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Nordische Ski-WM 2019

Doping-Skandal: Gandler muss mit Saisonende gehen

Der Präsident des Österreichischen Skiverbandes, Peter Schröcksnadel, hat erste personelle Konsequenzen aus dem Doping-Eklat bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld gezogen. Langlauf-Chef Markus Gandler muss nach dem erneuten Skandal in seinem Bereich mit Saisonende gehen.

Markus Gandler. SN/GEPA pictures
Markus Gandler.

Gandler werde seinen Posten als Sportlicher Leiter für Langlauf und Biathlon nur noch bis zum Ende des Winters ausüben, erklärte Schröcksnadel in einem ORF-Interview am Mittwochabend. Gandler treffe persönlich zwar keine Schuld am neuerlichen Dopingskandal, es werde aber dennoch Konsequenzen geben, sagte der Funktionär.

Wie bereits nach dem Dopingskandal von Turin will Schröcksnadel den Langlauf-Spitzensport nicht mehr im Verband angesiedelt sehen.

Der Dopingverdacht gegen das ÖSV-Duo Max Hauke und Dominik Baldauf werfe einen Schatten auf die eigentlich sehr erfolgreiche WM. "Das tut sehr weh. Leider ist die Freude über die heutige Medaille getrübt, weil diese Dopinggeschichte schwer wiegt. Vor allem, wenn man weiß, dass es die Vorgeschichte mit Dürr und Turin gegeben hat", sagte Schröcksnadel im ORF-Fernsehinterview. Nach der folgenschweren Turin-Razzia hatte er die Absonderung des Langlaufs aus dem ÖSV erwogen, die Idee wurde damals aber nicht umgesetzt.

Diesmal werde es aber scharfe Konsequenzen geben. "Ich werde mich sicher nicht mehr dafür starkmachen, dass für den Spitzensport im Langlauf in Österreich Geld ausgegeben wird. Ich habe keine Lust, jedes Mal Angst haben zu müssen, dass jemand aus dem Bereich etwas tut, für das ich dann geradestehen muss", polterte der ÖSV-Langzeitchef und kündigte personelle Konsequenzen an. "Nach der Saison wird der Langlauf neu aufgestellt, ich will diese Leute alle nicht mehr in dieser Form."

Gandler: "Zu oft Sachen passiert"

Es gebe zwar keine Hinweise auf eine Doping-Beteiligung von ÖSV-Betreuern, Gandler müsse als Sportlicher Leiter für Langlauf und Biathlon aber trotzdem nach diesem Winter gehen. "Schade, dass wir als Skiverband betroffen sind, wir sind aber keine Täter. Wir werden uns dennoch trennen, er wird die WM fertigmachen. Das ist keine Schuldzuweisung, er ist sicher nicht Täter", so Schröcksnadel über den seit 2003 amtierenden Spartenchef, der wie er auch schon bei mehreren früheren Skandalen im Amt gewesen war. Gandler selbst hatte bereits vor dem Ausbruch des neuerlichen Skandals Absichten seines baldigen Rückzug angedeutet.

Nun habe sich das ohnehin erledigt, sagte Gandler und zeigte Verständnis für die Maßnahme von Schröcksnadel. "Es sind im Langlauf zu oft Sachen passiert und jetzt sind die Konsequenzen gezogen worden. Vielleicht hätte er es früher tun sollen, oder auch ich", meinte Gandler. Er habe jedenfalls stets nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet. "Das heißt nicht, dass das ein Schuldeingeständnis ist. Aber irgendwann ist das Vertrauen aufgebraucht", so der Ex-Langläufer. Die WM werde er noch so gut es geht mit der Mannschaft fertig machen.

"Zwei solche Trotteln"

Das ÖSV-Langlaufbetreuerteam müsse sich laut Schröcksnadel aber schon die Frage stellen, ob gut genug aufgepasst worden sei. Das Ertappen von Einzeltätern sei aber auch schwierig, ergänzte er und verglich die Situation mit dem rechtzeitigen Erkennen von Drogen nehmenden Kindern. "Es geht nicht. Wie verhindern sie es, wenn ein Kind Drogen nimmt. Das wächst im Geheimen. Die Eltern erfahren es als Letzte."

Baldauf und Hauke, die seit vielen Jahren eine Freundschaft verbindet, bezeichnete er als "Trottln", die gedankenlos großen Schaden anrichten würden. "Soviel Dummheit wie diese zwei Burschen darfst du gar nicht haben, das gehört verboten. Zwei solche Trottln, die so etwas machen. Ich habe keine Worte, der lügt alle an, was sind das für Menschen." Für 20. Plätze zu betrügen, sei völlig unverständlich. "Sie richten einen riesigen Schaden an, bei einer WM, die wir für viel Geld ausrichten wollen. Ich verurteile das total, weil er die Mannschaftskollegen in den Schmutz zieht."

Der Vorwurf, dass man im ÖSV etwas mitbekommen hätte müssen und sich hinter der Einzeltätertheorie verstecke, sei ungerechtfertigt. Langläufer Johannes Dürr warf er vor, zu spät mit Informationen über Blutdoping herausgerückt zu sein. "Wenn Dürr nach 2014 schon ausgesagt hätte, dann wären wir heute nicht da. Darum ist der Vorwurf ungerechtfertigt."

Der ÖSV-Chef verwies auch darauf, dass das Dopingnetzwerk international sei. "Es werden sicher auch größere Länder mit dabei sein. Wenn es ein Drogenring ist, kann man nicht den ÖSV schuldig sprechen."

Quelle: SN

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