Innenpolitik

Corona: Regierung setzt auf "Schichtbetrieb in den Schulen"

Die Schulen öffnen Mitte Mai für Kinder bis zur achten Schulstufe. Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, werden die Klassen in je zwei Gruppen geteilt, die an unterschiedlichen Tagen die Schule besuchen. Zudem gelten Hygienevorschriften.

Seit Mitte März lernen Österreichs Schüler und Schülerinnen im Heimunterricht. Zwei Monate später wird die Phase des Distance Learnings für einen Großteil enden. Während die Maturanten bzw. die Abschlussklassen an den berufsbildenden mittleren Schulen und Berufsschulen bereits am 4. Mai in ihre Klassenzimmer zurückkehren, sind die Schulen ab 18. Mai auch für alle Kinder bis zur achten Schulstufe wieder geöffnet. Am 3. Juni folgen alle weiteren Schüler. Jeweils am Freitag davor (15. bzw. 29. Mai) finden an den Schulen Lehrerkonferenzen statt. Wie der Schulalltag aussehen wird, erklärte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Freitagvormittag bei einer Pressekonferenz.

Klassen werden geteilt - Unterricht im Schichtbetrieb

Da soziale Distanz und das Einhalten von bestimmten Hygieneregeln im Schulgebäude schwierig seien, setzt das Bildungsministerium auf "das neue Prinzip der Verdünnung durch Schichtbetrieb." Die Klassen werden geteilt - die eine Hälfte soll von Montag bis Mittwoch Unterricht haben, die andere Donnerstag und Freitag. In der Woche darauf ist es umgekehrt. Bei der Klassenteilung könne beispielsweise nach dem Alphabet vorgegangen werden. Im Schnitt werden elf Schüler eine Gruppe bilden. Die Stundenpläne bleiben "im Wesentlichen unverändert", das Fach Bewegung und Sport entfällt allerdings. Selbiges gilt wohl für die Musikerziehung und den Nachmittagsunterricht. Unterrichtsfreie Tage können in der Schule (beispielsweise im Turnsaal, betreut durch Supplierlehrer) verbracht werden. Wenn möglich, sollten Eltern die Kinder an diesen "Hausübungstagen" aber daheim lassen, appellierte der Minister.

Hygienevorschriften und Maskenpflicht

Wie bereits vor der Pressekonferenz durchgesickert war, findet der Schulunterricht künftig unter strengen Hygienevorschriften statt. Das Bildungsministerium hat hierfür ein Handbuch ausgearbeitet. Faßmann betonte: "Die Grundprinzipien sind das oftmalige Waschen der Hände, das Einhalten von Distanz und das Tragen von Masken." Die Masken, die von den Eltern gestellt werden sollen, dürfen nur während des Unterrichts im Klassenraum abgesetzt werden. Nach dem Betreten des Schulgebäudes müssen die Hände mit Flüssigseife gewaschen oder desinfiziert werden. Eltern und andere schulfremde Personen ist der Zutritt nur nach Terminvereinbarung erlaubt.

Schüler, die sich aufgrund der Corona-Pandemie psychisch nicht in der Lage sehen, in die Schule zu gehen oder kranke Menschen im eigenen Haushalt schützen möchten, gelten nach Meldung an die Schulleitung als entschuldigt. Es gelten dabei die gleichen Regeln wie im Krankheitsfall des Schülers. Bei den Lehrern ist es ähnlich: Angehörige von Risikogruppen können daheim bleiben, müssen aber für andere Aufgaben wie etwa Online-Unterricht zur Verfügung stehen.

Keine Schularbeiten im heurigen Schuljahr

Die inhaltlichen Schwerpunkte im Unterricht sollen der Abschluss des Schuljahres, die Festigung der Grundkompetenzen und die Vorbereitung auf die nächste Schulstufe sein. Die Leistungsbeurteilung soll auf Basis des Halbjahreszeugnis und der Leistungen bis zum 16. März erfolgen. "Da waren immerhin zwei Drittel des Jahres absolviert. Das erlaubt eine valide Beurteilung", sagte Faßmann. Zudem sind auch das Distance Learning und die Leistungen ab Mai einzurechnen. Es gebe aber keine Schularbeiten mehr. Bei Zwischennoten können Schüler mündliche Prüfungen machen. In der Volksschule kann es Klassenwiederholungen nur auf Wunsch geben. Bei allen Schülern gilt, dass das Aufsteigen in die nächste Schulstufe bei einem Nicht Genügend ohne Zustimmung der Klassenkonferenz möglich ist.

Schuljahr wird nicht verlängert

Faßmann erklärte zudem, dass das Schuljahr nicht verlängert werde. Allerdings werde überlegt, ob der Start im Herbst vorverlegt werden kann. Eine Möglichkeit seien Summer Schools, die vor allem jene Schüler in Anspruch nehmen könnten, die Schwierigkeiten im Bereich der Grundkompetenzen haben. Das soll den Einstieg ins nächste Schuljahr erleichtern. Denn laut Bildungspsychologin Christiane Spiel (Universität Wien) dürfte die Bildungsschere in den vergangenen Wochen "ordentlich aufgegangen sein". Laut einer an ihrem Department durchgeführten Studie mit rund 8300 Schülern zwischen zehn und 19 Jahren hätten etwa 16 Prozent angegeben, über keinen eigenen Laptop bzw. Tablet zu verfügen, 21 Prozent hatten keine Unterstützung beim Lernen. Dazu müsse man noch bedenken, dass die Befragung online durchgeführt worden sei - wer überhaupt kein Endgerät zur Verfügung habe, konnte also gar nicht teilnehmen.

Kein Fahrplan für Kindergarten

Nur Empfehlungen hat Faßmann im Bereich Kindergarten, der großteils in die Zuständigkeit von Ländern und Gemeinden fällt, ausgesprochen. Alle Kindergartenbetreiber wurden ersucht, jedem der 300.000 Unter-Sechsjährigen Betreuung anzubieten, der diese braucht. Der berufliche Hintergrund der Eltern soll dabei kein Kriterium sein. Ab dem 18. Mai sollten aus Sicht des Bildungsministeriums außerdem speziell Kinder im letzten Kindergartenjahr vor dem Schuleintritt und jene Drei- bis Vierjährigen in den Kindergarten kommen, die Sprachförderbedarf haben.

"Sofern machbar" wird an den Kindergärten wie in den Schulen ein Schichtsystem vorgeschlagen.

Empfohlen wird zudem, dass Kinder bereits am Eingang der Einrichtung den Pädagogen übergeben werden sollen. Außerdem soll das gemeinsame Arbeiten und Spielen mit Gegenständen vermieden werden, bei Kontakt mit Speichel sollen Gegenstände sofort desinfiziert und generell regelmäßig gereinigt werden.

"In Zeiten von Corona soll das Bild des Kindergartens nicht wieder auf die reine Betreuungsfunktion für die, die ihre Kinder nicht anders unterbringen, reduziert werden", betonte Faßmann. Vor allem für die Fünfjährigen erfülle er wichtige Aufgaben bei Sprachförderung und Vorbereitung auf den Schuleintritt. Den Einrichtungen empfiehlt das Ministerium, neben der generellen Betreuung nun wieder verstärkt Bildungsarbeit anzubieten.

Liveblog zur Coronakrise:

Aufgerufen am 27.11.2020 um 11:56 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/corona-regierung-setzt-auf-schichtbetrieb-in-den-schulen-86660734

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