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Brauerei Wieninger (Teisendorf)

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Salzburgisches Fürst-Erzbischöfliches Hof-Bräuhaus 1666-1810 in Teisendorf

Die Brauerei Wieninger (Privatbrauerei M.C. Wieninger GmbH & Co. KG) ist eine Brauerei in Teisendorf im Rupertiwinkel. Teisendorf liegt im Landkreis Berchtesgadener Land in Bayern.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bereits im 16. Jahrhundert finden sich in Teisendorf Hinweise auf mehrere kleine Brauereien, die den lokalen Bedarf von Bier deckten. Dazu gehörte das 1557 erwähnte „preuhaus in der Gassn“. Im Jahr 1628 kaufte der Salzburghofener Wirtssohn Leonhard Schaidinger das „alte Bräuhaus“ (Marktstraße 5) von Christoph Lintner. Schaidinger war wirtschaftlich sehr erfolgreich und konnte als führender Brauer des Ortes nach und nach mehrere Häuser und Gaststätten in Teisendorf erwerben. Um 1645 häuften sich Konflikte Schaidingers mit den Behörden. Vergeblich versuchte er, die Brauerei zu verkaufen. Nach seinem Tod 1661 kamen spektakuläre Betrügereien ans Licht, Steuerhinterziehung und falsche Vermögensangaben wurden ihm vorgeworfen. Zur Begleichung der Schulden musste sein Sohn und Erbe Tobias Schaidinger einen Großteil des Besitzes verkaufen.

Bierzwang

Am 28. Mai 1666 kaufte der Salzburger Landesherr, Fürsterzbischof Guidobald Graf von Thun und Hohenstein, die Brauerei und wandelte sie in ein staatliches Hofbräuhaus um. Auf das „fürsterzbischöfliche Hof-Preyhaus Deisendorf“ geht das Signet „PD“ zurück, welches die Brauerei bis in die 1970er-Jahre verwendete. Ebenfalls von Fürsterzbischof Guidobald wurde der so genannte „Bierzwang“ eingeführt. Alle nicht selbst brauenden Wirte im Flachen Land westlich von Saalach und Salzach mussten ihr Bier vom staatlichen Hofbräuhaus Teisendorf beziehen. Dem Landesherrn fielen damit, und durch die Biersteuer, beachtliche Einnahmen zu. Viele Wirte bezogen aber widerrechtlich Bier von privaten Brauern, die ein qualitativ besseres Produkt liefern konnten. Nach Teisendorf wurde auch häufig das begehrte Weißbier aus dem Hofbräuhaus im nahe gelegenen bayerischen Traunstein geschmuggelt. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts galt die Qualität des Biers aus den Salzburger Hofbrauereien als mäßig.

Kameralverordnung

Seit 1746 schrieb eine Kameralverordnung den bürgerlichen Brauern vor, dass jeder Sud aus 26 Eimern zu bestehen habe, und ein Sud nicht mehr als 44 Metzen Malz enthalten dürfe. Brauer, die sich nicht daran hielten, mussten mit empfindlichen Geldstrafen, im Wiederholungsfall gar mit Landesverweis rechnen. Mit dieser Verordnung sollte die Qualität des privat gebrauten Biers auf das Niveau der Hofbrauereien gesenkt, und dadurch deren Absatz gefördert werden.

Mit der Säkularisation von 1803 kam das Ende des Erzstift und von 1806 bis 1809 gehörte das Land Salzburg zum ersten Mal zu Österreich. 1808 hob die österreichische Regierung den Bierzwang auf und begann mit dem Verkauf der staatlichen Brauereien. Im Jahre 1810 fiel Salzburg an das Königreich Bayern. Bereits drei Tage nach der Besitzergreifung durch König Max I. Joseph erhielten die bürgerlichen Brauer von der Königlichen Polizei-Direktion Salzburg ein Schreiben, in dem es hieß: „Die Erzeugung eines guten und gesunden Biers wird der Königlichen Polizey Direktion fortwährend ein besonders wichtiger Gegenstand seyn…“ Den Brauern, die den hohen Qualitätsansprüchen nicht gerecht wurden, drohten „unnachsichtliche Strafen“.

Wieninger übernimmt die Brauerei

Das staatliche Hofbräuhaus in Teisendorf wurde 1812 im „Königlich baierischen Salzach Kreisblatt“ von der Bayerischen Finanzkammer zur Versteigerung ausgeschrieben. Um 40.100 Gulden erwarb Philipp Wieninger die Brauerei. Die Kaufurkunde unterzeichnete er am 26. Februar 1813. Philipp Wieninger (* 1768; † 1835) stammte aus einer angesehenen Brauer- und Wirtefamilie in Trautmannsdorf (Gem. Saldenburg) bei Tittling im Bayerischen Wald. Im Jahre 1798 hatte er in Grafenau Maria Theresia Hilz (* 1779; † 1858) geheiratet. Seine Frau stammte aus einem bedeutenden Glashüttenherrengeschlecht und brachte die „Kaiserhütte“ in Schönau am Lusen (heute Neuschönau, Landkreis Freyung-Grafenau) mit in die Ehe. Wieninger hatte als Wirtssohn aber keinerlei Erfahrung mit dem Betrieb einer Glashütte. Durch die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre brach zudem das existenziell wichtige Exportgeschäft der Glashersteller zusammen. Im Jahre 1812 entschloss sich das Ehepaar Wieninger zum Verkauf des Glashüttenguts, zu dem 9 275 Tagwerk Grund gehörten, und erwarb die Brauerei in Teisendorf.

Philipp Wieninger modernisierte Schritt für Schritt die Teisendorfer Brauerei und führte sie zu wirtschaftlichem Erfolg. Auch den großen Teisendorfer Marktbrand von 1815 überstand der Betrieb und konnte weiter expandieren. Im Jahre 1821 kaufte Wieninger das 1817 aufgehobene Kloster Höglwörth samt Brauerei, die zeitweilig noch bis 1869 betrieben wurde. Durch den Kauf des Fischerbräus, der größten Brauerei in Reichenhall, konnte die Firma Wieninger im Jahre 1875 ihr Absatzgebiet enorm erweitern. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gingen vermehrt Gaststätten in den Besitz der Familie Wieninger über.

Heute wird die Brauerei in sechster Generation von der Familie Wieninger geleitet und ist Marktführer im Landkreis Berchtesgadener Land.

Bildergalerie

Quellen

  • Ammerer, Gerhard, Waitzbauer, Harald: Wege zum Bier - 600 Jahre Braukultur mit Spaziergängen durch die Stadt Salzburg und Ausflügen in die Umgebung, Salzburg 2011
  • Hilz, Helmut: Spiegelungen der Geschichte im Schicksal bayerischer Waldglashütten, Grafenau 2001
  • Lang, Johannes: Die Teisendorfer Brauerei, in: Gemeinde Teisendorf (Hg.): Heimatbuch Teisendorf, Teisendorf 2001
  • Mösenlechner, Stefanie: Die Firmengeschichte der Privatbrauerei M.C. Wieninger in Teisendorf, in: Das Salzfass, 1/2011

Quelle