Politik

Corona-Neuerungen in Salzburg: Krisenmanager und 2G-Kontrolle an der Kassa

Das Land Salzburg zog am Montagnachmittag Bilanz über die aktuelle Coronalage. Das Management wird neu aufgestellt, dem Handel drohen ab Jänner schärfere Auflagen und die Impfkampagne soll noch einmal einen Zahn zulegen.

 Landeshauptmann Wilfried Haslauer (Archivbild).  SN/robert ratzer
Landeshauptmann Wilfried Haslauer (Archivbild).
  • Der Stand der Impfungen im Bundesland
  • Die aktuellen Coronazahlen
  • Neue Infokampagne des Landes
  • Testinfrastruktur über die Feiertage

Die Pressekonferenz hier zum Nachschauen

Die Freude darüber, dass die Infektionszahlen in Salzburg zuletzt viel stärker gesunken sind als erwartet, wurde am Montag durch die sich rasch verbreitende Omikron-Variante des Coronavirus massiv getrübt. Wie lange wird dieser Effekt anhalten? Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) wollte sich am Montag jedenfalls nicht darauf festlegen lassen, ob im Jänner bereits der nächste Lockdown notwendig sein wird oder nicht. Ausschließen konnte er es nicht. Dafür kündigte er eine Reihe von Maßnahmen an, um vor allem organisatorisch besser als zuletzt für die nächste Welle gerüstet zu sein. Dazu zählen nicht nur verpflichtende 2G-Kontrollen des Handels an der Kassa. Ausgenommen sind Geschäfte des täglichen Bedarfs, wie Lebensmittelmärkte. Haslauer installiert auch ein zentrales Covid-Management mit einem hochrangigen Militär, ähnlich wie beim neuen Krisenstab "GECKO" des Bundes.

Peter Schinnerl  SN/bundesheer
Peter Schinnerl

Der aus Adnet stammende Peter Schinnerl, Oberst des Generalstabsdienstes, wird die führende Figur. Haslauer betonte: "Nach zwei Jahren Pandemie stellen wir von einer Krisen- in eine Linienorganisation um. Es gibt nun einen zentralen Ansprechpartner intern für die Regierung und alle Dienststellen des Landes sowie für unsere externen Partner wie das Rote Kreuz oder die Ärztekammer. Wir binden ihn massiv ein, er hat unmittelbaren Zugriff auf alle Fachleute in den Abteilungen. Er erstellt die Entscheidungsgrundlagen für die Politik und koordiniert auch alle Maßnahmen im Land."

"Das Virus ist ein hinterhältiger Gegner"

Schinnerl ist seit 2017 als Abteilungsleiter in der Einsatzführung des Kommandos Luftstreitkräfte tätig und wird nun für die neue Aufgabe freigestellt. Das Virus, sagte Schinnerl, sei ein hinterhältiger Gegner, dem man mit einer generalstabsmäßigen Organisation entgegentreten müsse. "Wir müssen vom fallweisen Katastrophenmanagement wegkommen in eine strukturierte Zusammenarbeit."

Der Landeshauptmann reagierte auch auf die lasche oder zum Teil nicht vorhandene 2G-Kontrolle des Handels, die über die Kundenpflicht hinausgeht: "Zumindest an der Kassa muss 2G kontrolliert werden. Wer keinen Grünen Pass vorzeigen kann, kann auch nichts einkaufen." Das betreffe, sagte Haslauer, natürlich nicht Geschäfte des täglichen Bedarfs. Gestartet werde mit 3. oder 10. Jänner.

Quarantänehotels für Touristen

Dazu werde auch neues Personal eingestellt, das für die Gesundheitsbehörden die Polizei bei den Kontrollen in der Gastronomie unterstützen wird. Darüber hinaus werde es für Touristen Quarantänehotels in Tamsweg und Goldegg geben.

