Nationalteam

Zum Abschied ließ Franco Foda noch einmal Dampf ab

Der scheidende ÖFB-Teamchef gibt seinem Nachfolger keine Tipps, zeigt aber Unverständnis für die Expertenkritik.

Franco Foda ging, aber nicht mit leisen Tönen.  SN/APA/HANS PUNZ
Franco Foda ging, aber nicht mit leisen Tönen.

Nach seinem letzten Länderspiel als ÖFB-Teamchef reagierte Franco Foda auf die Kritik der vergangenen Wochen dünnhäutig und wirkte bei seinen Aussagen fast aggressiv. Vielleicht auch deshalb, weil er seiner Meinung nach mit den heimischen Elitekickern viel bewegt hat. Und sein Punkteschnitt für Platz drei in der ewigen Tabelle der Nationaltrainer reichte.

Viel falsch könne der ÖFB bei seiner Nominierung zum Teamchef nicht gemacht haben. "Denn immerhin haben wir uns für eine EM-Endrunde qualifiziert, dort das Achtelfinale erreicht und sind Gruppensieger in der Nations League geworden", sagte Foda nach dem 2:2 gegen biedere Schotten. Unter dem Deutschen gelangen in 48 Partien 27 Siege und 6 Remis bei 15 Niederlagen. Das ergibt einen Punkteschnitt von 1,81. Lediglich der von 1978 bis 1981 amtierende Karl Stotz (1,88 Zähler pro Spiel) und "Wunderteam"-Trainer Hugo Meisl (1,83) hatten einen besseren Schnitt vorzuweisen. Und nur Meisl kann mit 71 Siegen mehr volle Erfolge als Foda aufweisen.

Viereinhalb Jahre betreute Foda das ÖFB-Team. Die Erfolge sind längst vergessen, übrig blieb vor allem das Scheitern in der WM-Qualifikation für die Endrunde 2022. "Ich habe viel gelernt, auch menschlich", sagte Foda über seine Teamchef-Ära. "Es waren tolle viereinhalb Jahre." Dass sie zu Ende gehen, hatte er am Montag schon kurz vor dem Vertragsende mit 31. März verkündet. "Es war eine Entscheidung von mir, das war spontan", betonte Foda. Die Trennung sei von Verbandsseite zu diesem Zeitpunkt noch nicht beschlossene Sache gewesen. Gesprächsinhalte wollte Foda aber nicht öffentlich verraten.

"Jetzt ist auch wichtig, dass man den ÖFB in Ruhe arbeiten lässt. Nicht, dass jemand eine Bühne bekommt, um seinen Senf dazuzugeben", sagte Foda in die Richtung diverser als TV-Experten tätiger Ex-Internationaler. Nach jener von Ex-ÖFB-Torjäger Marc Janko ärgerte sich der 55-Jährige auch über die Kritik der Ex-Nationalspieler Florian Klein und Roman Mählich.

Klein habe möglicherweise versäumt, dass das ÖFB-Team unter ihm den drittbesten Punkteschnitt seiner Geschichte erreicht habe. "Wie ich über Fußball denke, kann er gar nicht wissen. Er hat mit mir noch nie gesprochen. Das Allerschlimmste ist aber, dass ein Herr Klein einen Trainer, der einer der Kandidaten ist, kritisiert oder bewertet", meinte Foda. "Mit welcher Berechtigung? Irgendwann ist es genug." Klein hatte sich in einem TV-Interview skeptisch darüber geäußert, ob die defensive Spielweise, die Teamchef-Kandidat Peter Stöger praktiziere, zur aktuellen Mannschaft passe.

Tipps werde Foda seinem Nachfolger nicht geben. "Das ist der Unterschied von einem Trainer, der schon etwas erreicht hat, gegenüber Roman Mählich, der weniger erreicht hat. Ich bin kein Ratgeber für meinen Nachfolger. Mein Nachfolger hat die Qualität, um eigene Entscheidungen zu treffen." Kritik musste Foda als Teamchef genug einstecken. "Ich bin extrem stolz auf die Mannschaft, auch wenn wir uns nicht für die WM qualifizieren konnten", betonte Foda.

Die Kabinenansprachen der Kicker vor und nach dem Schottland-Spiel hätten ihm gezeigt, "dass wir gemeinsam einiges erreicht haben, dass wir ein gutes Verhältnis zueinander hatten - auch wenn das von dem einen oder anderen Medium anders hineininterpretiert wurde".

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