Chronik

1000 Hochwassereinsätze in Salzburg: In Hallein wird aufgeräumt, Lage in Mittersill bleibt angespannt

In Hallein verwandelte sich der Kothbach in einen reißenden Fluss, der die Altstadt überschwemmte. Es gab bereits 1000 Feuerwehreinsätze im ganzen Land. Im Pinzgau ist die Situation angespannt, in Mittersill sind die Pegel der Salzach bedrohlich gestiegen. Im Berchtesgadner Land sind zwei Tote zu beklagen.

Die prognostizierte Starkregenfront hat in Salzburg zu schweren Schäden geführt. Besonders betroffen ist Hallein. Nachdem die Wassermassen aus dem Kothbach am Samstagabend die Stadt Hallein überflutet haben, waren am Sonntag die Einsatzkräfte sowie Bewohnerinnen und Bewohner mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Der Kothbach zog sich zwar in den Bachlauf zurück, doch in den Straßen der Keltenstadt hinterließ er Schlamm und Verwüstung. In den engen Gassen war das Wasser teils meterhoch gestanden. Verletzte oder vermisste Personen gibt es nach aktuellem Stand nicht, die Schäden sind aber enorm.

Feuerwehrleute und Freiwillige schaufelten Schlamm, Äste und Schwemmgut aus den Eingängen der Häuser in den betroffenen Straßen. Vor einer Bar lagen dicke Äste und Autoteile. Auch mit Baggern und Kehrmaschinen wurden Schwemmholz und Schlamm beseitigt. Vom Wasser mitgerissene Baumstämme und Wurzelstöcke hatten Brückengeländer verbogen oder gar aus der Verankerung gerissen. "Wir räumen die Verkehrswege frei, pumpen Keller aus und sind mit den Aufräumarbeiten in Hallein und Bad Dürrnberg beschäftigt", sagte der Halleiner Feuerwehrkommandant und Einsatzleiter Josef Tschematschar.

Landeshauptmann Wilfried Haslauer versprach am Sonntag vor Ort rasche Hilfe. "Die Schäden sind gigantisch. Gigantisch ist auch die Einsatzbereitschaft der Einsatzkräfte und die Nachbarschaftshilfe." Die Lage in Salzburg sei weiterhin angespannt. "Es regnet weiter und es gibt vor allem im Pinzgau und Tennengau zahlreiche Gefahrenstellen. Ich danke dem Katastrophenschutz in den betroffenen Bezirken, allen Einsatzkräften und auch den vielen Salzburgerinnen und Salzburgern, die anderen in dieser Notlage helfen. Wir werden beim Beseitigen der Schäden niemanden alleinlassen", betonte Haslauer am Sonntagvormittag.

60 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde

Auslöser für die Überschwemmungen in Hallein waren überaus starke Regenfälle. "Es hat in Hallein zwischen 19.30 und 20.30 Uhr zusätzlich zu den normalen Regenfällen, die schon sehr stark waren, eine lokale Starkregenzelle gegeben. Diese hat in einer Stunde rund 60 Liter pro Quadratmeter ausgeschüttet", sagt Landesfeuerwehrkommandant Günter Trinker. Der Kothbach habe sich durch hereingeschwemmte Fahrzeuge verklaust. "Dadurch ist er ausgetreten und hat die Altstadt überflutet."

Helfer und Schaulustige in Hallein

Am Sonntag gab es nur teilweise Entwarnung in der Stadt Hallein. Es werden weitere starke Regenfälle erwartet - und damit weiterhin hohe Pegelstände. Weitere Überflutungen schließen die Experten punktuell nicht aus, großflächige Ereignisse werden eher nicht mehr erwartet. Die Bevölkerung wird weiterhin aufgefordert, in den Häusern zu bleiben, Tiefgaragen und Keller nicht zu betreten und sich von den Dämmen der Fließgewässer fernzuhalten. Auch im Halleiner Ortsteil Gamp müssen laut Katastrophenschutz mehrere Häuser aufgrund eines drohenden Hangrutschs evakuiert werden.

