Innenpolitik

Skandal um Bischof Alois Schwarz: Salzburgs Erzbischof soll in Kärnten "aufräumen"

Die Ereignisse nach dem Abgang des früheren Bischofs von Gurk-Klagenfurt überschlagen sich nun: Am Dienstag trat das Kärntner Domkapitel entgegen einer Weisung aus Rom vor die Presse und sprach Missstände in Schwarz' Amts- und Lebensführung aus. Nun schickt der Vatikan den Salzburger Erzbischof Franz Lackner los. Er soll für eine "transparente Klärung" sorgen. Warum dieser Schritt viel zu spät kommt.

Neuer Auftrag für Erzbischof Lackner. SN/Marco Riebler
Neuer Auftrag für Erzbischof Lackner.

Zehn Jahre lang gab es Gerüchte, aber erst jetzt wird gehandelt: Der Vatikan hat aus den Vorwürfen gegen den ehemaligen Kärntner Bischof Alois Schwarz Konsequenzen gezogen.

Salzburgs Erzbischof Franz Lackner ist von Papst Franziskus zum Apostolischen Visitator für die gebeutelte Diözese Gurk-Klagenfurt ernannt worden. Warum ausgerechnet er? Weil die Diözese zur Kirchenprovinz Salzburg gehört.

Metropolit Lackner hat laut Kirchen-Insidern während der eigenen Weihnachtsfeier von diesem Spezialauftrag als "Kontrolleur mit umfassenden Vollmachten"erfahren.


"Eine Unruhe, die die Diözese Gurk-Klagenfurt seit Jahren erfasst hat, ist mit der Sedisvakanz aufgebrochen", gab Lackner laut "Kathpress" am Donnerstag in einer Erklärung der Erzdiözese Salzburg bekannt. Bei der vom Papst angeordneten Visitation gehe es um eine "transparente Klärung". Im Zentrum stehe neben dem Check wirtschaftlicher Fakten auch "die Sorge für den Glauben des Volkes Gottes und die Wiederherstellung des Vertrauens in seine Hirten".

Der Visitator ist nur dem Papst verantwortlich; sein Bericht ist der "erste Schritt für weitere Maßnahmen".

Alois Schwarz soll Kirche in Kärnten schwer beschädigt haben

Engelbert Guggenberger leitet die Diözese Gurk-Klagenfurt, bis ein neuer Bischof ernannt wird. In ungewöhnlicher Deutlichkeit wandte er sich am Dienstag in einer kurzfristig einberufenen Konferenz an die Presse und kritisierte die Amts- und Lebensführung des früheren Bischofs Alois Schwarz. Präsentation eines wirtschaftlichen Prüfberichts inklusive.

Guggenberger hat offenbar grobe wirtschaftliche Missstände vorgefunden - in Schwarz' 17 Jahre dauernder Amtszeit dürfte einiges in Schieflage geraten sein, speziell in den letzten Jahren. Aus dem Prüfbericht des Mensalguts (den "Pfründen" des Bischofs) geht hervor, dass das Bistum 2016 und 2017 Verluste geschrieben hat.

Doch auch die Beziehung des Bischofs regt auf. Guggenberger: "Konkret sorgt die Beziehung des Bischofs zur früheren Leiterin des Bildungshauses St. Georgen bis heute für Gerede, Gerüchte und Spekulationen. Bischof Schwarz war durch dieses Abhängigkeitsverhältnis vom Gutdünken und von den Launen dieser seiner Vertrauten geleitet und bestimmt."

Schönborn begrüßt Schritt - und muss selbst Kritik einstecken

Kardinal Christoph Schönborn zeigte sich am Donnerstag dankbar, dass Rom "so rasch und klar eine Entscheidung getroffen habe".

Dass der Kardinal damit den Eindruck erweckt, dass die katholische Kirche in diesem Fall schnell handeln würde, verärgert allerdings. Denn: Bereits 2008 hatte der frühere Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser Kenntnis über die Missstände rund um Alois Schwarz erhalten und seine Kollegen in der Österreichischen Bischofskonferenz informiert. Das teilte Engelbert Guggenberger in seinem Pressestatement mit.

In einem offenen Brief, der auch den SN vorliegt, wandte sich ein führender Mitarbeiter der Diözese Gurk-Klagenfurt an Schönborn. "Eine Wahrheit, über welche Sie und die Nuntiatur und auch Rom schon seit langem informiert waren. Trotzdem suchte man das Heil in der Versetzung von Bischof Alois Schwarz. Was haben Sie sich dabei gedacht, Bischof Schwarz als Draufgabe auch noch zum Finanzbischof der Bischofskonferenz zu machen?", schreibt ein Mitarbeiter im Kirchenbeitrags-Referat. Und: "Rom weiß doch schon seit langem über alles Bescheid. Wie sonst ist zu erklären, dass es im Zuge der Versetzung von Bischof Schwarz nach St. Pölten die Weisung gab, dass er seine sogenannte Vertraute (Prof. Zulehner spricht öffentlich von der "Schattenbischöfin") nicht mit nach St. Pölten nehmen darf."

Bischof schwarz sagt, er sei "fassungslos

Der St. Pöltner Bischof Alois Schwarz hat sich am Donnerstag "fassungslos" über die gegen ihn erhobenen Vorwürfe gezeigt. Er habe in Kärnten "erfolgreich gewirtschaftet", sagte er im ORF Niederösterreich. Über die Apostolische Visitation seiner früheren Diözese Gurk-Klagenfurt durch den Salzburger Erzbischof Franz Lackner sei er "dankbar und froh". Und weiter: "Ich werde von meiner Seite natürlich mithelfen. Wo ich gefragt werde, werde ich Auskunft geben, denn ich kenne die Diözese ja sehr gut und ich weiß, wie wir dort gearbeitet haben und was wir dort alles auf den Weg gebracht haben", sagte der Bischof.

Zölibats-Vorwürfe wolle er nicht auf sich sitzen lassen, sagte Alois Schwarz laut APA "Ich habe mich immer nach der Ordnung der Kirche verhalten. Ich war so mit den Menschen unterwegs, in korrektem Umfang, mit den Frauen und mit den Männern."

Frauen in Leitungspositionen

Zum Vorwurf der Misswirtschaft sagte der Bischof: "Über einen längeren Zeitraum hin denke ich, dass wir in Kärnten eigentlich für die Kirche sehr erfolgreich gewirtschaftet haben und auch das Gut, das uns anvertraut wurde, bewahrt haben."

"Ich habe an mehreren Stellen, an Leitungspositionen in der Diözese, Frauen gehabt und immer versucht, ein gutes Vertrauensverhältnis zu meinen Amtsleitern zu haben. Das gilt natürlich auch für die Frauen, die in den verschiedenen Leitungspositionen sind. Auch zur Direktorin des Bildungshauses St. Georgen", sagte der St. Pöltner Bischof.

Maßnahme zuletzt im Skandal um Kurt Krenn

Apostolische Visitationen werden nur in besonderen Krisenfällen angeordnet. In Österreich gab es zuletzt in der Diözese St. Pölten im Jahr 2004 eine von Papst Johannes Paul II. beauftragte Visitation: Der damalige Feldkircher Bischof Klaus Küng nahm nach skandalösen, von Ortsbischof Kurt Krenn verharmlosten Vorfällen im Priesterseminar die Situation in der Diözese unter die Lupe. Bald danach erfolgten unter anderem die vorübergehende Schließung des Priesterseminars und der Rücktritt von Bischof Krenn.


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