Gesundheitsreferent Christian Stöckl (ÖVP) kündigte an, mit einer großen Werbekampagne über die Feiertage vor allem auch jüngere Altersgruppen ansprechen zu wollen, um beim Impfen weitere Fortschritte zu machen. Im Hinblick auf Omikron könnte ein Plus sein, dass Salzburg bei den Drittimpfungen zuletzt große Fortschritte gemacht hat. Demnach haben von allen Geimpften, bei denen die Zweitimpfung mindestens vier Monate zurückliegt, bereits 71,7 Prozent den dritten Stich erhalten. Neu ist nach Angaben Stöckls, dass ab sofort das Nationale Impfgremium (NIG) eine Auffrischung für die Altersgruppe zwischen zwölf und 17 Jahre empfiehlt.

Hoppe: "Hoffentlich kein weiterer Lockdown"

Uta Hoppe, Coronamedizinerin am Uniklinikum Salzburg, sagte, dass der dritte Stich zu 70 Prozent vor einer Infektion mit der Omikron-Variante und jedenfalls vor einem schweren Verlauf schütze. Wer drei Mal geimpft sei, werde nicht auf einer Intensivstation landen. Hoppe wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass man auf den Intensivstationen derzeit sehr viele junge Menschen mit einem Durchschnittsalter von 56 Jahren habe. "Alle nicht geimpft, 40 Prozent werden das neue Jahr nicht erleben. Das Virus ist schlau, es trägt eine Tarnkappe, aber mit Impfungen und Schutzmaßnahmen brauchen wir hoffentlich keinen weiteren Lockdown."

Christian Stöckl hofft, im kommenden Jahr mit dem am Montag neu zugelassenen Totimpfstoff von Novavax einige Impfskeptiker überzeugen zu können. Das Vakzin werde im ersten Quartal auch in Salzburg verfügbar sein, ein genaues Datum konnte Stöckl aber noch nicht nennen.

Informationskampagne des Landes

Über die Feiertage startet das Land Salzburg eine Informationskampagne zum (Auffrischungs-)Impfen. Die Durchimpfungsrate der Bevölkerung steht nach Informationen des Landes bei 66,5 Prozent, Ziel seien mindestens 80 bis 85 Prozent. Von den möglichen Auffrischungsimpfungen seien 71,7 Prozent gemacht worden (Stand: 20. Dezember, 8.30 Uhr). Ab sofort empfiehlt das Nationale Impfgremium (NIG) eine Auffrischung für die Altersgruppe zwischen 12 und 17 Jahren. Sie kann ab dem sechsten Monat nach der zweiten Dosis erfolgen. Die rasche Ausbreitung der Virusvariante Omikron könnte in den kommenden Wochen jedoch zu einer Verkürzung des Intervalls auf vier Monate führen. Die Zahl der Erstimpfungen hat sich in der vergangenen Woche im Vergleich zur Woche davor von 3820 auf 4077 erhöht.

Impfkoordinator setzt auf Boosterimpfung

Im Hinblick auf die Virusvariante Omikron empfiehlt Impfkoordinator Rainer Pusch die Boosterimpfung, um gegen einen schweren Krankheitsverlauf geschützt zu sein. "Ich appelliere daher noch einmal dringend: Bitte lassen Sie nach vier Monaten Ihren Schutz auffrischen, gehen Sie auch als Genesener zur Impfung. Und natürlich appelliere ich noch einmal eindringlich an alle, die bisher noch gar nicht geimpft sind!"

67,1 Prozent der 17-Jährigen doppelt geimpft

Die Landesstatistik erlaubt einen genauen Blick auf die Impfdaten: In Salzburg haben mittlerweile 16.654 der 12- bis 17-Jährigen die erste und zweite Dosis erhalten. Das entspricht etwas mehr als der Hälfte der insgesamt 32.628 jungen Salzburgerinnen und Salzburger in dieser Altersgruppe. "Während bei den 12-Jährigen lediglich 29,9 Prozent zwei Impfungen erhalten haben, steigt der Prozentsatz in Folge stark an und liegt bei den 17-Jährigen bereits bei 67,1 Prozent", sagt Landesstatistikleiter Gernot Filipp.

Die rasche Ausbreitung der Virusvariante Omikron könnte laut NIG in den kommenden Wochen jedoch zu einer Verkürzung des Intervalls auf vier Monate führen. "Nachdem die Altersgruppe erst seit Ende Mai geimpft wird, kommen für den Booster aktuell nur knapp 400 Kinder und Jugendliche infrage. Bis Ende Jänner sind es dann aber bereits über 4000", informiert Gernot Filipp.

