Weltpolitik

Mit Joe Biden beginnt eine neue Ära

Die Würfel sind gefallen. Doch Donald Trump will nicht aufgeben. Er hofft auf die Gerichte.

Der Demokrat hat Donald Trump gestoppt. SN/AFP
Der Demokrat hat Donald Trump gestoppt.

Vier lange Tage und Nächte hat Amerika auf diesen Moment gewartet. Am Samstag um 11.30 Uhr rief die Presseagentur "Associated Press" wie seit 1848 den Sieger der Präsidentschaftswahlen aus. Die letzte Auszählung an Stimmen in Pittsburgh und Philadelphia lieferte den Statistikern genügend Informationen, um das umkämpfte Pennsylvania mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Joe Biden zuzusprechen.

Die 20 Wahlmännerstimmen dort reichten, Biden mit nun insgesamt 273 Stimmen zu einer Mehrheit im Wahlmänner-Kollegium zu verhelfen. Dass FOX-News kurz darauf auch Nevada Biden zuschlug und AP bereits vor Tagen Arizona als Sieg des Demokraten verbuchte und der Herausforderer auch in Georgia vorn liegt, lässt am Ende eine komfortable Mehrheit erwarten.

Biden fühlt sich "geehrt"

In einer ersten Reaktion erklärte der mit 77 Jahren älteste gewählte Präsident der Vereinigten Staaten, er sei geehrt von dem Vertrauen, dass sie in ihn und Vizepräsidentin Kamala Harris gesetzt hätten. "Mit dem Ende der Wahlen ist die Zeit gekommen, den Ärger und die harschen Worte hinter uns zu lassen und als Nation zusammenzurücken."

Biden setzte sich mit einer neuen Koalition von Wählern aus den Städten, Vorstädten, Frauen, Akademikern, Angehörigen von Minderheiten, Jungen und Corona-bewegten Pensionisten gegen einen Populisten durch, der seine Basis überraschend stark mobilisieren konnte. Doch es reichte nicht. Donald Trump wurde als erster Präsident seit 28 Jahren nach nur einer Amtszeit abgewählt.

Während Staats- und Regierungschefs aus aller Welt Joe Biden zu seinem historischen Sieg gratulierten, strömten seine Anhänger auf die Straßen.

In Washington, New York und vielen anderen Städten verkündeten Autohupen das Ende einer tumultreichen Amtszeit und den Beginn einer neuen Ära in Amerika. In der schwarzen Metropole Philadelphia tanzten Menschen auf der Straße.

Der afroamerikanische CNN-Analyst Van Jones konnte seine Rührung vor laufender Kamera nicht verbergen. Der konservative "Drudge Report", eine Nachrichten- und Kommentarseite, titelte mit einem dicken Banner auf seiner Seite: "You're Fired". Eine Anspielung auf den legendären Satz, mit dem der ehemalige Reality-TV-Star Donald Trump im Weißen Haus Bewerber der Show "The Apprentice" aus dem Rennen warf.

Hillary Clinton hob die Wahl der ersten schwarzen Frau in das Amt der Vizepräsidenten hervor. "Dieses Ticket hat Geschichte geschrieben", twitterte die Frau, die 2016 dem Populisten Trump unterlegen war. "Ein neues Kapitel für Amerika beginnt."

Auch Nancy Pelosi, die Führerin der Demokraten im Repräsentantenhaus, sprach von Aufbruch. "Mit der Rekordzahl von 75 Millionen Stimmen haben die Amerikaner Joe Biden zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, betonte sie. Dies sei "ein historischer Sieg, der den Demokraten ein Mandat zum Handeln gibt."

Tatsächlich verbuchte Joe Biden eine Vorsprung von mehr als vier Millionen Stimmen.

Trump geht von Wahlfälschung aus

Doch der Amtsinhaber will nicht aufgeben. Ihn erreichte die Nachricht beim Golfen in Virginia. "Diese Wahlen sind noch lange nicht vorüber", sagte Donald Trump und wiederholte seine unbelegten Vorwürfe, die Wahlen seien gefälscht worden.

Er habe Klagen in mehreren Bundesstaaten eingebracht, "wo wir gültige und legitime Anfechtungen haben, die ultimativ über den Sieger entscheiden könnten".

Auch Trumps Hausanwalt Rudi Giuliani, der versucht hatte, mit Hilfe eines russischen Geheimdienstmitarbeiters eine Schmierenkampagne gegen Bidens Sohn Hunter zum Wahlkampfthema zu machen, erhob bei einer Pressekonferenz in Philadelphia unbegründete Vorwürfe von Wahlmanipulationen.

Enttäuschten Trump-Anhängern standen Tränen der Wut in den Augen. In Phoenix hielten sie vor einem Wahlzentrum "Stoppt den Diebstahl"-Schilder in die Luft. Die Medien seien "Lügner, die Wahlen seien manipuliert. Ein Mann verkündete, Trump werde recht bekommen. "Sie wissen, wem der Supreme Court gehört?".

Das sagt auch der Verlierer der Wahlen. In Trumps Vorstellung stehen die drei von ihm benannten Verfassungsrichter in der Pflicht, ihm den Wahlsieg via Gerichtsurteil zuzusprechen.

Doch selbst republikanische Wahlrechtsexperten wie Ben Ginsberg sehen keine Grundlage für einen Erfolg rechtlicher Anfechtungen und sagen ein rasches Scheitern voraus.


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