Europa League

Nach 1:4-Pleite in Frankfurt beschwört Salzburg den Kampfgeist: "Wir brauchen Männer"

Red Bull Salzburg steht in der Fußball-Europa-League vor dem Aus. Nach einem 1:4 (0:2) im Sechzehntelfinal-Hinspiel bei Eintracht Frankfurt am Donnerstag sind die Aufstiegschancen von Österreichs Meister nur noch gering. Doch das Team will sich im Rückspiel aufbäumen.

Ist die Europareise von Serienmeister Red Bull Salzburg heuer schon im Februar vorbei? Mit 1:4 (0:2) verlor die Elf von Trainer Jesse Marsch das Hinspiel des Europa-League-Sechzehntelfinales am Donnerstag bei Eintracht Frankfurt. Nach diesem Desaster braucht es in einer Woche daheim mindestens drei Tore, um das Unmögliche noch möglich zu machen.

Schweigeminute vor Spielbeginn für die Opfer des Anschlages von Hanau. SN/gepa pictures/ witters
Schweigeminute vor Spielbeginn für die Opfer des Anschlages von Hanau.

Mit einer Schweigeminute für die Opfer des Anschlags im nahen Hanau begann der Abend. Als ein Rufer aus dem Salzburg-Sektor die Stille störte, war zu befürchten, dass sich der Unmut von den Rängen auf die Spieler überträgt. Doch die Anfangsphase war von Abwarten geprägt, vor allem auf Frankfurter Seite. Aber dann ging es ganz schnell. Adi Hütter und sein Team hatten das 2:3 der Bullen am Freitag gegen den LASK gut studiert. So wie bei zwei Gegentoren im Ligaschlager wurde die Salzburger Hintermannschaft nach einem Einwurf düpiert. Daichi Kamada, Frankfurts "Mr. Europa", eröffnete mit dem 1:0 einen außergewöhnlichen Abend in jeder Hinsicht.

Kamada hatte nach einem weiteren Einwurf das 2:0 auf dem Fuß (21.), die Eintracht spielte sich auch dank vieler Salzburger Fehler im Aufbau warm. Nennenswertes auf der Gegenseite lieferte nur Enock Mwepu per Kopf und mit einem geblockten Schuss (27., 35.).

Die Leichtigkeit des Toreschießens: Frankfurts Daichi Kamada (2.v.r.) erzielt das Tor zum 2:0 gegen Salzburgs Torhüter Cican Stankovic.  SN/APA/dpa/Arne Dedert
Die Leichtigkeit des Toreschießens: Frankfurts Daichi Kamada (2.v.r.) erzielt das Tor zum 2:0 gegen Salzburgs Torhüter Cican Stankovic.

Kurz vor der Pause kassierte Österreichs Meister doch noch das zweite Gegentor. Kamada stand beim Pass von Djibril Sow haarscharf nicht im Abseits (was der erstmals in der Europa League eingesetzte Video-Referee bestätigte) und ließ vor dem Abschluss noch Maximilian Wöber und Jerôme Onguéné schlecht aussehen (42.).

Sekou Koita und Karim Adeyemi in seinem Pflichtspieldebüt waren die Hoffnungsträger von Trainer Jesse Marsch auf einen Umschwung nach Seitenwechsel. Der gelang aber mit den eingewechselten Youngsters nicht, stattdessen ging die Partie aus Salzburger Sicht den Bach runter. Zuerst vergaß die ganze Abwehr auf Kamada, der ungehindert per Kopf zum dritten Mal traf (53.), dann bedankte sich Filip Kostic nach einem Onguéné-Patzer mit dem Treffer zum 4:0 (56.).  Die Hoffnung auf ein wundersames Comeback à la Anfield Road erfüllte sich an diesem Abend nicht. Die euphorisierten Frankfurter vergaben beste Chancen, dem angeschlagenen Gegner zu deklassieren.

Statt 6:0 oder 7:0 stand es daher am Ende 4:1, Red Bull Salzburg schaffte doch noch das ersehnte Auswärtstor. Hee-Chan Hwang verwertete den Elfmeter nach einem Foul von Sow an Ulmer (85.). Ein kleiner Hoffnungsschimmer bei der höchsten internationalen Niederlage seit dem 0:4 gegen Charkiw 2012, doch nur wenn die Bullen den Schalter komplett umlegen, lebt die kleine Chance auf den Aufstieg noch.

Die Richtung stimmt? Salzburg-Trainer Jesse Marsch. SN/APA/dpa/Arne Dedert
Die Richtung stimmt? Salzburg-Trainer Jesse Marsch.

Die Stimmen zum Spiel - "wir brauchen Männer"

Jesse Marsch (Salzburg-Trainer): "Ich weiß nicht, warum die Leistung so schlecht war. Ich habe viele Emotionen jetzt. Jetzt müssen wir überlegen, was der nächste Schritt ist. Wir haben nicht gut gespielt. Es ist schwer, wenn wir kein Selbstvertrauen haben und keine Aggressivität auf dem Platz. Frankfurts Leistung war gut, aber das hatte viel zu tun mit unserer Leistung. Wir haben in der ersten Halbzeit kein Duell gewonnen, in der zweiten auch nicht so viele. Wir hatten kein gutes Spiel, am Ende ist das das Ergebnis. In diesem Moment brauchen wir Männer. Ich verstehe das nicht, wir hatten eine super Vorbereitung. Jetzt sind wir nicht gut."

