsballett von John Cranko schon mehrmals auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper gestanden sind. Mit viel Witz und Charme spielen die beiden diese Figuren; als Zuschauer spürt man förmlich die Energie zwischen ihnen. Da überrascht es auch nicht, wenn man erfährt, dass die Britin Laurretta und der Kubaner Yonah seit dem Jahr 2014 abseits der Bühne ein Paar sind. "Wir haben uns 2011 am English National Ballet in London kennengelernt. Yonah konnte kein Wort Englisch, also haben wir drei Jahre lang kaum miteinander gesprochen", erzählt die heute 31-Jährige. Eines Tages habe Yonah, heute 32, den Mut gehabt, sie anzusprechen. "Und dann haben wir stundenlang miteinander geredet. Plötzlich war alles leicht. Und dann war schnell klar, dass sich daraus etwas entwickelt."

Laurretta und Yonah. SN/privat
Laurretta und Yonah.

Im November 2015 hat Yonah schließlich um ihre Hand angehalten, zwei Jahre später haben sie geheiratet - "in England, es war der bislang schönste Tag meines Lebens", wie Laurretta erzählt. Seit Herbst 2017 tanzen die beiden am Bayerischen Staatsballett in München und stehen seither auch gemeinsam auf der Bühne. "Wir mussten zunächst einen Weg finden, wie wir auch als Tanzpartner zusammen funktionieren. Das hat ein paar Monate gedauert, aber wir haben unseren Rhythmus gefunden", erzählen sie. "Auch wenn wir sehr streng zueinander sind in den Proben", gibt Laurretta zu.

"Eifersucht ist für uns kein Thema"

Was ist das Besondere daran, mit dem eigenen Partner zu tanzen? "Vertrauen", stimmen die beiden überein. "Da ist ein hoher Level an Vertrauen zwischen uns, den man mit keinem anderen Tanzpartner hat." Dennoch seien sie als Profis in dem Moment voll in ihrer Rolle: "Wir denken nicht daran, dass wir als Ehefrau und Ehemann tanzen, sondern wir sind dann diese Charaktere, wie Katharina und Petrucchio in ,Der Widerspenstigen Zähmung'. Dann geht es nur noch um die Beziehung dieser Figuren."

Sie tanzen auch regelmäßig mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Ensemble. Da kommt man sich natürlich nahe. Aber von Eifersucht wollen die beiden nichts wissen. "Es ist Teil unseres Jobs, mit anderen zu tanzen", sagen sie. "Auch wenn wir uns natürlich nicht komplett wohl dabei fühlen, andere zu küssen."

Während Yonah Acosta als Erster Solist in diesem Februar etwa in "Schwanensee" zu sehen sein wird, pausiert Laurretta Summerscales derzeit, denn sie erwartet im März ihr erstes Kind. "Als wir von der Schwangerschaft erfahren haben, war es eine Mischung aus freudiger Aufregung und Angst", sagt Laurretta. "Man fragt sich: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt? Sind wir bereit dazu? Und wie können wir das mit unseren Jobs als Profitänzer vereinbaren? Aber wir wollten es unbedingt und viele andere Tänzerpaare schaffen es ja auch - also warum nicht auch wir?"

"Unser Kind soll nur tanzen, wenn es das wirklich will"

Bis zum fünften Schwangerschaftsmonat hat Laurretta noch auf der Bühne getanzt. "Ich fand es zwar stressig, aber mir ging es gut und da ich das Tanzen so liebe, wollte ich es so lange versuchen, wie es geht." Sie habe in der Zeit auch Bedenken gehabt, wie ihre Vorgesetzten, etwa der Ballettdirektor, auf ihre Schwangerschaft reagieren würden. "Aber das war unbegründet", erzählt die Britin. "Er war so wundervoll zu mir und hat mich sehr beruhigt. Das ganze Ensemble war so lieb zu mir und hat mich von Anfang an unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar und das werde ich nie vergessen."

Auch wenn die genetischen Voraussetzungen von beiden Seiten her stimmen würden - eine kleine Ballerina oder einen kleinen Tänzer will das Paar nicht unbedingt heranziehen. "Unser Kind soll nur tanzen, wenn es das wirklich will", sagt Yonah. "Egal ob als Sänger, Schauspieler oder Immobilienmakler, wichtig ist, dass er oder sie glücklich im Leben ist."


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