Chronik

Verwüstete Pinzgaubahn - "wann müssen wir sie das nächste Mal wiederaufbauen?"

Zum dritten Mal binnen 16 Jahren ist die Pinzgaubahn von Unwettern schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Mehrere Muren trafen nun den Bahnhof im Ortsteil Vorderkrimml der Gemeinde Wald im Pinzgau. Das Land plant bereits den Neuaufbau. Zum wiederholten Mal.

Luftbild aus Wald im Pinzgau – der Ortsteil Vorderkrimml mit dem verwüsteten Lokalbahnhof und der zerstörten Bahntrasse am 17. August 2021. SN/daniel kogler
Luftbild aus Wald im Pinzgau – der Ortsteil Vorderkrimml mit dem verwüsteten Lokalbahnhof und der zerstörten Bahntrasse am 17. August 2021.

Als kritische Stelle hat Manfred Pongruber vom Katastrophenschutz der Bezirkshauptmannschaft Zell am See die Situation am Bahnhof in Vorderkrimml beschrieben. Drei Mal in drei Tagen war dieser Bereich von Vermurungen betroffen.

Montagabend wurde das Gebiet großräumig evakuiert. Zur schnellen Räumung der Gefahrenstellen wurde deshalb heute ein Assistenzeinsatz des Bundesheeres angefordert. Eine Garnitur der Pinzgauer Lokalbahn ist verschüttet, sie muss mit schwerem Gerät befreit werden.

Bilderstrecke: Der verwüstete Lokalbahnhof

In der Nacht auf den 18. Juli waren bereits gut 20 Kilometer der durch den Oberpinzgau führenden Trasse der Lokalbahn bei einem Hochwasser zerstört worden. Ähnliche Situationen hatte es auch in den Sommern 2014 und 2005 gegeben. Die Sanierungsarbeiten hatten damals jeweils mehrere Monate in Anspruch genommen. Auch diesmal ist ein Betrieb der Bahn im westlichen Teil des Oberpinzgaus vor dem Frühjahr 2022 kaum zu erwarten.

Salzburgs Verkehrsreferent Stefan Schnöll (ÖVP) hatte den aktuellen Schaden an der Pinzgaubahn vor Kurzem noch mit gut zehn Millionen Euro beziffert - aber das war, bevor die Krimmler Ache über die Ufer getreten war. Die Schadenssumme an und rund um den Bahnhof ist noch nicht erhoben worden.

Ungeachtet der wiederkehrenden Zerstörungen hält das Land Salzburg als Eigentümer am Erhalt der Pinzgaubahn fest. Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) sagte am Montag: "Unser Thema ist weniger die Frage, die Bahn wiederaufzubauen. Das wollen wir ohnehin. Die Frage ist vielmehr: Wann müssen wir sie das nächste Mal wiederaufbauen?"

Projekte wie die Elektrifizierung sowie die Verlängerung der Bahn bis ins Ortszentrum von Krimml gibt es nach wie vor. Die Pinzgaubahn ist insgesamt 52,6 Kilometer lang. Fast zwei Drittel (33,1 Kilometer) davon verlaufen direkt auf der Dammkrone der Salzach - das wiederum macht den Bahneigentümer zum wichtigen Mitwirkenden und Mitfinanzier beim Hochwasserschutz im Oberpinzgau. In der Vergangenheit waren dies die ÖBB, seit 1. Juli 2008 eben das Land Salzburg. Dazu kommt, dass der Pinzgaubahn im beengten Oberpinzgau als Nahverkehrsträger eine große Rolle zukommt.

Walter Stramitzer, Betriebsleiter der Pinzgauer Lokalbahn, sagte nach den Hochwasserereignissen im Juli: "Das Tal selber erstickt auf der Straße im Stau. Die Bahn ist eine der wichtigen Lösungen der Mobilitätsdebatte für die Zukunft." Und das bei einem ständigen Kampf mit der Vergangenheit: Denn die Trassenführung stammt aus dem Jahr 1889.

Luftbild aus Wald im Pinzgau – der Ortsteil Vorderkrimml mit dem verwüsteten Lokalbahnhof und der zerstörten Bahntrasse am 17. August 2021. SN/daniel kogler
Luftbild aus Wald im Pinzgau – der Ortsteil Vorderkrimml mit dem verwüsteten Lokalbahnhof und der zerstörten Bahntrasse am 17. August 2021.

Bundesheer im Einsatz

Nach dem neuerlichen Murenabgang in Wald im Pinzgau ist am Dienstagvormittag nun auch das Bundesheer angefordert worden. Um 10 Uhr schickte das Land Salzburg einen Hilferuf an das Militärkommando. Das Bundesheer wird für einen Assistenzeinsatz in der Gemeinde Wald im Pinzgau benötigt.

Wie Hauptmann Rene Auer, Sprecher des Militärkommandos Salzburg, erläuterte, seien zwei Erkundungstrupps des Pionierbataillons 2 der Schwarzenbergkaserne bereits in den Pinzgau entsandt worden. Gegen Mittag sollen diese Ergebnisse vorliegen. "Dann wird der Kräftebedarf gemäß Beurteilung zusammengestellt und der Assistenzeinsatz ausgelöst", sagt Auer.

Das Pionierbataillon 2 war vor vier Wochen bereits in Hallein im Hochwassereinsatz. Am Nachmittag dürften die ersten Pioniere in den Pinzgau entsandt und verlegt werden.

Durchfahrt nur eingeschränkt möglich

"Die Aufräumarbeiten und Sicherungsmaßnahmen nach den Murenabgängen im Bereich des Krimmler Bahnhofes und in Wald im Pinzgau werden noch dauern", sagt Pongruber Dienstagabend nach einem ausführlichen Lokalaugenschein.Die Durchfahrt auf der L113 Krimmler Landesstraße ab der Ortsgrenze Wald ist derzeit nur für Einsatzfahrzeuge möglich, die B165 Gerlosstraße kann nur sehr eingeschränkt befahren werden. Daher fordert die Behörde derzeit vor allem die Besucher der Krimmler Wasserfälle auf, das beliebte Ausflugsziel über die Tiroler Seite und daher über den Gerlos Pass anzufahren. "Wir möchten die Gerlosstraße für Anrainer, Einsatzfahrzeuge sowie notwendige Fahrten wie Lebensmittelversorgung, Müllentsorgung und so weiter möglichst frei halten." Ausweichen ist großräumig über den Pass Thurn und das Zillertal möglich.

Im Pongau bleibt die B163 Wagrainer Straße zwischen St. Johann und Wagrain noch zwei bis drei Wochen gesperrt. "Die Straße wurde teils weggerissen und teils meterhoch vermurt. Wagrain ist daher nur über die Flachauer Seite erreichbar", sagt Bezirkshauptmann Harald Wimmer, "wir werden hier zwei bis drei Wochen brauchen." Die gute Nachricht: Die anderen betroffenen Verbindungen im Pongau sind laut Bezirkshauptmann wieder passierbar, wenn auch teilweise einspurig. "Ich fasse es so zusammen: Wir sind aus derzeitiger Sicht mit einem blauen Auge davon gekommen. Es hätte noch weitaus schlimmer kommen können", sagt Wimmer.

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