Wintersport

Jubel, Trubel und Tristesse bei Slalom-Show in Schladming

Der Ski-Weltcup in Schladming hat erneut eine Slalom-Show der Superlative geboten. Das bisher verrückteste Rennen des Jahres machte so auch wieder Werbung für den Sport. Statt eines jubelnden Marco Schwarz, dessen Traum vom Heimsieg jäh platzte, holte Henrik Kristoffersen den vierten Nightrace-Triumph. "Dieses Rennen ist so wichtig für mich", sagte er. "Viermal zu gewinnen - das ist unglaublich!"

Zum dritten Mal nach Halbzeitführung gescheitert: Marco Schwarz. SN/APA/ERWIN SCHERIAU
Zum dritten Mal nach Halbzeitführung gescheitert: Marco Schwarz.

Kristoffersen unterlief früh ein Fehler in seinem Lauf, er musste daher hasardieren. Das gelang ihm aber hervorragend, er erinnerte dabei sogar an seinen früheren Rivalen Marcel Hirscher, mit dem er sich gerade hier einige packende Duelle geliefert hatte. "Ich freue mich immer so auf Schladming", verriet der 25-Jährige, der vor dem Franzosen Alexis Pinturault und Daniel Yule aus der Schweiz siegte. "Es ist wirklich mein Heimatrennen hier", sagte Kristoffersen. Er hatte ja lange in Ramsau gewohnt und residiert nun in Salzburg.

Den Weg freigemacht für den Norweger, der nun gemeinsam mit Benjamin Raich Rekordsieger ist, hatte - zum Leidwesen der offiziell 38.000 Zuschauer - Schwarz. Der Kärntner, der stets abgeklärt wirkt, rutschte im pulstreibenden Finale schon kurz nach dem Start ab und hatte danach im Gegensatz zum Mann vor ihm keine Chance mehr. Er fuhr noch ins Ziel, weil aber nicht alles korrekt war, wurde er am Ende disqualifiziert.

"Wenn man oben steht und führt, will man das heimfahren, will das Rennen gewinnen. Es ist natürlich brutal ärgerlich, dass es nicht geklappt hat", meinte Schwarz. "Bei der Einfahrt in die Haarnadel hat es mich brutal geschoben", erklärte er zu seinem Missgeschick. "Ich war ein bissel hinten nach. Es hat mit der Piste überhaupt nichts zu tun gehabt. Es war mein Fehler, den darf ich nicht machen."

Der enttäuschende Ausgang verschlug auch Herren-Rennchef Andreas Puelacher fast die Worte. "Vor so einer Kulisse beim Heimrennen ist das bitter", befand der Tiroler. "Einfach schade, weil er gut fährt. Er rutscht da oben aus. Ich habe es aber nicht genau gesehen, ich kann es nicht genau sagen." Zu einem mentalen Knacks sollte dieses Erlebnis bei Schwarz aber nicht führen. "Da sehe ich kein Problem für den 'Blacky'. Er ist ein cooler Typ, das hat er schon oft bewiesen. Er wird das nächste Mal wieder Vollgas geben."

Weil Fabio Gstrein in der Entscheidung ausgefallen war und sonst kein Österreicher den zweiten Durchgang erreicht hatte, schienen Michael Matt als 15. und Manuel Feller als 18. als die einzigen ÖSV-Vertreter im Endklassement auf. "Das ist zu wenig", meinte Puelacher eindeutig in die Richtung der beiden. "Wir haben ein Auf und Ab bei diesen zweien. Da weißt du nie ganz genau, was passiert."

Matt selbst meinte, er "fahre nicht den kurzen Druck, den ich normal fahre". Es sei heuer generell schwierig. "Es läuft einfach überhaupt nicht", sagte der Tiroler. "Das, was in Kitzbühel zum Beispiel gut funktioniert hat, da habe ich mir heute wieder brutal schwergetan. Da sollst du noch schlau draus werden." Er werde sich nun wie auch Schwarz auf den Riesentorlauf in Garmisch-Partenkirchen am Sonntag vorbereiten. "Zurzeit habe ich mehr Spaß beim Riesentorlauf als beim Slalom."

Trainerlob gab es für Gstrein, der sein hohes Risiko mit einem Ausfall bezahlte. "Fabio hat super angegriffen. Hut ab", sagte Puelacher über den 22-Jährigen. Der Aufwärtstrend der rot-weiß-roten Slalom-Mannschaft kam trotzdem vorerst zum Erliegen. Ein Mitgrund dafür war, dass die Piste bei teilweisem Schneefall im Gegensatz zu den vergangenen Weltcup-Orten nachgab und sich ein Rennen für die niedrigen Startnummern entwickelte. In beiden Läufen gelang der Nummer eins die Bestzeit: zuerst Schwarz, dann Clement Noel in Durchgang zwei.

Der Franzose hatte - wie Schwarz und Kristoffersen im Teil zwei - oben einen kapitalen Fehler, hielt sich aber irgendwie im Rennen und schaffte es wie durch ein Wunder als 30. trotz 2,60 Sekunden Rückstand ins Finale. Dort fuhr er entfesselt und überholte 25 Läufer. 16 Hundertstel neben dem Podest endete seine rekordverdächtige Aufholjagd.

"Ich war schon bereit, wieder zum Hotel zu gehen", berichtete der 22-Jährige nachher. "Ich habe mir ein Sandwich gemacht zwischen den beiden Läufen, habe Schokolade gegessen. Alles Dinge, die ich normalerweise nicht tue." Als die Qualifikation fix war, brachte er aber schnell wieder Konzentration auf. Während der langen Zeit, die er nach seinem Lauf in der Leader's Box verbrachte, schmeichelte sich der gut gelaunte Noel dann in die Herzen der Zuschauer. "Danke! Ich liebe Schladming", richtete der Franzose im Kurzinterview auf Deutsch aus.

Als sich der Südtiroler Alex Vinatzer den Planai-Zielhang hinunterwarf, sorgte auch noch eine Flitzerin mit einer Kobe-Bryant-Botschaft für ungläubige Blicke und eine falsche Zeitnehmung. Nur wenig später war jedoch alles korrigiert, verletzt wurde bei der Aktion auch niemand. Der Vorfall ging somit glimpflich aus. "Hier hat man schon alles erlebt, und jetzt auch eine Flitzerin", brachte es Ex-Läufer Felix Neureuther auf den Punkt. "Aber das macht Schladming auch letzten Endes irgendwie aus."

Quelle: APA

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