Innenpolitik

Neue Affäre um braune Lieder

Auch in einem Liederbuch einer Wiener Burschenschaft finden sich antisemitische Texte. Der Chef der Verbindung sitzt im Büro von FPÖ-Minister Hofer und rechtfertigt sich im SN-Gespräch.

Auch bei Bruna Sudetia antisemitische Texte SN/APA (FALTER)/UNBEKANNT
Auch bei Bruna Sudetia antisemitische Texte

"Du bist Teil einer Gemeinschaft, wie sie in der heutigen Zeit einzigartig ist." So wirbt die 1871 gegründete Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia auf ihrer Homepage um Mitglieder. Recherchen des "Falter" zufolge liegt auch in dieser Burschenschaft ein Liederbuch mit antisemitischen und NS-verherrlichenden Texten auf - ungeschwärzt, wie der "Falter" betont.

Was den Fall brisant macht: Vorsitzender der Burschenschaft ist Herwig Götschober, freiheitlicher Bezirksrat in Heinz-Christian Straches Stammbezirk Wien-Landstraße und im Kabinett von Infrastrukturminister Norbert Hofer für den Social-Media-Auftritt zuständig. Götschober war laut "Falter" bereits 2013 persönlicher Referent Hofers.

Mitarbeiter von Minister Hofer

Wie bei der Wiener Neustädter Burschenschaft Germania findet sich auch im angeblichen Liederbuch der Bruna Sudetia die Liedzeile "Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million" - eine Anspielung auf die im Holocaust ermordeten rund sechs Millionen Juden.

Weitere Textproben: "Zwei Juden badeten einst im Fluss, weil jeder Mensch einmal baden muss. Der eine, der ist ersoffen, vom anderen wollen wir's hoffen.", Oder: "Zwei Juden saßen auf einer Bank, der eine roch und der andere stank..."

Die SN erreichten Götschober, der laut Vereinsregister im Vorstand der im achten Wiener Bezirk beheimateten Burschenschaft ist, zu Hause im Krankenstand: "Ich kenne das Liederbuch nicht. Ich habe ein anderes, das habe ich dem ,Falter' auch geschickt und ich lehne solche Inhalte natürlich kategorisch ab." Er wolle damit nichts zu tun haben, sagt Götschober den SN. Und er habe "keine Ahnung", wo das Liederbuch herkomme.

"Keine Ahnung", wo das Liederbuch herkommt

"Wir haben so etwas meines Wissens auch nicht in unserem Haus. Ich weiß nicht, was das für ein Liederbuch oder Liederheft ist." Verbindungs-Vorstand Götschober ist dieses Buch, wie er sagt, nie untergekommen. Er könne "absolut, ganz sicher" ausschließen, dass das Lied gesungen worden sei. Die angeführten Textpassagen seien furchtbar. "So etwas würde ich nie singen wollen bzw. abdrucken oder sonst irgendetwas - furchtbar."

Götschober sind auch keine geschwärzten Versionen dieses Liederbuchs bekannt. "Ich kenne die Version nicht, ich habe eine ganz andere Version, die ist auch vom Format vollkommen anders." Über den Zeitpunkt des Erscheinens des Liederbuchs gibt es keine konkreten Angaben. Laut Experten sind die Texte aber jedenfalls nicht auf einer Schreibmaschine, sondern auf einem Computer geschrieben worden.

Die Bruna Sudetia weist alle Vorwürfe "mit aller Vehemenz" zurück. Das Buch sei niemals in Besitz der Verbindung und daher auch nicht in Verwendung gewesen, hieß es am Dienstag in einer Stellungnahme gegenüber der APA. Die Verbindung prüft nun rechtliche Schritte gegen den "Falter".

Den Holocaust verherrlichende Texte aus dem Liederbuch.  SN/apa/falter
Den Holocaust verherrlichende Texte aus dem Liederbuch.

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