Österreich

Treibhausgas-Emissionen sind 2017 zum dritten Mal in Folge gestiegen

Die Treibhausgasbilanz 2017 für Österreich sieht ziemlich schlecht aus. Das österreichische Klimaschutzgesetz sieht vor, umgehend Maßnahmen zu ergreifen.

Erstmals wurde auch das nationale Ziel überschritten SN/APA (dpa)/A3462 Marcus Führer
Erstmals wurde auch das nationale Ziel überschritten

Die Treibhausgas-Emissionen in Österreich steigen trotz zahlreicher Bemühungen weiter an. Und zwar schon zum dritten Mal in Folge. Das weisen die Zahlen aus, die das Umweltbundesamt (UBA) am Dienstag in seiner Treibhausgasbilanz 2017 veröffentlichte. Im vergangenen Jahr wurden in Österreich insgesamt 82,3 Millionen Tonnen Treibhausgase in die Luft geblasen. Das sind um 2,7 Millionen Tonnen oder 3,3% mehr als im Jahr davor.

Die ausschlaggebenden Faktoren für diese nachteilige Entwicklung sind die Steigerung des Einsatzes fossiler Energieträger im Energie- und Industriebereich sowie die Steigerung bei der Nachfrage nach Gütertransporten. Die Zahlen legen nahe, dass es Österreich nicht gelungen ist, das hohe - und positiv zu bewertende - Wirtschaftswachstum vom Einsatz fossiler Energieträger zu entkoppeln.

"Seit dem Jahr 1990 beobachten wir beim Verkehr eine Steigerung der Treibhausgas-Emissionen um 71,8%. Anreize und Maßnahmen zum Umstieg auf klimaverträgliche Mobilitätsformen sind unumgänglich", sagt UBA-Geschäftsführerin Monika Mörth zur Bilanz.

Gesamte THG-Emissionen – sektorale Anteile und Trends. SN/umweltbundesamt
Gesamte THG-Emissionen – sektorale Anteile und Trends.

Grund für diesen Anstieg im Verkehrssektor sind der Umstand, dass immer mehr Autos auf der Straße unterwegs sind (plus 2 %) und dass der fossile Kraftstoffabsatz dadurch steigt: im Vergleich zu 2016 wurde um 2,9% mehr Diesel verkauft, bei Benzin waren es um 1,2% weniger. Was den Emissionshandelsbereich betrifft, zu dem Industrie- und Energiebetriebe zählen, so hat im Energiesegment eine hohe Stromproduktion aus Großgaskraftwerken den Ausschlag gegeben. 2017 wurde weniger Strom in den Wasserkraftwerken erzeugt, was durch den heißen Sommer bedingt ist. Dafür wurde mehr Strom mit Wind- und Photovoltaikkraftwerken erzeugt.

Emissionen aus dem Gebäudesektor (z.B. Heizen) stiegen um 1,8%. Gesunken sind Emissionen in der Landwirtschaft (minus 1,4%) und in der Abfallwirtschaft (minus 2,4%). Industrie und Energieerzeugung haben den größten Anteil an den Treihausgasen (44%). Es folgen Verkehr (29%), Landwirtschaft (10%), Gebäude (10%), Abfallwirtschaft (4%), fluorierte Gase (aus elektrischen Betriebsmitteln, etc.).

Gesamte THG-Emissionen – sektorale Anteile und Trends. SN/umweltbundesamt
Gesamte THG-Emissionen – sektorale Anteile und Trends.

Anlässlich der vom Umweltbundesamt präsentierten Treibhausgas-Bilanz für Österreich im Jahr 2017 haben Umwelt-NGOs Sofort-Maßnahmen gefordert. Die Emissionen haben "erstmals die gesetzlichen Höchstwerte für Österreich im Rahmen der EU-Ziele überschritten. In diesem Fall schreibt das österreichische Klimaschutzgesetz vor, umgehend Maßnahmen zu ergreifen", sagte Adam Pawloff von Greenpeace. "Die Regierung muss sofort ein Notfallprogramm starten, um den Anstieg der Treibhausgase einzudämmen. Dazu ist sie auch gesetzlich verpflichtet. So muss unbedingt der öffentliche Verkehr gestärkt werden, etwa durch günstigere Bahntickets oder eine höhere Pendlerpauschale für Öffis", forderte Klima-Experte Pawloff. Mit der "zahnlosen Klimastrategie von Schwarz-Blau" würde Österreich die Klimaziele meilenweit verfehlen.

Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000, kritisierte: "Das ist kein Problem, das man aussitzen kann. Angesichts der schlechten Klimabilanz Österreichs, darf die Bundesregierung den Kopf nicht länger in den Sand stecken. Umweltministerin Elisabeth Köstinger muss Verantwortung übernehmen, Sofortmaßnahmen ergreifen und sicherstellen, dass die Umsetzung der Energiewende in Österreich vorankommt." Das Jahr 2019 sei "das Entscheidungsjahr für die Klimapolitik in Österreich".

Auch der WWF Österreich drängte auf rasche Sofort-Maßnahmen. "Heiße Luft haben wir genug, 2019 braucht es endlich mehr Mut und Konsequenz im Klimaschutz. Die kommende Steuerreform wird zeigen, ob es die Regierung damit ernst meint oder weiter auf eine Politik der kleinen Schritte setzt", sagte WWF-Klimaexpertin Lisa Plattner.

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