Innenpolitik

Covid-19: "Das Risikobewusstsein muss aufrechterhalten bleiben"

Auch wenn es jetzt durch den "Sommereffekt" eine Entspannung gebe, müssten die Leute weiter vorsichtig sein. Das betonten Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und der deutsche Virologe Christian Drosten.

"Es schaut gut aus, die aktuelle Situation ist grundsätzlich eine positive, aber das darf uns nicht täuschen, es ist nicht vorbei", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober in der Pressekonferenz am Mittwochvormittag. 14 Neuinfektionen seien in den vergangenen 24 Stunden dazugekommen. "Bisher sehen wir keine negativen Auswirkungen durch all die Lockerungsschritte seit dem 14. April." In Vorbereitung auf den Herbst müsse aber das Risikobewusstsein in der Bevölkerung aufrechterhalten bleiben, um eine zweite Welle und einen zweiten Lockdown zu vermeiden. Er zeigt sich optimistisch, dass dies auch gelingen kann. Wichtig sei in der Vorbereitung, das Kontaktpersonenmanagement zu verbessern, "je schneller wir sind, desto besser können wir abgrenzen, wenn was passiert". Sein Appell, die Corona-App des Roten Kreuzes zu nutzen. Auch ein breites Screeningprogramm kündigt Anschober an. "Ohne die Hygienemaßnahmen und den Mindestabstand von 1,5 Meter werden wir aber nicht erfolgreich sein."

Der deutsche Virologe Christian Drosten von der Universitätsklinik Charité in Berlin schlägt in die gleiche Kerbe. Vor allem die Schulen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser müssten im Auge behalten werden, um das Virus dort nicht einzuschleppen. Auch größere Versammlungen und Kulturveranstaltungen in Innenräumen sieht er kritisch. "Die Aerosolübertragung kann man nicht durch ein Abstandsgebot von 1,50 Meter regulieren." Für Drosten ist klar: Einer zweiten Welle kann aktiv entgegengetreten werden - "es kommt eine Welle, und wir müssen uns ducken, so ist es nicht". Das Wichtigste ist seiner Meinung nach, über den Sommer nicht die Achtung vor dem Virus zu verlieren. Es gebe jetzt vermutlich einen "Sommereffekt" durch die Temperaturen und dadurch eine Entspannung. "Aber es kann schon auch sein, dass wir in der ansteigenden Flanke einer zweiten Welle sind, ohne es zu merken. Wir können das nicht ausschließen."

Die Virologin Elisabeth Puchhammer von der MedUni Wien geht davon aus, dass im Herbst die Labordiagnostik sehr gefordert werden sein wird. Denn derzeit gebe es wenig respiratorische Erkrankungen, aber die würden dann wieder ansteigen. In diesem Zusammenhang müsste die Logistik bei den Covid-19-Tests verbessert werden und die Phase von der Blutabnahme bis zum Befund verkürzt werden.

Im Rückblick sei der Lockdown zum richtigen Zeitpunkt gemacht und die richtigen Maßnahmen gesetzt worden, sagte Gesundheitsminister Anschober, das habe die wissenschaftliche Evaluierung ergeben. Der Virologe Drosten ergänzt, in Österreich und Deutschland sei es gelungen, im Umgang mit dem Virus drei bis vier Wochen Vorsprung zu haben, das habe den Unterschied zu anderen Ländern gemacht. "Wir haben durch die Labordiagnostik gemerkt, was los ist." In den USA sei die frühe Intervention nicht zum Tragen gekommen, deswegen gebe es dort auch diese "verzweifelte Situation". In einigen Bundesstaaten sei zu früh gelockert worden. - "Wir haben soweit gebremst, dass wir bei den Neuerkrankungen in einem niedrigen Bereich liegen."


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