Bürgermeister-Kandidaten vorgestellt

Andreas Reindl: Vom Lkw-Fahrer bis an die Spitze der Stadt-FPÖ

Der Freiheitliche hat so viele berufliche Stationen hinter sich wie kein anderer Bürgermeisterkandidat. Obwohl ihn wenige kennen, rechnet Reindl sich Chancen aus. Stichwort: Norbert Hofer.

Der Salzachsee ist einer von Andreas Reindls Lieblingsplätzen. SN/robert ratzer
Der Salzachsee ist einer von Andreas Reindls Lieblingsplätzen.

Koch, Verkaufsaußendienstler, Partei-Mitarbeiter, Lkw-Fernfahrer, dann wieder Partei-Mitarbeiter: Andreas Reindl von der FPÖ ist wohl jener der sechs Bürgermeisterkandidaten, der den buntesten Lebenslauf vorweisen kann.

Aufgewachsen in Saalfelden ("in der Palfenstraße, unweit der Einsiedelei"), wird Reindls Leben durch die Scheidung der Eltern gehörig durcheinandergewirbelt: "Das war am Ende des ersten Jahres Gymnasium. Das war eine schwierige Phase."

Weil es "auch notenmäßig besser hätte laufen können", wechselt Reindl 1981 nach der zweiten Klasse an der HIB in die Hauptschule, wo er eine Ehrenrunde einlegt.

Kochlehre in Maria Alm

1984 beginnt er eine Koch-Lehre im Hotel Norica in Maria Alm: "Ich wollte später auf einem Schiff arbeiten und so die weite Welt kennenlernen."

Anfang 20 hätte er tatsächlich die Möglichkeit dazu gehabt: "Da habe ich es aber leider aufgeschoben."

Mit 17 der zweite Schicksalsschlag: Reindl verliert den schwer kranken Vater: "Sein Tod war wieder ein großer Einschnitt." Als Folge zieht er zu seiner Mutter nach Hallein. Wochentags wohnt er weiter im Personalhaus seiner Arbeitsstätte.

Nach dem Bundesheer folgen mehrere Saison-Aufenthalte im Pinzgau. Mit 24 Jahren sattelt Reindl um und wird Verkaufsaußendienstler.

Warum? "Als Koch hatte ich eine intensive, bewegte Zeit. Da habe ich mich ausgelebt. Wir sind viel fortgegangen. Ich wollte aber ruhiger und seßhafter werden und andere Arbeitszeiten." Im neuen Job fährt er viel herum und vertreibt Bücher und Spielzeug an Trafiken und Großmärkte. Später werkt er für die Generali-Versicherung, dazwischen für die Firma Fundgrube.

Beitritt zur FPÖ-Hallein

1991, mit 22, tritt Reindl der FPÖ in Hallein bei. Schon als Jugendlicher habe er mit seiner Tante aus Wien, die ebenso wie seine Eltern und Großeltern eine überzeugte Sozialdemokratin war, gerne politisiert, erzählt er.

Denn die 80er-Jahre seien eine Zeit der Skandale gewesen - Stichwort: VÖEST, Noricum und Lucona. "Und wie Jörg Haider gegen die Großen und Mächtigen aufgetreten ist, hat mir imponiert."

1994 wird Reindl in den Vorstand der Halleiner FPÖ gewählt, später ist er dort Gemeinderat. 1998 fasst Reindl auch beruflich bei der FPÖ Fuß und wird Bezirksgeschäftsführer für den Tennengau und die Stadt.

Allerdings: Nach drei Jahren kündigt er und wird Fernfahrer. "Ich wollte eine Pause einlegen und etwas anderes machen. Das Lkw-Fahren hat sich über meinen damaligen Schwager ergeben." Reindl brettert mit einem 38-Tonner durch Deutschland, Frankreich und Spanien. "Da hat man viel Zeit zum Nachdenken, und ich verdiente damals gut."

Politcomeback nach Fernfahrerzeit

2004 zieht es den damals 35-Jährigen erneut in die Politik: Er wird hauptamtlicher Organisationsreferent der FPÖ-Landespartei. Zu seinem Chef Karl Schnell, der später von HC Strache aus der Partei geworfen wurde, habe er damals ein sehr gutes Verhältnis gehabt, erzählt Reindl heute.

