Innenpolitik

Wiesingers Schulbericht: "Wie nach einer Gehirnwäsche"

Brisanter Bericht Susanne Wiesingers über Kulturkonflikte im Klassenzimmer - Lehrer klagen über Antisemitismus, Radikalisierung und mangelnden Respekt.

Susanne Wiesinger wurde 2018 von Heinz Faßmann ins Ministerium geholt. Mittlerweile ist das Verhältnis abgekühlt.  SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Susanne Wiesinger wurde 2018 von Heinz Faßmann ins Ministerium geholt. Mittlerweile ist das Verhältnis abgekühlt.

Das Buch über die Interna des hiesigen Bildungswesens ("Machtkampf im Ministerium"), das Susanne Wiesinger verfasste, hat einigen Staub aufgewirbelt und "Irritationen" bei Bildungsminister Heinz Faßmann ausgelöst. Mindestens so brisant wie dieses Buch ist der am Montag veröffentlichte Bericht, für dessen Erarbeitung die kritische Pädagogin vor einem Jahr zur Ombudsfrau im Ministerium bestellt worden war. "Tätigkeitsbericht der Ombudsstelle für Wertefragen und Kulturkonflikte" steht auf dem Deckblatt des 134seitigen Konvoluts. Anders als in ihrem Buch, in dem sie über politischen Druck klagt, bedankt sich Wiesinger im Vorwort ihres Berichts ausdrücklich für das "Vertrauen", das ihr Bildungsminister Faßmann entgegengebracht habe.

Weite Teile des Berichts widmen sich den kulturellen Schwierigkeiten im Lehrbetrieb. Einige Auszüge:

So wurde der Ombudsstelle berichtet, dass es im Geschichtsunterricht immer schwieriger werde, Themen wie den Holocaust oder den Israel-Palästina-Konflikt zu behandeln. Auch Vertreter/innen der jüdischen Gemeinde, die sich an die Ombudsstelle gewandt haben, äußerten Bedenken vor zunehmendem Antisemitismus in Österreich. Ebenso haben Vertreter/innen der Islamischen Glaubensgemeinschaft ihre Sorgen über wachsende Islamophobie zum Ausdruck gebracht.

Insbesondere der Einfluss radikaler Imame sowie islamischer Religionslehrer/innen und Schülerheime wurde bei den Gesprächen mit der Ombudsstelle häufig erwähnt. Einige Lehrkräfte berichteten, dass manche Schüler/innen, die in den Sommerferien laut Eigenaussagen viel Zeit in islamischen Schülerheimen verbringen, danach wie ausgewechselt sind. "Die Kinder verhalten sich dann (Anm.: nach den Sommerferien) oft wie nach einer Gehirnwäsche. Sie reden ganz anders, zitieren häufig den Koran und haben plötzlich viel radikalere Sichtweisen."

Nicht selten kommt es laut den Erzählungen der Lehrkräfte und Schulleiter/innen vor, dass Eltern Termine nicht einhalten oder insbesondere weiblichem Personal kein Respekt entgegengebracht wird (z.B. kein Handschlag bei der Begrüßung). Aus der Sicht von einigen Schulsozialarbeiter/innen, die selbst Migrationshintergrund haben, wird von der Schule zu viel toleriert.

Wie sehr Religion und Wertehaltungen teilweise auch den Unterrichts- und Schulalltag bestimmen, machten die Schilderungen einer Schulleiterin aus Vorarlberg deutlich. Sie berichtete, dass an ihrer Schule Lehrer/innen vermehrt an sie herangetreten seien, weil Schüler/innen sich im Biologie-Unterricht weigerten, nackte Körper anzusehen und diese Seiten aus dem Buch gerissen wurden. In Einzelfällen sei es auch dazu gekommen, dass Kinder aus religiösen Gründen nicht im Musikunterricht mitsingen wollten oder Theaterbesuche verweigerten.

"Die Mädchen tragen ja alle Nadeln auf dem Kopf, wenn sie ein Kopftuch tragen, um das zu fixieren. Wie soll ich die also z.B. guten Gewissens einen Purzelbaum machen lassen?" (NMS-Lehrerin aus Oberösterreich).

Der Bericht enthält auch Beispiele gelungener Praxis sowie Lösungsansätze, etwa den Vorschlag, einen Antidiskriminierungsbeauftragten an Schulen zu bestellen.

Lesen Sie hier den gesamten Bericht - und hier die Zusammenfassung.

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