Kultur

Zwei Gründe zum Fauchen

Der legendäre Sammler Albert Figdor fühlte sich zwei Mal desavouiert. In Leogang wird er gewürdigt.

Türklopfer aus Schmiedeeisen aus dem 15. oder 16. Jahrhundert, Sammlung Figdor. SN/susanne bayer fotografie
Türklopfer aus Schmiedeeisen aus dem 15. oder 16. Jahrhundert, Sammlung Figdor.

Vielleicht hätte Albert Figdor so wütend gefaucht wie der Drache aus dem Türklopfer seiner Sammlung, die ihm den Ruhm als größter Privatsammler Europas eingebracht hat. Der Wiener Bankier, der von Vater und Onkel ein riesiges Vermögen geerbt hatte, hatte mit Liebe, Interesse und guter Beratung Gemälde in der Liga von Hieronymus Boschs "Der verlorene Sohn", Kupferstiche, Möbel von Antike bis 19. Jahrhundert, Skulpturen und Tapisserien erworben. Zudem war sein Interesse für das damals neue Gebiet des Kunstgewerbes geweckt. Ähnlich wie etwa ein Jahrhundert später der Wiener Arzt Rudolf Leopold sammelte der von 1842 bis 1927 lebende Albert Figdor vieles, vielerlei - und dies stets in erlesener Qualität.

Rudolf Leopold gelang es, den Kern seiner Sammlung in einem Museum auf Dauer zu sichern, dem Leopold-Museum in Wien. Albert Figdor hingegen ist mit ähnlichem Ansinnen gescheitert: Er hätte seine Sammlung 1891 dem Kunsthistorischen Museum unter der Bedingung vermacht, dass sie nicht aufgeteilt würde. Aber das Kaiserhaus lehnte ab, wie der Sammler und Kunsthändler Kuno Mayer im Katalog der Ausstellung "Maria - Licht im Mittelalter" erläutert hat.

Noch ein zweites Mal könnte Albert Figdor so zornig wie der Drache auf seinem Türklopfer gewesen sein: Das Denkmalschutzgesetz von 1923, das die Ausfuhr von Kulturgut untersagte, empfand er - so schildert es Kuno Mayer - gegen sich persönlich gerichtet. Eine Nichte in Heidelberg war seine Erbin und leitete den Verkauf ein. 1930 musste unter Berufung auf das prinzipielle Ausfuhrverbot ein Teil in Wien versteigert werden, der andere Teil ging zur Auktion nach Berlin: Die legendäre Sammlung wurde also auf Museen - auch österreichische Bundesmuseen - und Privatsammler verstreut.

Von dem, was Kuno Mayer selbst aus der Sammlung Figdor hat wieder zusammentragen können, werden Leihgaben in Leogang ausgestellt. Dank der Erweiterung des Museums 2019 ist dies um eine so umfangreiche Dauerleihgabe von rund fünfzig Exponaten - darunter Kostbares aus Bergkristall - aus dem Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) bereichert, dass das Leoganger Museum für historisches Kunsthandwerk und Möbel das westösterreichische Schaufenster des MAK ist.

Zudem ist es der einzige Ort, wo an diesen legendären Österreicher erinnert wird und wo wenigstens in einem Teilbereich zu sehen ist, was er gesammelt hat.

Diese Sammlung "war etwas Geheimnisvolles, das nur die wenigsten je zu Gesicht bekommen hatten", schrieb Kuno Mayer. "Man erzählte sich von unglaublichen Kunstschätzen, von immensem Reichtum. (...) Selbst die wenigen Auserlesenen, die das Glück hatten, vom alten Herrn persönlich durch die Sammlung geführt zu werden, gewannen keinen Überblick. Die Fülle war erdrückend und verwirrend. (...) Es gab in ganz Österreich-Ungarn nichts Vergleichbares."

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Aufgerufen am 07.07.2022 um 04:23 auf https://www.sn.at/salzburg/kultur/zwei-gruende-zum-fauchen-121232926

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