Auch Bewohner anderer Gemeinen werden aufgefordert, sich nicht nach Hallein zu begeben. "Es ist wichtig, dass Schaulustige sich aus dem Katastrophengebiet zurückziehen - die Einsatzkräfte arbeiten auf Hochtouren und sollen bei ihren Arbeiten nicht unnötig behindert werden", erklärte Bürgermeister Stangassinger. Gleichzeitig betonte er die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung: "Ich bekomme alle fünf Minuten Anrufe von Leuten, die helfen wollen. Es bringen Leute Essen für die Einsatzkräfte. Der Zusammenhalt in der Bevölkerung ist hervorragend." In der Neuen Mittelschule im Stadtteil Burgfried wurde eine Notunterkunft eingerichtet für jene, deren Wohnungen nicht erreichbar waren. Feuerwehren aus dem Lungau, dem Tennengau und der Stadt Salzburg unterstützen die Einsatzkräfte in Hallein. Auch das Bundesheer ist vor Ort und unterstützt bei den Aufräumarbeiten.

Feuerwehrleute absolvierten 1000 Einsätze

Es regnete bis Sonntagmittag im Bundesland Salzburg, teils stark. Laut Landeswarnzentrale führte der Starkregen bislang zu rund 1000 Einsätzen im ganzen Bundesland. Mehr als 2300 Feuerwehrleute standen oder stehen im Einsatz - und die Arbeit hört nicht auf. Aufgrund der aktuellen Wettervorhersage und der Wasserführung im Salzach-Oberlauf können laut dem Hydrographischen Dienst des Landes die Pegelstände der Gewässer im Einzugsgebiet der Salzach noch für einige Stunden auf ihrem Höchststand bleiben.

Die Pegelstände sind nach wie vor hoch: Derzeit gilt in Mittersill weiter Alarmstufe 2, in der Stadt Salzburg an der Nonntaler Brücke gilt Alarmstufe 1, ebenso in der Stadt Salzburg am Mayburger-Kai. Die Warngrenze ist an drei Messstellen der Salzach und an einer der Saalach überschritten. Dazu kommen Erdrutsche und Muren an vielen Stellen im Bundesland.

Kritische Situation in Mittersill, 150 freiwillige Helfer schaufelten

Sonntagmittag ließ der Regen im vom Hochwasser schwer betroffenen Pinzgau ein wenig nach. Dennoch gab es für die Helfer, die seit vielen Stunden im Einsatz waren, keine Entwarnung. Denn die Salzach hatte in der Nacht auf Sonntag in Mittersill mit 5,90 Metern einen neuen Höchststand erreicht. "Und auch wenn der Pegel nun um zehn Zentimeter auf 5,80 Meter gesunken ist, bleibt die Gefahr groß", informierte der Pinzgauer Bezirkshauptmann Bernhard Gratz am Nachmittag.

"Denn da sind noch die Achen im Krimmler Tal sowie im Obersulzbachtal. Wir wissen nicht, was von dort in den nächsten Stunden und der kommenden Nacht noch kommen wird."

Sonntagabend wurde die Bevölkerung in Mittersill schließlich per Lautsprecherdurchsagen noch einmal zur Vorsicht gemahnt. Der Katastrophenschutz der Bezirkshauptmannschaft Zell am See forderte die Menschen auf, in den oberen Stockwerken zu bleiben sowie Keller, Tiefgaragen und ebenerdige Geschoße nicht zu betreten. Wenig später ertönten die Sirenen erneut. Zivilschutzalarm wurde ausgegeben. Gegen 23 Uhr gab sich die Feuerwehr dann "vorsichtig optimistisch". Die Salzach war um zu diesem Zeitpunkt einen halben Meter auf 5,40 Meter gesunken.

Das Problem: Das System des Hochwasserschutzes in Mittersill beruht auf ausgedehnten Retentionsbecken, die durch sieben Meter hohe Dämme gesichert sind. Hinter diesen Dämmen war das Wasser zwischenzeitlich bereits auf sieben Meter gestiegen, gemessen vom Nullpunkt am Grund der Salzach. Um 18.30 lag der Wasserstand bei 6,80 Metern. "Die nächsten Stunden werden hier entscheidend sein", sagte Mittersills Bürgermeister Wolfgang Viertler Sonntagabend.

