Chronik

",Heiße Nächte in Palermo' hätten wir fast gekübelt"

EAV-Frontman Klaus Eberhartinger sprach bei den EAV-Konzerten Anfang Mai auf dem "Roten Bankerl" der Salzburger Woche über das letzte Album der Band, die Unvorhersehbarkeit eines Hits und seine Zukunftspläne. Am 12. September kommt die Erste Allgemeine Verunsicherung ein letztes Mal zum Konzert nach Salzburg.

Die zwei Konzerte im Mai waren ausverkauft. Im Zuge ihrer Abschiedstournee wird die EAV am 12. September noch einen dritten Stopp in Salzburg einlegen.


Redaktion: Sie und EAV- Komponist und -Gitarrist Thomas Spitzer leben seit Jahren einen großen Teil des Jahres in Kenia. Warum eigentlich, wie ergab sich das?
Eberhartinger: Da liegt sogar mein Hauptwohnsitz. Anders als alle anderen, die nach Goa in Indien gefahren sind, um sich mit bewusstseinsverändernden Drogen das Hirn zu erweitern, wollte ich als Student immer nach Afrika. Ich habe mir dann in England mit einem Freund ohne Geld einen Landrover besorgt, wir haben uns eine Route organisiert und sind losgefahren. Ich bin dann ein Jahr lang durch Afrika gefahren - bis Tansania. Wieder zu Hause, habe ich dann den Spitzer überzeugt, dass es schön ist da unten, Indischer Ozean - die größte Badewanne der Welt - ja, und dann ist er mitgefahren und seither ist er auch unten. Wir haben Studios gebaut - zuerst Häuser gemietet, dann Studios.


Sie haben unzählige Hits gelandet über die Jahre. Spürt man das vorher, ob etwas aufgeht?
Nein, gar nicht. Ich kann mich noch erinnern, bei "Küss die Hand, schöne Frau" waren wir im Studio bei Peter Müller in Wien nur damit beschäftigt, das Album fertigzukriegen ... Und da war so eine Versammlung von allen möglichen Plattenvertretern und ich wurde da verurteilt, du musst hinfahren, du musst das verkaufen. Ich hab das gespielt und illustriert mit ein paar Zeichnungen und da haben wir nicht gewusst: Ist das zu deppert? Und dann war nix, fünf Sekunden einmal nix. Und ich hab gedacht: Des wird nix. Und auf einmal springen alle auf, Standing Ovations. Und da bin ich genauso überrascht gewesen und habe den Spitzer angerufen und gesagt: "Ich glaube, wir haben einen Hit." Wir haben das nie gewusst im Vorfeld. Auch bei den großen Hits nicht. "Märchenprinz" haben wir bei einer Fernsehsendung gespielt, weil wir nichts anderes gehabt haben. Was mach' ma? Ja, du machst schon was. Oder "Palermo", das wollten wir schon fast in den Mistkübel hauen. Das hat man nie so einschätzen können.


Was hat euch gefallen?
Das waren vor allem die schrägen Sachen: "Die unendliche Geschichte", "Die Intellektuellen", "Stolzer Falke" oder "Ibrahim, ein stolzer Türke" oder "Zwirch und Zwabel" - das sind so die Lieblingssachen vom Spitzer und von mir. Oder "Schweine-Funk", das war auch eine völlig abstruse Geschichte.

War das dann ärgerlich, wenn man medial als Blödelcombo dargestellt wird?
Nein. Live war das sowieso anders. In Deutschland hat das angefangen mit der Blödelcombo. Da wirst du sowieso anders behandelt und in Österreich hat sich das auch irgendwann gewandelt. Aber wenn du nur von den Singles lebst, dann ist es klar, dass du mit Titeln wie "Küss die Hand, schöne Frau" und "Ding Dong" nicht unbedingt als die tiefschürfende, philosophierende Combo betrachtet wirst.


Die Texte hat ja fast alle Thomas Spitzer geschrieben. War da auch einmal etwas dabei, wo Sie gesagt haben, das singe ich nicht?
Wir haben uns genügend Kompromisse ausgehandelt. Dann hat er ein bisschen was umgeschrieben. Aber es kam vor, dass ich gezaudert, gescheut, verweigert habe. Da habe ich gesagt: "Mach ich nicht, musst' selber machen."


Geht man ein Album anders an, wenn man weiß, es ist das letzte?
Nein, das war es ursprünglich auch nicht. Der Thomas hat zwei, drei Jahre so allein vor sich hingehackelt und dahingesponnen, in seiner Abgeschiedenheit was gemacht, dann wieder nichts gemacht, dann wieder was anders gemacht. Und dann sind wir in die Produktionsphase gekommen - du produzierst ja zirka 20 Nummern und von denen nimmst du dann 13. In dieser Phase hat es dann geheißen: Wird das jetzt das letzte Album? Das könnte jetzt das letzte Album sein. Das wird eventuell das letzte Album. Und eventuell die letzte Tour. Aus dem "Eventuell" ist "wahrscheinlich" geworden, und das ist es. Mir ist klar geworden, dass es nach 41 Jahren Zeit geworden ist. Da kannst du noch erhobenen Hauptes von der Bühne gehen.


Was halten Sie vom aktuellen, jungen Austropop?

Es ist toll, dass es wieder eine österreichische Szene gibt. Jetzt beim Amadeus habe ich zwei, drei Sachen gesehen, die mir gefallen haben. Bilderbuch finde ich toll, auch die junge Rapperin Mavi Phoenix. Die Ina Regen ist eine sehr gute Sängerin. Na, es gibt in jedem Departement wieder gute Leute. Wanda hat einmal eine Zeit lang aufgezeigt - gut, das ist ein schräger Vogel.


Gibt es jemanden, der diese sozialkritische Schiene wie die EAV bedient?
Weiß ich jetzt nicht. Es sind eher alles Befindlichkeiten, die besungen werden, und damit ist man erfolgreich. Pizzera und Jaus, Seiler und Speer machen das ganz gut, die haben auch in der Zwischenzeit bewiesen, dass sie keine Eintagsfliegen sind.

Wolfgang Ambros tritt ja mit Seiler und Speer auf. Wäre eine Kooperation in dieser Art auch für Sie eine Option?
Nein, ich muss nicht singen mit denen, aber ich mag die ganz gern, den Seiler, der immer so den Prolo raushängen lässt, aber ein gscheiter Kerl ist. Die hatten so eine Schrebergarten-Serie im Internet, da habe ich ihn das erste Mal gesehen: sehr schräg, sehr leiwand. Ich kann nachvollziehen, dass dem Wolferl das entspricht. Die Musik von Seiler und Speer kommt ein bisschen aus seiner Ecke. Sein Sohn Matthias ist ja der Schlagzeuger der Band. So haben die sich kennengelernt.


Wäre etwas Kabarettistisches für Sie eine Zukunftsoption?
Ich habe ja mit der EAV so ein Trio-Programm, mit zwei Musikern habe ich zwei Jahre lang solo gespielt, immer wieder. Das war sehr lustig. Vielleicht mache ich das wieder.


Also die EAV langsam ausklingen lassen?
Da bin ich draufgekommen, das sind zwei Ebenen. Die ganz großen Hits kann ich unplugged gar nicht spielen. Aber ich kann viele Sachen machen, die es auf die ganz große Bühne nicht geschafft haben.


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