Studierende sollten ihre Macht erkennen

Standpunkt Franziska Huber

Studenten haben häufig ein erhöhtes Bewusstsein für Nachhaltigkeit, aber begrenzte finanzielle Möglichkeiten, faire, meist teurere Produkte zu konsumieren. Dennoch können sie die nachhaltige Entwicklung fördern.

Viele Studenten kennen wahrscheinlich das Dilemma, im Supermarkt vor dem Regal zu stehen und zu überlegen: Sollte ich der Umwelt und den Mitmenschen zuliebe die fair erzeugten Bananen für fünf Euro das Kilogramm und den nachhaltig hergestellten Kaffee für neun Euro die Packung kaufen? Oder doch die Discounter-Alternativen wählen und die wenigen Euro Differenz in neue Lehrbücher investieren?

Es stellt sich die Frage, ob es als Student überhaupt sinnvoll ist, nachhaltig zu leben. Können Studenten mit ihren meist begrenzten finanziellen Mitteln Nachhaltigkeit und nachhaltige Produktion überhaupt fördern? Auch wirtschaftspolitische Maßnahmen, die nachhaltige Handlungen begünstigen sollen, wie Ökosteuern oder Gebühren für umweltschädigende Unternehmungen, wären von Studenten mit ohnehin schmalem Budget wahrscheinlich schwierig umzusetzen. Darüber hinaus ist der Anteil der Studenten an der österreichischen Gesamtbevölkerung mit 4,36 Prozent nicht besonders groß. Zudem ist die Bedeutung des Einzelnen oder kleiner Personengruppen für die Lösung komplexer globaler Angelegenheiten stets Gegenstand von Diskussionen.

Die neoklassische Wirtschaftstheorie predigt Wachstum, Nutzenmaximierung des Individuums und Konkurrenz als Ideal. An Universitäten wird aber auch gelehrt, dass eine Theorie nur so lang gültig ist, bis sie widerlegt ist. Ergo: Das kritische und reflektierte Denken, welches Studenten an den Hochschulen lernen, können sie einsetzen, um diese gängige Wirtschaftslehre und die Verantwortlichkeiten von Unternehmen zu hinterfragen. Studenten können Nachhaltigkeit fördern, indem sie eigenständig denken, neue Ideen und Theorien entwickeln, welche Armut, Arbeitslosigkeit einerseits und zunehmende Burn-outs andererseits sowie Klimawandel, Artensterben und das Leerfischen der Meere beachten. Theorien, die berücksichtigen, dass auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen kein endloses Wachstum möglich ist und dass Kooperation oft mehr Glück hinterlässt als Konkurrenz. Studenten können ihren jugendlichen Tatendrang, ihre Motivation, Offenheit und ihre Vorbildfunktion einsetzen, um an einschlägigen Initiativen mitzuwirken. Um Digitalisierung und neue Technologien zur Vernetzung und Kooperation zu nutzen. Auch mit kleinem Budget.

Ja, selbst Studenten mit schmalem Budget können die nachhaltige Entwicklung fördern. Dabei können Ökoprodukte gekauft werden - es muss aber nicht sein. Viel wichtiger ist es, die Rolle und Verantwortlichkeiten von Unternehmen und die Wirtschaftslehre zu überdenken. Und Studenten haben durch ihre wissenschaftliche Ausbildung und oft kritische Haltung die Werkzeuge dazu.

Autorin: Franziska Huber

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

Aufgerufen am 16.01.2021 um 01:56 auf https://www.sn.at/schlagzeilen/studierende-sollten-ihre-macht-erkennen-40789291

Das Uni-Magazin zum Semesterstart

Das Uni-Magazin zum Semesterstart

Jetzt lesen

Kommentare

Schlagzeilen