Red Bull Salzburg

Red Bull Salzburg steigt in den Frauenfußball ein

SN exklusiv: Österreichs Fußballkrösus entdeckt seine weibliche Seite, kooperiert mit dem FC Bergheim und lässt ab Sommer 2023 erstmals ein Mädchenteam im Bullen-Trikot auflaufen.

Fußballerinnen in Red-Bull-Trikots – künftig auch in Salzburg. SN/IMAGO/Martin Stein
Fußballerinnen in Red-Bull-Trikots – künftig auch in Salzburg.

Red Bull Salzburg hat in den vergangenen Jahren sehr vieles richtig gemacht, ist in Österreich zur unumstrittenen Nummer eins aufgestiegen und hat sich international einen hervorragenden Namen als Talenteschmiede und Sprungbrett für große Karrieren erarbeitet. All das beschränkte sich bis dato auf Männerfußball, doch damit ist jetzt Schluss.

SN-Recherchen zufolge steigen die Bullen ab Sommer 2023 in den Frauenfußball ein. Ein entsprechender Beschluss ist gefasst, das Konzept liegt bereits vor und sieht wie folgt aus: In enger Kooperation mit dem FC Bergheim, der mit einem Frauenteam seit vielen Jahren in der Bundesliga vertreten ist, will Red Bull Salzburg eine Mädchenakademie aufbauen, um Spielerinnen gemäß der bewährten Bullen-Philosophie zu entwickeln.

U-16-Team wird in Red-Bull-Trikots auflaufen

Den Beginn macht ab der Saison 2023/24 ein U16-Team, das in Red-Bull-Trikots auflaufen und die Heimspiele in Bergheim austragen wird. Ein Jahr später soll gemäß Masterplan die Gründung einer U20 folgen, aus der Spielerinnen für die Bergheimer Bundesliga-Auswahl kommen werden.

Die Bullen wollen mit Trainings-Know-how, Analysetools, medizinischem Gerät und Physiotherapie tatkräftige Unterstützung anbieten und investieren in das Red-Bull-Frauenfußball-Projekt laut SN-Informationen jährlich einen sechsstelligen Betrag.

Freund: Red Bull will in die Breite investieren

Christoph Freund, Sportdirektor des Serienmeisters und Seriencupsiegers, bestätigt die ehrgeizigen Pläne und sagt nach einer finalen Vorstandssitzung mit den Verantwortlichen des FC Bergheim: "Wir haben den Damen- bzw. Mädchenfußball in Salzburg ja lange evaluiert. Aktuell spielen 1200 im Bundesland Fußball. Unsere Intention ist es, die Entwicklung des Frauenfußballs zu forcieren, analog zur Ausrichtung unseres Clubs, und dann erst in die Professionalisierung zu gehen." Heißt: Red Bull Salzburg wird mit seinen beträchtlichen finanziellen Mitteln nicht die besten Spielerinnen Österreichs verpflichten und damit die zehn Vereine umfassende Frauen-Bundesliga, genannt Planet-Pure-Frauenliga, auf den Kopf stellen, sondern in die Breite investieren. "So wollen wir Talente nachhaltig und Schritt für Schritt an die Spitze führen und das Projekt zugleich auf einer gesunden Basis wachsen lassen. Dabei setzen wir auf dieselbe Philosophie wie bei den Burschen in der Red-Bull-Fußballakademie, wo wir herausragende Erfahrungen gemacht haben", erklärt Freund.

"Richtiger Zeitpunkt" für diesen Schritt

Aber warum hat sich Red Bull Salzburg so lange Zeit gelassen, bis man - im Übrigen als letzter großer Bundesliga-Club - seine weibliche Seite entdeckt hat? "Jeder weiß, was in unserem Verein in den vergangenen Jahren passiert ist, wie rasant wir uns entwickelt haben. Darauf haben wir uns mit all unserer Kraft konzentriert. Jetzt fühlen wir uns bereit und sehen auch den richtigen Zeitpunkt, diesen Schritt zu gehen", entgegnet Freund, "und zwar in einer Partnerschaft mit dem FC Bergheim, der bisher ja einen hervorragenden Job im Frauenfußball gemacht hat."

ÖFB-Teamchefin legte Bullen EInstieg in Frauenfußball nahe

Ein Schritt, der zweifellos mit großer Zustimmung aufgenommen wird. So hatte ÖFB-Teamchefin Irene Fuhrmann in der Vergangenheit keine Gelegenheit ungenutzt gelassen, um den Bullen den Einstieg in den Frauenfußball nahezulegen. "Es steht außer Frage, dass es vor allem im Bundesland Salzburg eine Magnetwirkung hätte, wo ohnehin wenig Möglichkeiten bestehen", sagte Fuhrmann zuletzt im ORF. "Es wäre ein Bruchteil des Vereinsbudgets notwendig, um zunächst in der heimischen Spitze zu sein und dann international für Furore zu sorgen. Aber es ist eine Entscheidung des Vereins, eine Philosophiefrage."

Auch in Leipzig gibt es eine Frauenabteilung

Eine Philosophie, die im Red-Bull-Konzern grundsätzlich schon länger verfolgt wird. Zu sehen am Beispiel RB Leipzig. Bei den Sachsen besteht die Frauenabteilung seit der Saison 2016/17, seit zwei Jahren spielen die RB-Damen in der 2. Bundesliga. Im Landesleistungszentrum in Leipzig engagiert man sich unter der Leitung der deutschen Ex-Weltmeisterin Viola Odebrecht darüber hinaus für Mädchenfußball von der U12 bis zur U20.

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