Chronik

Neue Details nach tödlicher Verfolgung eines Mopedlenkers im Lungau

Ein 15-Jähriger starb Mitte November auf einem Feldweg durch eine ihm nachfahrende Polizeistreife. Nun liegen die Funkprotokolle vor, die zeigen, was sich an jenem Abend abgespielt hat. Und: Vor dem Tod des Burschen gab es offenbar noch einen passiven Alkovortest am Unfallort.

Die Unfallstelle: ein Feldweg zwischen Göriach und St. Andrä im Lungau (Bild vom November). Hier kam Andreas Gerhardter mit seinem Moped am 18. November 2021 gegen 18.30 Uhr zu Sturz. Die nachfahrende Polizeistreife überfuhr ihn. SN/sn
Die Unfallstelle: ein Feldweg zwischen Göriach und St. Andrä im Lungau (Bild vom November). Hier kam Andreas Gerhardter mit seinem Moped am 18. November 2021 gegen 18.30 Uhr zu Sturz. Die nachfahrende Polizeistreife überfuhr ihn.

Mitte November kam es zwischen St. Andrä im Lungau und Göriach auf einem Feldweg zu einem tödlichen Unfall. Eine Polizeistreife in einem VW-Bus überfuhr den 15-jährigen Andreas Gerhardter, der vor ihnen auf seinem Moped geflüchtet war und zu Sturz kam.

Die Mutter des Burschen hatte wenige Tage danach in den SN die Frage aufgeworfen, warum eine solche "Verfolgungsjagd" durch die Polizei überhaupt vonnöten gewesen sei. Zumal die Beamten doch wüssten, wo die Burschen mit ihren Mopeds zu Hause seien.

Zwei Mal fällt der Name des Burschen

Gegen den Lenker des Polizeibusses führt die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung im Straßenverkehr. Bislang stand fest: Vor dem Sturz gab es keine Berührung zwischen der Polizei und dem Moped. Die Beleuchtung des Mopeds war vorn defekt - und es war frisiert.

Was sich an dem Abend des 18. November 2021 zugetragen hat, zeigen die Aufzeichnungen der Gespräche am Polizeifunk, die Teil des Ermittlungsaktes sind. Demnach bittet eine Polizeistreife um 18.17 Uhr um Unterstützung, weil ein Mopedlenker jedes Anhaltezeichen missachte. Eine zweite Streife fragt, wo genau der Mopedlenker sich befinde. Eine dritte Streife meldet sich und bietet Unterstützung an. Mehrmals tauschen sich die Beamten am Funk über den aktuellen Standort und die Fahrtrichtung des Mopedlenkers aus. Die zweite Streife will das Kennzeichen wissen, doch die erste Streife gibt an, es sei heruntergerissen worden. Zwei Mal fällt laut Protokoll der Name "Gerhardter" am Funk - denn der Polizist der zweiten Streife mutmaßt, dass es sich um den 15-Jährigen handeln könnte, der im Bereich Haslach wohne.

Beamte beginnen mit Reanimation

Während die erste Streife im Škoda bei dem steinigen Feldweg irgendwann nicht mehr weiterkommt, kommt der VW-Bus von der anderen Richtung auf den Mopedlenker zu. Der 15-Jährige dreht daraufhin um. Die Streife meldet, dass man hinten drauf sei. Um 18.32 Uhr wird schließlich gefunkt, dass dringend die Rettung und am besten auch der Hubschrauber benötigt würden. Die zwei Beamten des Polizeibusses und eine Polizeischülerin versuchen, den Burschen unter dem Wagen hervorzuholen. Dann beginnen sie mit der Reanimation.

Bei der Zeugenvernehmung gibt der Beifahrer an, dass man den Mopedlenker bei der Nachfahrt nicht bedrängt habe. Es sei nicht vorhersehbar gewesen, dass der Lenker stürze. Er sei durch das Fernlicht immer sichtbar gewesen, der Abstand sei in etwa gleich geblieben. Auf die Frage, ob der Name Gerhardter im Zuge der Funkfahndung erwähnt worden sei, bejaht der Beifahrer. Der stv. Dienststellenleiter habe mitgeteilt, dass eventuell eine Streife zur Wohnadresse fahren solle. Zu dem Zeitpunkt sei das aber kein Thema gewesen, weil der Mopedlenker Richtung Göriach unterwegs gewesen sei.

Passiver Alkomat-Vortest soll durchgeführt worden sein

Die Polizeischülerin gibt zu Protokoll, dass man nicht so "draufgepickt" sei, dass sie das Gefühl gehabt habe, dass sie nicht hätten stehen bleiben können. Sie schildert aber noch ein Detail: nämlich dass die Beamten nach erfolgreicher Reanimation einen passiven Alkomat-Vortest durchgeführt hätten. Dieser sei positiv verlaufen. Dann sei die Rettung eingetroffen.

Polizeisprecher Hans Wolfgruber sagt allgemein, dass ein passiver Alkovortest eine Möglichkeit sei, um ein Indiz zu gewinnen. Dies sei aber nur in Ausnahmefällen notwendig. Der Lenker des Polizeibusses hat auf Anraten seines Anwaltes Kurt Jelinek noch keine Aussage gemacht. Er habe seine Verteidigungsrechte wahrgenommen, sagt Jelinek. "Der Vorfall tut ihm furchtbar leid. Aber das Strafverfahren muss aus meiner Sicht zur Einstellung gebracht werden, weil es keine Sorgfaltswidrigkeit gegeben hat."

Gutachten Ende Jänner erwartet

Als Todesursache wurde bei der Obduktion ein massives stumpfes Brustkorbtrauma mit Verletzungen der Lunge festgestellt. Die toxikologische Untersuchung zeigte beim 15-Jährigen einen Blutalkoholwert von 0,38 Promille. Der Unfallsachverständige Gerhard Kronreif dürfte sein Gutachten nach Vorliegen des Obduktionsberichtes bis Ende Jänner fertigstellen. Dann ist die Staatsanwaltschaft weiter am Zug.

Am Funk fiel der Name "Gerhardter"

„Das Strafverfahren muss aus meiner Sicht zur Einstellung gebracht werden, weil es keine Sorgfaltswidrigkeit gegeben hat.“ – Kurt Jelinek, Anwalt des beteiligten Polizisten SN/robert ratzer
„Das Strafverfahren muss aus meiner Sicht zur Einstellung gebracht werden, weil es keine Sorgfaltswidrigkeit gegeben hat.“ – Kurt Jelinek, Anwalt des beteiligten Polizisten

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