"Heute hat man einen gehängt": Als in Salzburg noch die Todesstrafe galt

Tod durch Schwert oder Galgen - dieses Schicksal erlebten viele verurteilte Salzburger auch noch zu Mozarts Lebzeiten und bis in die Nachkriegszeit. Wann und an welchen Plätzen die Todesstrafe in Salzburg vollstreckt wurde, hören Sie in dieser Podcastfolge von "Schattenorte".

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Schattenorte Simona Pinwinkler

Wo heute Touristenbusse Halt machen und der Stadtverkehr fließt, baumelten einst die Leichen vom Galgen. In Schallmoos befand sich die älteste Richtstätte in der Stadt Salzburg. Dort wurden zum Tode Verurteilte gehängt und ihre Leichen zur Abschreckung wochenlang zur Schau gestellt. Erzbischof Wolf Dietrich ließ den Richtplatz nach Gneis verlegen - das Scharfrichterhaus des letzten Salzburger Henkers Franz Joseph Wohlmuth erinnert noch heute daran. Während andernorts die Folter schon abgeschafft war, wurden in Salzburg noch im späten 18. Jh. "Jungfern ausgepeitscht", wie Nannerl Mozart in ihrem Tagebuch festhielt. Die Familie Mozart entpuppt sich generell als Zeugen von Hinrichtungen und Folterungen am Beginn der Aufklärung. Im 19. Jahrhundert wiederum wurden am Exerzierplatz in Gnigl die Verurteilten gehängt - weniger oft, aber dafür mit großem Spektakel. Die letzte öffentliche Hinrichtung war die eines Giftmörders aus Werfen - mit seinem Fall begann der Aufstieg der Gerichtsmedizin in Salzburg. Bis zum Jahr 1950 wurde die Todesstrafe in Österreich immer wieder aufgehoben und wieder eingeführt. Zum letzten Mal hängte man in Salzburg am 22. November 1949, einen 28-jährigen staatenlosen Ukrainer, der eine Frau ermordet hatte.
Der Rechtshistoriker Gerhard Ammerer begleitet uns in dieser Podcastfolge durch die Geschichte der Todesstrafe in Salzburg und führt an Orte der ehemaligen Richtstätten.

Schattenorte: Der Podcast über die dunkle Geschichte Salzburgs

Im Podcast "Schattenorte" beleuchten die SN-Redakteurinnen Anna Boschner und Simona Pinwinkler die dunkle Geschichte in Stadt und Land Salzburg.

Haben Sie Fragen oder Anregungen zu dieser Episode? Oder kennen Sie Schattenorte in Ihrer Heimat, die es zu beleuchten gilt? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an podcast@sn.at

Literatur zu dieser Episode:

Gerhard Ammerer und Christoph Brandhuber, Schwert und Galgen. Die Geschichte der Todesstrafe in Salzburg. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2018.

Musik: Eine kleine Nachtmusik, KV 525, Wolfgang Amadeus Mozart. Copyright: Youtube.

Historiker Gerhard Ammerer studierte Geschichte, Germanistik und Jus und war bis zu seinem Ruhestand Professor an der Universität Salzburg. Er wurde durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen ausgezeichnet mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. SN/robert ratzer
Historiker Gerhard Ammerer studierte Geschichte, Germanistik und Jus und war bis zu seinem Ruhestand Professor an der Universität Salzburg. Er wurde durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen ausgezeichnet mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

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