Mittags waren die Pegelstände der Salzach leicht auf 5,80 Meter gesunken. "Wir setzen derzeit alle Kraft darauf, dass wir die Salzach im Flussbett halten", sagte Fabian Scharler von der Feuerwehr Mittersill. Sonntagvormittag wurde Verstärkung aus anderen Gemeinden angefordert. Die neue Hubbrücke in Mittersill wurde erstmals angehoben. Das Wasser wird derzeit kontrolliert in die Retentionsräume abgeleitet und Felder überflutet. "Dadurch sollte Entlastung geschaffen werden."

In Mittersill waren Freiwillige dazu aufgerufen, zu helfen und Sandsäcke zu befüllen. "Es ist ein großer Zusammenhalt da. Wir hatten bis zu 150 Freiwillige vor Ort", sagt Scharler. Neuralgische Stellen des Hochwasserschutzes würden nun mit den Säcken verstärkt werden. "In Wald und Krimml gehen die Pegel bereits zurück. Wir hoffen, dass es auch in Mittersill bald Entspannung gibt."

Menschen in Kuchl evakuiert, Trinkwasser verunreinigt

Auch im Saalachtal und an der mittleren Salzach (Pongau) wurden Warngrenzen erreicht. In Neukirchen (Obersulzbach) mussten in der Wiesensiedlung die Bewohner in den oberen Stockwerken bleiben. In Kuchl evakuierten die Einsatzkräfte nach einem Erdrutsch drei Häuser. Alle Personen kamen bei Verwandten oder Bekannten unter. In Kuchl wurde das Trinkwasser aufgrund der Regenfälle verunreinigt. Empfohlen wird, dieses vor Gebrauch drei Minuten lang abzukochen. Die Untersuchungen laufen.

Geräumt wurde der Campingplatz in St. Martin bei Lofer. 28 Personen, die dort in Zelten übernachtet hätten, wurden in der Mittelschule in Lofer untergebracht. In der Kürsingerhütte in Neukirchen sind 35 Personen aufgrund eines Murenabgangs eingeschlossen, sind aber nicht in Gefahr. Die Bergung wird derzeit geplant. Im Ortsteil Schlaming in Pfarrwerfen musste heute früh ein Haus wegen eines instabilen Hanges evakuiert werden. Sieben Personen wurden in Sicherheit gebracht.

Auch die Reitbergsiedlung in Eugendorf wurde von den Wassermassen getroffen, wie Bilder belegen.

Die Reitbergsiedlung in Eugendorf wurde überflutet. SN/fmt-pictures
Die Reitbergsiedlung in Eugendorf wurde überflutet.

Stadt Salzburg: "Der Schutz wird halten"

In der Stadt Salzburg wurde Sonntagfrüh an der Messstelle der Nonntaler Brücke die Alarmstufe 2 erreicht. Die Berufsfeuerwehr mithilfe der freiwilligen Feuerwehren hatte am Samstagabend den mobilen Hochwasserschutz an 50 Stellen entlang der Salzach aufgebaut. Sonntagfrüh lag der Pegel an der Messstelle Mayburger-Kai bei 6,50 Metern. Am Vormittag stieg er auf den Höchststand von 7,70 Metern und sank dann wieder auf 7,10 Meter ab. "Der Schutz wird halten", sagte Stefan Krakowitzer von der Berufsfeuerwehr Sonntagfrüh.

Michael Haybäck vom Einsatzstab: "Die Stadt ist mit allfällig weiteren Vorsichtsmaßnahmen, einem laufenden Monitoring der Brücken sowie einem besonderen Auge auf die Altstadt auf mögliche Szenarien vorbereitet." Der Krisenstab tage weiter. Aktuell würden die Pegelstände stagnieren. Es habe aber weitere kleinflächige Ausuferungen von Salzachzuflüssen in den südlichen Stadtteilen gegeben. Vonseiten der Landes-Hydrologen und -Meteorologen wurden nur noch leichte Steigerungen und ein Abflauen der Regenfälle bis Mittag im gesamten Bundesland erwartet.

