Österreich

Wienerin setzt Zeichen gegen Rassismus: "Ich bin kein Virus"

Die 27-jährige Wienerin Saya machte mit ihrer Aktion auf Diskriminierung asiatischer Menschen infolge des Coronavirus aufmerksam. Fälle von Anfeindungen und gar Gewalt häufen sich auch in Österreich.

"Schau, die gelbe Gefahr", sagt ein älterer Herr in der Wiener U-Bahn und deutet mit dem Kopf in Richtung eines asiatischen Paares. Ein Kleinkind zeigt in der Fußgängerzone auf eine Asiatin und schreit: "Coronavirus!" Eine Frau wird von drei Männern auf offener Straße beschimpft und bespuckt.

Seit dem Ausbruch der Viruserkrankung häufen sich die Fälle von Rassismus gegenüber Menschen asiatischer Herkunft auch hierzulande. Dabei sei es ohne Belang, ob die Person tatsächlich aus China, einem anderen asiatischen Land oder Österreich stammt. Das Aussehen reiche schon, sagt Saya. Die 27-jährige Wienerin hat koreanische Wurzeln. Sie selbst sei in letzter Zeit Opfer von Rassismus geworden, den sie so in Österreich nicht gekannt habe. Doch als ihre asiatische Freundin am Heimweg von drei Männern bedrängt, beschimpft und bespuckt wurde, entschied sie, etwas zu unternehmen. Saya protestierte in der Wiener Innenstadt, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Sie stand vor der U-Bahn-Station Kettenbrückengasse und hielt ein Schild mit der Aufschrift "Ich bin kein Virus". Danach fuhr sie damit noch mit der U3 und der U4.

Die Wienerin erntete auch Hassnachrichten auf Social Media

"Die Leute haben vor allem geschaut und interessiert gelesen", berichtet die diplomierte Kosmetikerin. Angefeindet wurde sie während ihrer Aktion nicht. Aber als sie Fotos davon auf Instagram postete, wurde die 27-Jährige auch mit Hassnachrichten konfrontiert. "Viele unterstützten meine Aktion. Aber ich habe auch beleidigende, rassistische Kommentare erhalten", sagt Saya. Einige warfen ihr Effekthascherei vor, andere schrieben Kommentare wie "Ihr esst Hunde und Katzen".

"Da läuft im Moment etwas wahnsinnig falsch", sagt Saya. "Anstatt in dieser Zeit, in der Tausende Menschen sterben, zusammenzuhalten, wird Hass innerhalb der Gesellschaft geschürt." In ihrer Instagram-Story machte sie am Mittwoch daher auf eine Spendenaktion für die Corona-Opfer in Wuhan aufmerksam. Ob und wann sie wieder protestierend U-Bahn fährt, wisse sie im Moment noch nicht. Aber sie wolle das Thema weiterverfolgen und auch in Zukunft für Rassismus gegenüber asiatischen Menschen sensibilisieren.

Anschober: Diskriminierung kann nicht akzeptiert werden

Gesundheitsminister Rudolf Anschober sagte letzte Woche im Vorfeld des Sonderministerrats in Brüssel: "Die Diskriminierung chinesischer Staatsbürger infolge des Virusausbruchs kann nicht akzeptiert werden. Das ist zutiefst unangebracht und uneuropäisch."

Doch die Diskriminierung findet statt - im Netz, in der U-Bahn, im Restaurant. Und wie der Fall von Saya zeigt, muss man nicht einmal chinesischer Staatsbürger oder chinesische Staatsbürgerin sein, um mit dem Coronavirus in Verbindung gebracht zu werden.

Weltweiter Hashtag gegen Rassismus

Auch in anderen Ländern wehrten sich Menschen asiatischer Herkunft gegen abfällige Bemerkungen. Unter dem Hashtag #JeNeSuisPasUnVirus (dt. "Ich bin kein Virus") berichteten Betroffene weltweit auf Twitter von ihren Erfahrungen mit Rassismus im Alltag.

In Frankreich wurde ein Sushi-Restaurant von außen mit dem Schriftzug "Corona Virus" besprüht. In den Niederlanden ging Anfang Februar ein Lied mit dem Titel "Vorbeugen ist besser als Chinesen" in Umlauf. Zudem wird darin von "Stinkchinesen" gesungen. Daraufhin wurde die Petition "Wir sind keine Viren" gestartet, die bereits nach wenigen Tagen von 25.000 Unterstützern online unterzeichnet wurde.

Aufgerufen am 21.01.2021 um 01:47 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/wienerin-setzt-zeichen-gegen-rassismus-ich-bin-kein-virus-83726332

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