Letzte Station seiner Karriereleiter ist der Einzug in den Salzburger Gemeinderat nach der Wahl 2014. Im Jänner 2015 löst Reindl nach einem unangekündigten Misstrauensantrag Andreas Schöppl als Obmann des blauen Klubs ab. Schöppl spricht tags darauf von "Putschisten mit dem Benzinkanister" und einem "Dolchstoß". Reindl kommentiert das nur so: "Schöppl und ich haben uns ausgeredet und heute ein sehr gutes Verhältnis."

Der Salzachsee ist einer von Andreas Reindls Lieblingsplätzen. SN/robert ratzer
Der Salzachsee ist einer von Andreas Reindls Lieblingsplätzen.

Als Bürgermeister kandidiert Reindl jetzt, "weil ich glaube, dass viele im Gemeinderat nicht mehr wissen, was draußen los ist; dass es auch Leute in der Stadt Salzburg gibt, die ab dem 15. des Monats nicht wissen, wie sie den Rest des Monats ihre Lebensmittel kaufen sollen."

Aber sind nicht viele dieser sozial schwachen Menschen Migranten? Will Reindl also auch sie als Wähler gewinnen? "Ich will in erster Linie die heimische Bevölkerung ansprechen", stellt er klar.

Aber kann Reindl mit einem Netto-Gehalt von 4300 Euro als Klubobmann zuzüglich seines FPÖ-Einkommens glaubwürdiger als andere den kleinen Mann bzw. die kleine Frau vertreten? "Abzüglich Parteisteuer verdiene ich gut 4000 Euro netto", betont er. Das sei ein ausgezeichnetes Gehalt. Der Unterschied zu anderen sei: "Ich habe ein Gespür für die Leute, weil ich jeden Tag unterwegs bin und ich mir Zeit für die Probleme der Menschen nehme."

Verkehr, Wohnen, Sicherheit, Demokratie

Als seine wichtigsten politischen Themen nennt er den Verkehr, leistbares Wohnen, Sicherheit sowie direkte Demokratie. Verkehrspolitisch lässt Reindl, der gegen die Erweiterung der Mönchsberggarage und für eine oberirdische Stadtregionalbahn ist, mit zwei neuen Vorschlägen aufhorchen: "Eine Idee wäre, die Jahreskartenpreise zu halbieren, also 182,50 statt 365 Euro fürs Cityticket." Und: "Der Stadt-Anteil der Dividende der Salzburg AG, drei Millionen Euro im Jahr, soll großteils in die Öffis gesteckt werden."

Müssten ihm in puncto Parkraumbewirtschaftung nicht die geplanten blauen Zonen gefallen? Reindl lacht: "Nur, wenn sie nicht vergebührt sind." Auch bessere Takte bei den Regionalbussen und Park-&-Ride-Plätze in Umlandgemeinden seien wichtig: "Da wird die Stadt mitzahlen müssen."

Um die Wohnungsnot zu lindern, würde er mehr Super- und Fachmärkte mit Wohnraum überbauen. In puncto direkte Demokratie pocht Reindl auf die Umsetzung des ausverhandelten Bürgerbeteiligungs-Modells.

Sollten hier die Bürger auch über die im Miteigentum der Stadt befindlichen Betriebe wie Flughafen oder Salzburg AG abstimmen dürfen - woran der Beschluss des Modell ja gescheitert ist? Reindl bejaht: "Das war nur ein billiges Argument von Heinz Schaden, um das Modell abzudrehen."

Wie realistisch ist es, dass Reindl Bürgermeister wird? 2009 und 2014 kam FPö-Kandidat Schöppl nie über zehn Prozent. Reindl räumt ein, dass er "schon einen Nachteil hat, weil ich nicht so bekannt bin". Dennoch will der 49-Jährige überraschen: "Auch Norbert Hofer hat man zu Beginn des Bundespräsidentschaftswahlkampfes nur mit acht Prozent gehandelt."

Aufgerufen am 24.11.2017 um 08:26 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/andreas-reindl-vom-lkw-fahrer-bis-an-die-spitze-der-stadt-fpoe-20404891

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