Kultur

"Supergau": Neues Festival in Salzburg sucht Projekte

Das Land Salzburg veranstaltet ein neues Festival, das in je einem der fünf Gaue stattfinden wird. Begonnen wird mit dem Flachgau, der zumindest zehn Tage lang super werden soll.

Landeshauptmann- Stellvertreter Heinrich Schellhorn, Tina Heine und Theo Deutinger (beide künstlerische Leitung) präsentierten die Eckpunkte des neuen Festivals für zeitgenössische Kunst. SN/lmz/neumayr/leo
Landeshauptmann- Stellvertreter Heinrich Schellhorn, Tina Heine und Theo Deutinger (beide künstlerische Leitung) präsentierten die Eckpunkte des neuen Festivals für zeitgenössische Kunst.

Ein neues Festival ist gegründet. Es heißt "Supergau", weil es super sein soll und in einem Gau stattfindet. Als erster Veranstaltungsgau ist der Flachgau erkoren, wo im Mai 2021 zehn Tage lang etwa 30 bis 35 Kunstprojekte Besucher anlocken und anregen sollen.

"Der Flachgau ist der Schlafbezirk der Stadt Salzburg", sagt der Salzburger Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne). Trotz engagierter Institutionen wie Kunstbox in Seekirchen oder Museum Fronfeste in Neumarkt sehe er im Kulturbereich Aufholbedarf. Vor allem sei "notwendig, dass in mehreren Gemeinden auch zeitgenössische Kunst sichtbar wird". Dafür seien die Kuratoren Tina Heine und Theo Deutinger angehalten, die Kooperation mit regionalen Einrichtungen und Vereinen zu suchen.

Das tun die beiden schon recht hurtig, wie sie im Pressegespräch am Montag schilderten. Überhaupt scheinen die zwei ein glorioses Gespann zu sein: die eloquente und lustige Hamburgerin und der nachdenkliche Pongauer, der, wie er versichert, nicht aus Flachgau, sondern Flachau stammt. Dort übrigens veranstaltet er im Jänner 2020 zum fünften Mal das "Minus 20 degree"-Festival: mit Kunst aller Genres in der Winterlandschaft.

Tina Heine erzählte, sie habe Theo Deutinger erst heuer im April im Café Bazar kennengelernt. Eigentlich habe sie nur den Autor des "Handbook of Tyranny" kennenlernen wollen. Aber nach eineinhalb Stunden hätten beide beschlossen, sich um die soeben ausgeschriebene Leitung des Festivals zu bewerben. Und sie wurden genommen!

Theo Deutinger verriet leise, dass seine Kokuratorin vor Kurzem noch "ins Flachgau" gesagt habe. Da fiel sie ihm lachend ins Wort. Sie versicherte: "Ich übe noch! Es wird besser!", und redete gleich weiter: "Was uns gereizt hat: unsere Diskussion Stadt - Land, die intelligente Stadt, in der die Leute alles wissen, versus das Land, wo man das Zeitgenössische erst hinbringen muss. Wir halten das für völlig falsch." Die Leute auf dem Land seien ebenso intelligent wie in der Stadt - schon gar am Land um die Stadt Salzburg: Rund 70 Prozent der Flachgauer pendelten täglich in die Stadt.

Ein Wunsch für die zehn Tage "Supergau" sei, dass sich das umdrehe, dass also 70 Prozent der Städter als "kulturelle Auspendler" aufs Land führen, sagt Tina Heine. Welches Verkehrskonzept ist geplant? Das hänge noch von Orten und Projekten ab, sicher werde es Fahrradtouren geben, möglicherweise auch einen Bus. Allerdings: Eine zu gewinnende Erkenntnis könnte sein, dass sich die Städter plötzlich dieselbe Frage stellen müssten wie bisher die Flachgauer: Wie komme ich hin und zurück?

Ein Parameter ist fix: ",Supergau' ist eine 100-Prozent-Außenraumveranstaltung", sagt Theo Deutinger. Denn "in der Stadt sind Häuser, und am Land ist Landschaft". Egal ob Musik, Theater, Performance, Skulptur, Multimedia, was auch immer: "Es muss in den Wald, auf die Wiese, in die Asphaltlandschaft oder die Autobahnlandschaft." Dafür gebe es kaum räumliche Limits, "es können auch zehn Kilometer lange Kunstwerke entstehen".

Weil so ein Festival, auch wenn kein Eintritt verlangt wird, ein Zentrum für Information oder als Treffpunkt braucht, wird ein Zelt "in der geografischen Mitte" des Flachgaus aufgebaut. Wie stellt man die fest? Dafür hat Theo Deutinger die Umrisse des Gaus auf einen handtellergroßen Karton gezeichnet und fein sauber ausgeschnitten, sodass der Zapfen hin zu Strobl und das Loch der Landeshauptstadt sichtbar werden. Er streckt einen Finger in die Luft, legt auf dessen Kuppe den Kartongau und sucht den Punkt, wo der Minigau reglos balanciert. Resultat: "Irgendwo in Plainfeld" werde das Zelt sein, sagt Theo Deutinger.

Seit gestern, Montag, werden per internationaler Ausschreibung Künstler und Projekte gesucht. Nach der bis 31. Jänner 2020 möglichen Bewerbung wird eine Jury über die Einreichungen entscheiden. Mitte März 2020 sollen jene Künstler feststehen, die gut ein Jahr später den "Supergau" bespielen.

Für den alle zwei Jahre stattfindenden "Supergau" hat Heinrich Schellhorn die bisherigen Budgets von "Podium", "Wahre Landschaft" und "ORTung" zusammengelegt und aufgestockt, sodass die Hamburgerin und der Pongauer nun mit 480.000 Euro loslegen dürfen.

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