Aktuelle Eckdaten zur Coronaimpfung (Stand: 20. Dezember)

66,5 Prozent Durchimpfungsrate (Gesamtbevölkerung)
36.491 Coronaimpfungen in der vergangenen Woche
4077 Erstimpfungen in der vergangenen Woche
7864 Zweitimpfungen in der vergangenen Woche
24.550 Drittimpfungen in der vergangenen Woche
6242 Kinderimpfungen (5- bis 11-Jährige) bisher
Gesamt 963.051 Impfdosen bisher
Gesamt 218.834 Auffrischungsimpfungen bisher


Die Zahlen zum Tag (Stand: 20. Dezember)

2576 aktive Infektionen
110 Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung
26 Covid-19-Patienten auf Intensivstation
775 bisher Verstorbene
7-Tage-Inzidenz Land Salzburg: 205,5
7-Tage-Inzidenz: Flachgau 242,5; Tennengau 234,5; Stadt Salzburg 204,6; Pongau 164,6; Pinzgau 182,6; Lungau 104,4.

Test-Infrastruktur bleibt in Ferien aufrecht

Für Markus Kurcz, Leiter des Covid-Bords, ist die Testinfrastruktur nach wie vor ein wichtiger Teil der Pandemiebekämpfung. "Wir wissen, dass viele Infektionen symptomlos verlaufen, aber man andere Menschen anstecken kann, die es dann vielleicht schwerer trifft. Gerade bei Verwandten und Freunden will man das sicher nicht. Ein Test kann da einen wesentlichen Beitrag leisten, zum Beispiel vor Familienzusammenkünften oder dem Besuch bei den Großeltern. Je mehr man tut, umso mehr schützt man seine Liebsten."

Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden mehr als sechs Millionen Tests abgewickelt. Landesgeschäftsführerin Sabine Kornberger-Scheuch sagt: "Eine gewaltige Herausforderung, dies zu stemmen und tagtäglich in optimaler Qualität anzubieten." Ihr Appell vor den Feiertagen lautet: "Möglichst keine Doppel- oder Mehrfachbuchungen bei den Testterminen vornehmen, denn andere erhalten durch dieses ,Sammeln' von Terminen keine Möglichkeit, zu einem Test zu kommen. Wenn man einen Termin nicht wahrnehmen kann, lässt sich der einfach online unter www.salzburg-testet.at unter ,Terminstornierung' oder telefonisch bei 1450 absagen."

Corona-Testmöglichkeiten

Bei den Stationen des Roten Kreuzes wird am 24. Dezember bis 14 Uhr getestet, in den (Test-)Apotheken in der Regel bis 12 Uhr. Am 25. und 26. Dezember sowie am 1., 2. und 6. Jänner sind die Rotkreuz-Teststationen geschlossen.

  • Beaufsichtigte PCR- und Antigentests in 14 Rotkreuz-Stationen, Anmeldung unter www.salzburg-testet.at und 1450. Gelten als Nachweis.
  • PCR-Gurgeltests für zu Hause sind landesweit kostenlos verfügbar an den Kassen der teilnehmenden Spar-Märkte. Am 24. Dezember sollte man die Testproben schon um eine Stunde früher - also bis spätestens neun Uhr - abgeben, um das Ergebnis möglichst zeitgerecht zu erhalten. Die Ergebnisse sind 72 Stunden gültig und können direkt in die App "Grüner Pass" übernommen werden. Gelten als Nachweis.
  • Beaufsichtigte PCR- und Antigentests in aktuell 65 Salzburger Apotheken, Anmeldung unter www.apothekerkammer.at, gelten als Nachweis.
  • Antigen-Tests vor Verwandtenbesuchen oder kleinen Zusammenkünften in der Familie, um bestmögliche Sicherheit zu haben.

Alle Infos des Landes zu Corona, den Impfterminen und Testmöglichkeiten finden Sie hier.

Aufgerufen am 20.01.2022 um 04:38 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/corona-neuerungen-in-salzburg-krisenmanager-und-2g-kontrolle-an-der-kassa-114305398

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