Entspannung erst am Sonntagabend

Laut Katastrophenschutz und Hydrographischem Dienst des Landes Salzburg wird der Regen noch bis mindestens Sonntagmittag anhalten, erst am Sonntagabend wird mit einer Entspannung der Lage gerechnet. "Durch den flächigen und intensiven Niederschlag in einem relativ kurzen Zeitraum werden die vielen Zubringer die Saalach und Salzach auf jeden Fall anschwellen lassen", erklärte Barbara Staudinger vom Hydrographischen Dienst des Landes Salzburg. Laut Katastrophenschutz kann es noch bis Sonntag zu Unterspülungen, Wassereintritten und Beeinträchtigungen des Verkehrs kommen. Mit den Einsatz- und Rettungsorganisationen sowie mit der ZAMG werde enger Kontakt gehalten, um schnell reagieren zu können. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, bei Starkregenfällen unnötige Fahrten und Spaziergänge zu vermeiden.

Straßensperren und Schienenersatzverkehr

Die Hochwassersituation hat auch Auswirkungen auf die Verkehrsverbindungen. Gesperrt sind derzeit die Felbertauernstraße sowie die Salzachuferstraße in Bruck. Die Dauer der Sperre ist derzeit unbekannt. Auch der Zugverkehr ist betroffen. Mit derzeitigem Kenntnisstand ist der Zugverkehr zwischen Taxenbach und Lend, zwischen Golling und Werfen und bei der Pinzgauer Lokalbahn bei Uttendorf nicht möglich. Die Trasse der Lokalbahn wurde in Uttendorf unterspült. Auch die Gleise der Pinzgauer Lokalbahn wurden überflutet, etwa im Bereich Stuhlfelden.

Katastrophenfall auch in Bayern: Zwei Tote im Berchtesgadner Land

Im Hochwassergebiet im Berchtesgadner Land waren nach offiziellen Angaben 890 Hilfskräfte in den besonders betroffenen Orten im Einsatz. Einsatzleiter Anton Brandner sprach von dramatischen Szenen. Heftige Regenfälle hatten am Samstagabend den Fluss Ache über die Ufer treten und Hänge abrutschen lassen. Zwei Menschen kamen ums Leben. Ein Opfer starb dem Landkreis zufolge an einer natürlichen Ursache. Aber auch das könne mit dem Unwetter zusammenhängen.

Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau. Feuerwehr und andere Hilfskräfte mussten zu bis zu 500 Einsätzen ausrücken - auch um Menschenleben zu retten. Die heftigen Unwetter haben auch die Bob- und Rodelbahn am Königssee schwer beschädigt. Teile der Weltcup-Bahn wurden von den Wassermassen weggerissen und zerstört, wie auf Bildern und Videos am Sonntag zu sehen war. Die Bahn dürfte bis über den kommenden Winter hinaus nicht für Training und Rennen zur Verfügung stehen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) wollten Regierungskreisen zufolge am Nachmittag in die Hochwasserregion fahren, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Am Morgen reichte das Unwettergebiet bis nach Passau.

Überflutungen auch in anderen Bundesländern

Sintflutartige Regenfälle haben in der Nacht zum Sonntag auch weitere Teile Österreichs erfasst. In Tirol und der Bundeshauptstadt Wien waren die Feuerwehren im Dauereinsatz. In Kufstein wurden die Menschen aufgefordert, Gebäude nicht zu verlassen und sich in höhere Stockwerke zurückzuziehen. Im Stadtgebiet erreichte das Wasser der Zulaufbäche des Inns bereits die Straßen. Wegen möglicher Erdrutsche wurde ein Teil der Felbertauernstraße gesperrt.

In Wien sorgten starker Regen und Gewitter für Hochbetrieb bei den Feuerwehren. Meist wurden die Feuerwehrleute wegen überfluteter Keller oder Unterführungen gerufen, bis zum Sonntagmorgen berichtete die Berufsfeuerwehr von über 500 Einsätzen.

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

Aufgerufen am 05.12.2021 um 08:55 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/1000-hochwassereinsaetze-in-salzburg-in-hallein-wird-aufgeraeumt-lage-in-mittersill-bleibt-angespannt-106679389

Plagiatsvorwurf an der FH-Salzburg

Plagiatsvorwurf an der FH-Salzburg

Beschuldigt wird jener Professor, der am Montag im Verhandlungssaal gegen seine Kündigung ankämpfte. Nun gibt es Plagiatsvorwürfe, ins Rollen hat diese Plagiatsjäger Stefan Weber gebracht.

Kommentare

Schlagzeilen