Politik

Land Salzburg plant massenhafte Antikörpertests noch im April

Sie sollen speziell auch für Beschäftigte im Gesundheitsbereich erfolgen.

Ein Hubschrauber brachte einen Patienten aus Frankreich ins LKH. SALK/WILDBILD SN/salk/wildbild
Ein Hubschrauber brachte einen Patienten aus Frankreich ins LKH. SALK/WILDBILD

Die Zahl der in Salzburg positiv auf das Coronavirus getesteten Personen ist bis Freitag (Stand 18:15 Uhr) auf 1064 gestiegen. 862 davon halten sich derzeit im Bundesland auf. Gemessen an den Einwohnern liegt Salzburg laut der Berechnung des Landes mit mehr als 181 Erkrankten pro 100.0000 Einwohner deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt (122). Die tägliche Wachstumsrate wurde im Drei-Tages-Durchschnitt mit 5,7 Prozent angegeben.

Um die tatsächliche Verbreitung des Coronavirus in Salzburg abschätzen zu können, will das Land bald mit Antikörpertests "in die Fläche gehen", sagt Pressesprecher Franz Wieser. Sie geben Aufschluss, ob jemand bereits infiziert war und womöglich eine gewisse Immunität entwickelt hat. Interessant sei das für den Gesundheitsbereich, in dem rund 10.000 Salzburgerinnen und Salzburger beschäftigt seien. Mit den Tests könne etwa beim Pflegepersonal eine Mitarbeitergruppe identifiziert werden, "die ungefährdet ist und mit Leuten arbeiten könnte". Wieser geht davon aus, dass voraussichtlich ab Ende April Tausende Antikörpertests durchgeführt werden.

Immunität nach Erkrankung "medizinisch nicht erwiesen"

Wer das übernimmt, ist offen. In Tirol hat die Innsbrucker Medizinuni angekündigt, in Ischgl testen zu wollen. Dort geht man davon aus, dass aufgrund der hohen Ansteckungsrate bereits viele Menschen Antikörper gebildet haben. Der Ort steht wie das gesamte Paznauntal unter Quarantäne. In den Salzburger Quarantänegebieten seien Tests derzeit "kein Thema".

In den Salzburger Landeskliniken, wo es bisher 25 positive Fälle gab, sollen etwaige Ergebnisse von Antikörpertests jedenfalls keinen Einfluss auf Arbeit und Einteilung des medizinischen Personals haben. Jene Mitarbeiter, die sich nach einer überstandenen Infektion wieder im Dienst zurückmelden, seien deswegen nicht zwangsläufig "an vorderster Front" im Einsatz, sagt Sprecher Wolfgang Fürweger. Denn eine Immunität nach einer Covid-19-Erkrankung sei "medizinisch nicht erwiesen".

Am späten Donnerstagnachmittag lagen 19 Patienten auf Intensivstationen, elf davon wurden beatmet. Darunter auch jene drei Franzosen aus der Moselregion, die am Mittwochabend mit einem Militärhelikopter aus Metz bzw. mit einem Rettungshubschrauber aus Baden-Baden nach Salzburg geflogen worden waren. Ihren Gesundheitszustand beurteilte Primar Richard Greil als "relativ gut", die Patienten seien "nicht sehr schwer zu beatmen".

Versorgung der Menschen aus der Region "höchste Priorität"

Sind angesichts der freien Kapazitäten - 141 Intensivbetten sind für Coronapatienten vorgesehen - weitere Überstellungen geplant? Laut LH-Stv. Christian Stöckl gebe es aktuell Bestrebungen der EU-Kommission, dass sich die Mitgliedsstaaten vertraglich dazu verpflichten sollen, nach Möglichkeit Patienten aus anderen Ländern zu übernehmen. Ob Salzburg bereit ist, abgesehen von Fällen aus dem bayerischen Grenzgebiet weitere Patienten aus dem Ausland zu behandeln, ist offen. Mit zunehmender Belegung der Betten werde es schwierig, das abzuwägen. Die Versorgung der Menschen aus der Region habe "höchste Priorität", sagt Stöckl.

Nachdem die erkrankten Franzosen eingeflogen worden waren, tauchten Fragen auf, nach welchen Kriterien die Patienten ausgewählt wurden. Das Bundeskanzleramt verwies darauf, dass die Entscheidung darüber in Frankreich getroffen worden sei. Man könne aber "versichern, dass es keine Prominenten sind".

Elf Infizierte im Seniorenheim Mittersill

Am Freitag wurde außerdem bekannt, dass sich mittlerweile elf Personen im Seniorenheim Mittersill mit dem Coronavirus infiziert haben. Laut Landesmedienzentrum handelt es sich dabei um sechs Bewohner und fünf Pflegekräfte. Am Mittwoch war eine Bewohnerin positiv auf Covid-19 getestet und ins Uniklinikum Salzburg überstellt worden. Auch im Krankenhaus Tamsweg hat sich eine Mitarbeiterin mit dem Virus infiziert.

Aufgerufen am 28.10.2020 um 04:51 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/land-salzburg-plant-massenhafte-antikoerpertests-noch-im-april-85740580

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