Chronik

St. Gilgen: Aktivistengruppe räumte besetzte Oligarchen-Villa am Attersee

Eine Gruppe von Aktivisten okkupierten am Samstag ein Haus am Attersee. In einer Presseaussendung übten die Hausbesetzer Kritik am Krieg in der Ukraine und forderten die Nutzung privatisierten Leerstandes - für Geflüchtete, Deserteure und Wohnungslose. Außerdem fordern sie einen "Stopp der Privatisierung des Attersees". Die Besetzer verließen das Haus am Abend.

Eine Aktivistengruppe besetzte am Samstag Vormittag die Villa eines Oligarchen am Attersee in St. Gilgen. SN/oligarchenenteignen
Eine Aktivistengruppe besetzte am Samstag Vormittag die Villa eines Oligarchen am Attersee in St. Gilgen.

Eine mögliche Oligarchen-Villa in St. Gilgen-Burgau ist am Samstagvormittag von Aktivisten besetzt, aber am Abend wieder geräumt worden. Die Polizei war von der Aktion noch nicht informiert, als die APA mittags von der Gruppe über die Besetzung in Kenntnis gesetzt wurde. Zunächst war von 30 bis 40 Besetzern die Rede gewesen, laut Polizei dürften es aber nur zehn gewesen sein. Eine Sprecherin der Gruppe erklärte, man sei ein "loses Bündnis anarchistischer Aktivistinnen und Aktivisten". Man fordere eine Enteignung des russischen Besitzers.

Das betroffene Wohnhaus ist laut Polizei unbewohnbar und im Umbau. Über ein Baugerüst gelangten die Besetzer in das Objekt. Auf Aufforderung der Bauarbeiter verließen die Personen das Haus. Fünf der zehn Personen wurden dabei von Beamten zwecks Identitätsfeststellung angehalten, fünf Personen konnten flüchten. Die Einvernahme stellte sich jedoch wegen fehlender rechtlicher Grundlagen als "nicht gewinnbringend" dar. Über Anordnung der Verwaltungsbehörde ließ man die Aktivisten ziehen. Sachschaden am Haus entstand nicht.

Gefordert wird die Enteignung des Besitzers SN/APA/OLIGARCHENENTEIGNEN/OLIGARCH
Gefordert wird die Enteignung des Besitzers

Aus den Fenstern der Villa hingen Transparente mit Aufschriften wie "Solidarity with all refugees and deserters" und "Freier Seezugang". In einer Presseaussendung übte die Gruppe Kritik am Krieg in der Ukraine und forderte die Nutzung privatisierten Leerstandes, für Geflüchtete, Deserteure und Wohnungslose. Auch dass viele Seezugänge in privater Hand sind, ist der Gruppe ein Dorn im Auge. Man forderte einen "Stopp der Privatisierung des Attersees".

Besitzer ein enger Vertrauter Putins

Die Villa gehört laut Aussendung der Aktivisten dem russischen Oligarchen und Ex-Vize-Premier Igor Schuwalow. Er gelte als ein enger Vertrauter Putins und sei gemeinsam mit seiner Frau im Besitz von Aktien der russischen Gasfirma "Gazprom", über die auch Österreich einen großen Teil seines Gases bezieht, heißt es in der Aussendung. "Lippenbekenntnisse der Solidarität reichen nicht aus, wenn gleichzeitig Putin und seine Oligarchenfreunde weiterhin mit massiven Geldströmen unterstützt werden. Innerhalb dieses Krieges zeigt die Politik mal wieder ihr wahres Gesicht: die Interessen des Kapitals, der Rüstungslobby und der Industrien vertreten, statt jene der Menschen."


"Fast alle Seezugänge im privaten Besitz"

Der Attersee stehe schon seit einigen Jahren im öffentlichen Interesse, da mittlerweile fast alle Seezugänge im privaten Besitz seien. "Wir finden es unglaublich, dass Menschen Platz verwehrt wird aufgrund der reinen Gier russischer Oligarchen. Wir fordern eine Umfunktionierung des Hauses als Unterkunft für Geflüchtete, Desertierte und Wohnungslose, sowie den Stopp der Privatisierung des Attersees", wird eine der Besetzerinnen zitiert.

 Aktivisten fordern einen "Stopp der Privatisierung des Attersees". SN/APA/privat
Aktivisten fordern einen "Stopp der Privatisierung des Attersees".

Zuletzt Haus von Marcel Hirscher besetzt

Erst vor einer Woche hatte eine Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten ein Innenstadthaus im Salzburger Andräviertel über mehrere Stunden besetzt. Es handelte sich dabei um die seit über einem Jahr leer stehende Immobilie von Ex-Skistar Marcel Hirscher.

Es soll sich dabei jedoch nicht um die selben Demonstranten gehandelt haben, wie die Sprecherin des Aktivisten-Bündnisses der APA mitteilte. "Wir stehen damit nicht in Verbindung."

Aufgerufen am 01.07.2022 um 07:53 auf https://www.sn.at/salzburg/chronik/st-gilgen-aktivistengruppe-raeumte-besetzte-oligarchen-villa-am-attersee-121661185

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