Ein riskantes Spiel

Sebastian Kurz geht mit der Auswahl seiner Minister ein hohes Risiko ein.

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Standpunkt Andreas Koller

Die beiden Regierungsteams - also die schwarztürkise Mannschaft Sebastian Kurz' und die blaue Mannschaft Heinz-Christian Straches - könnten unterschiedlicher nicht sein. Während Strache (mit Ausnahme der Außenministerin) seine Minister aus jenem Personenkreis rekrutierte, der seit Jahren den personellen Kernbestand der FPÖ bildet, holte sich Kurz mit Ausnahme Elisabeth Köstingers und Gernot Blümels lauter Quereinsteiger. Eine Wirtschaftsministerin fand er in der Telekombranche, einen Bildungsminister im Wiener Uni-Rektorat, eine Frauen- und Familienministerin am Institut für Biochemie der Technischen Universität Graz, einen Finanzminister im Vorstand der Uniqua-Versicherung, eine Staatssekretärin im Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Den Justizminister hat er gar in der freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft gefunden. Sebastian Kurz hat mit diesen Personalentscheidungen nicht nur seine Partei überrascht, sondern auch jene Medien, die seit Wochen Ministerlisten publizierten. Sie waren allesamt falsch.

Wie schon bei der Übernahme der Volkspartei geht Sebastian Kurz auch bei der Übernahme der Regierungsmacht ein hohes Risiko ein. Anders als Straches Minister in der FPÖ, haben Kurz' Minister in der ÖVP nur wenig bis keinen Rückhalt. Es sind seine Leute ganz allein. Somit scheitert auch Kurz ganz allein, sollte das Experiment daneben gehen. Ein riskantes Spiel. Wobei: Bisher hat Kurz derlei riskante Spiele stets gewonnen.

Aufgerufen am 15.07.2018 um 07:42 auf https://www.sn.at/politik/innenpolitik/ein-riskantes-spiel-21809851

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