Österreich

Sind Handschuhe zum Einkaufen überhaupt ratsam?

Die Gesundheitsbehörden sagen Nein, aber viele Menschen versprechen sich offensichtlich mehr Schutz davon.

Die Angst vor dem Coronavirus veranlasst viele Menschen, ihre Einkäufe mit Handschuhen zu erledigen. Auch manche Kassierinnen in Supermärkten oder Mitarbeiter an Tankstellen tragen Handschuhe. Die SN fragten nach, wie ratsam das ist.

Zuerst noch ein paar Beobachtungen beim morgendlichen Einkauf am Dienstag in einer großen Flachgauer Gemeinde: Mehrere Kunden tragen ihre mitgebrachten Einweghandschuhe, andere verwenden solche, die es in den Obstabteilungen gibt. Manche haben die Einkaufswagerl so angefüllt, dass die Waren gar nicht gleichzeitig auf dem Förderband Platz haben. Das dauert dann. Aber es geht ruhig zu und alle halten brav Abstand in der Reihe. Andere kaufen so viel, dass sie es allein kaum wegtragen können - auf dem Parkplatz klemmt sich eine schwer bepackte Frau zwei Sackerl Toastbrot zwischen die Beine, damit sie das Auto aufsperren kann.

Andere erzählen von Zutrittsbeschränkungen in Apotheken oder der Verpflichtung, in einer Arztordination eine Mundschutzmaske zu tragen, auch wenn man nur auf eine Rezeptausstellung wartet. Willkommen im Coronazeitalter.

Sowohl bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) als auch bei der Apothekerkammer wird betont, dass Handschuhe keinen besseren Schutz vor einer Ansteckung böten. Entscheidend sei die Handhygiene - also nach dem Einkauf zu Hause gleich gründlich Hände waschen. "Die Haut ist der beste Schutz gegen das Virus", heißt es bei der AGES, daher sei die Handhygiene so wichtig. Handschuhe hätten "keinen hygienischen Mehrwert" im Alltag. Das gelte natürlich nicht für Tätigkeiten im Gesundheitsbereich, in denen es um Desinfektion (und auch um die Abwehr einer Menge anderer Viren und Bakterien) geht.

Die Apothekerkammer empfiehlt einen geregelten Zutritt für die Kunden. Verantwortlich ist aber jeder einzelne Apotheker. So sei es denkbar, bei zwei Eingängen einen vorübergehend zu schließen.

Die Handelsketten ersuchen die Kunden nur darum, mindestens einen Meter Abstand zu anderen zu halten und besonders auf Handhygiene zu achten. Und darum, mit Karte anstatt Bargeld zu zahlen, um die direkten Kontakte zu minimieren. Spar-Sprecherin Nicole Berkmann sagt zum Thema Handschuhe: "Unsere Mitarbeiter können selbst entscheiden, wie sie das handhaben."

Ganz ähnlich ist das bei Rewe. Sprecher Paul Pöttschacher kündigt aber zwei Initiativen bei Billa an: Einerseits sollen Bodenmarkierungen an den Kassen - ähnlich wie in Banken oder teilweise Apotheken - helfen, dass Kunden genug Abstand halten. Zudem gibt es einen Appell, die Zeit von 8 bis 9 Uhr früh für ältere Kunden zu reservieren. An den generellen Öffnungszeiten halten die Handelsriesen aber fest, damit sich die Kunden nicht noch mehr umstellen müssen und sich der Zustrom nicht stärker konzentriert.

Aufgerufen am 03.12.2021 um 08:26 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/sind-handschuhe-zum-einkaufen-ueberhaupt-ratsam-85001266

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