Maximilian Wöber (Salzburg-Verteidiger): "Frankfurt war zu gut für uns heute. Wir haben das Schlechteste in dieser Saison gezeigt. Das ist eine Mentalitätssache, wir haben die Zweikämpfe nicht gewonnen, sind die Duelle nicht so angegangen wie vorgenommen. Frankfurt hat uns überrannt. Es wird sauschwer. Wir werden nicht aufhören zu glauben, dass wir drei Tore machen können. Aber da braucht es eine ganz andere Leistung. Wir müssen Klartext in der Mannschaft reden, das kann auch ein wenig härter ausfallen. Dann müssen wir sehen, was rauskommt."

Adi Hütter (Eintracht-Trainer): "Ich bin heute sehr glücklich. Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, denke ich, dass wir einen klaren Sieg eingefahren haben. Die eine oder andere Situation war sicher auch glücklich für uns. Wir haben uns eine super Ausgangsposition geschaffen. Wir haben das Spiel von der ersten Minute an angenommen. Wir haben unglaublich griffig, unangenehm gespielt. Das war für mich die beste Saisonleistung. Wir werden auch in Salzburg das Spiel so anlegen, dass wir weiterkommen. Ich weiß, was uns in Salzburg erwartet. Deshalb hat mich das Gegentor natürlich geärgert. Aber mit einer Leistung wie heute werden wir weiterkommen."

Stefan Ilsanker (Eintracht-Verteidiger): "Wir haben uns unglaublich reingehängt. Es war ein unglaublich geiles Europacup-Spiel. Genauso wie die Fans auf der Tribüne Gas gegeben haben, haben wir Gas gegeben. Wir waren unglaublich aggressiv, aktiv. Es wird in Salzburg schwer, die Salzburger werden ein anderes Gesicht zeigen wie heute. Aber wir werden versuchen, es so wie heute wieder umzusetzen."

Fredi Bobic (Eintracht-Sportvorstand): "Diese Runde wird erst in Salzburg entschieden, dabei bleibe ich - auch mit einem 4:1 im Rücken." Für die siegreiche Mannschaft hatte Bobic ein dickes Lob parat. "Es war eine sehr gute und konzentrierte Leistung. Die Jungs standen unheimlich kompakt und haben sehr gut gegen den Ball verteidigt", sagte der 48-Jährige.

EL-Sechzehntelfinale/Hinspiele

Spiel Ergebnis Torschützen
Eintracht Frankfurt - Red Bull Salzburg 4:1 (2:0) Kamada (12., 43., 53.), Kostic (56.) bzw. Hwang (85./Foulelfmeter)
Club Brügge - Manchester United 1:1 (1:1) Bonaventure (15.) bzw. Martial (36.)
Schachtar Donezk - Benfica Lissabon 2:1 (0:0) Alan Patrick (56.), Kowalenko (72.) bzw. Pizzi (67./Foulelfmeter)
CFR Cluj - FC Sevilla 1:1 (0:0) Deac (59./Handelfmeter) bzw. En-Nesyri (82.)
Getafe - Ajax Amsterdam 2:0 (1:0) Deyverson (38.), Kenedy (93.)
FC Kopenhagen - Celtic Glasgow 1:1 (0:1) N'Doye (52.) bzw. Edouard (14.)
Sporting Lissabon - Basaksehir 3:1 (2:0) Coates (3.), Sporar (44.), Vietto (51.) bzw. Visca (77./Foulelfmeter)
Ludogorez Rasgrad - Inter Mailand 0:2 (0:0) Eriksen (71.), Lukaku (95./Foulelfmeter)
AZ Alkmaar - LASK 1:1 (0:1) Koopmeiners (86./Hand-Elfmeter) bzw. Raguz (26.)
Glasgow Rangers - SC Braga 3:2 (0:1) Hagi (67., 82.), Ayodele-Aribo (75.) bzw. Fransergio (11.), Ruiz (59.)
Bayer Leverkusen - FC Porto 2:1 (1:0) Alario (29.), Havertz (57./Foul-Elfmeter) bzw. Ze Luis (73.)
APOEL Nikosia - FC Basel 0:3 (0:1) Petretta (16.), Stocker (53.), Cabral (66.)
Olympiakos Piräus - Arsenal 0:1 (0:0) Lacazette (81.)
AS Roma - KAA Gent 1:0 (1:0) Perez (13.)
VfL Wolfsburg - Malmö FF 2:1 (0:0) Brekalo (49.), Mehmedi (62.) bzw. Kiese Thelin (47./Hand-Elfmeter)
Wolverhampton - Espanyol 4:0 (1:0) Jota (15., 67., 81.), Neves (52.)

Das Match im Liveticker:

Aufgerufen am 02.04.2020 um 02:30 auf https://www.sn.at/sport/fussball/international/europa-league-nach-14-pleite-in-frankfurt-beschwoert-salzburg-den-kampfgeist-wir-brauchen-maenner-83581699

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