Wirtschaft

"Persönlicher Feiertag": Die Karfreitags-Regelung sorgt bei Gewerkschaftern in Salzburg für Kopfschütteln

"Umfaller" und "Frotzelei" - AK-Präsident Peter Eder, FSG-Vorsitzender Gerald Forcher und ÖGB-Chefin Heidi Hirschbichler kritisieren die neue Feiertagsregelung der Bundesregierung scharf. Diese würde nur der Wirtschaft dienen, heißt es. Arbeitnehmer würden sich ihren Feiertag künftig selbst zahlen.

FSG-Vorsitzender Gerald Forcher und AK-Präsident Peter Eder lassen kein gutes Haar an der neuen Regelung der Bundesregierung für den Karfreitag. SN/robert ratzer
FSG-Vorsitzender Gerald Forcher und AK-Präsident Peter Eder lassen kein gutes Haar an der neuen Regelung der Bundesregierung für den Karfreitag.

Der Karfreitag - heuer am 19. April - wird also doch kein halber Feiertag. Seit Dienstag ist bekannt, dass sich jeder Arbeitnehmer seinen "persönlichen Feiertag" nehmen kann - vom Urlaubsanspruch. Ein gesetzlicher Feiertag wird der Karfreitag nach dem EuGH-Urteil aber nicht.

FSG-Chef Forcher: "Das ist eine fauler Kompromiss"

Harsche Kritik kommt daher von AK-Präsident Peter Eder und der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG). Die Regierung sei umgefallen, heißt es. FSG-Vorsitzender Gerald Forcher: "Wieder wurde demonstriert, dass die Arbeitnehmerinteressen keine Berücksichtigung finden. Das ist ein fauler Kompromiss. Will man künftig am Karfreitag frei haben, oder besser gesagt, will man sich seinen persönlichen Feiertag am Karfreitag gönnen, muss man nun einen bestehenden Urlaubstag dafür nehmen. De facto zahlt man sich also seinen Feiertag selbst." MIt dieser Regelung gebe es jedenfalls keine Verbesserung, sondern nur eine Verschlechterung. "Wenn man schon in die Richtung eines persönlichen Feiertags mit der Urlaubsoption geht, hätte man sich auch dazu durchringen können, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern einen zusätzlichen gesetzlichen Urlaubstag zu geben. Aber das geht dann doch wieder zu weit und dürfte einen gewaltigen Aufschrei der Wirtschaft zur Folge haben, für die sowieso alles zu teuer ist."

AK-Chef Eder: "Das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Arbeitnehmers"

Auch die Kritik von AK-Präsident Peter Eder zur neu getroffenen Regelung ließ nicht lange auf sich warten: "Das ist ein Schlag ins Gesicht jedes Arbeitnehmers." Gläubige dürften den Feiertag jetzt auf Kosten ihres eigenen Urlaubskontos begehen. "Persönlicher Feiertag - das ist doch Schönfärberei eines ganz normalen Urlaubstages, den die Beschäftigten auch als solchen nehmen müssen", meint Eder. Dass der Tag zusätzlich drei Monate vorher angekündigt werden müsse, mache ihn unflexibler als jeden normalen Urlaub. Müsse man dennoch arbeiten, gebe es Feiertagszuschläge. Das aber bezeichnet Eder als realitätsfremd und als Frotzelei. "Arbeitgeber werden in der Regel alles tun, damit der Tag als normaler Urlaubstag gilt." ÖVP und FPÖ hätten einmal mehr einen Vorschlag der Wirtschaft übernommen, der eben nur der Wirtschaft Vorteile bringe. "Wieder ein Kniefall, bei dem die Arbeitnehmer draufzahlen. Dieses Herumwurtscheln ist unwürdig", findet Salzburgs AK-Präsident.

"Verhöhnung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer"

ÖGB-Landesgeschäftsführerin Heidi Hirschbichler schlägt in dieselbe Kerbe: Die am Dienstag präsentierte "Lösung" sei "die reinste Verhöhnung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in diesem Land". Sie spricht auch von einer Diskriminierung von Evangelischen und Altkatholiken: "Die Gläubigen, die bislang am Karfreitag aufgrund ihrer Glaubenszugehörigkeit automatisch frei bekommen haben, fallen nun um den Feiertag um."

Quelle: SN

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