Emil Jannings

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Emil Jannings mit Renate Müller

Emil Jannings, eigentlich Theodor Friedrich Emil Janenz (* 23. Juli 1884 in Rorschach, Schweiz; † 2. Jänner 1950 in Strobl) war ein deutscher Schauspieler mit Wohnsitz im Salzburger Flachgau.

Frühe Karriere

Emil Jannings gehört zu den Pionieren der Vorkriegsjahre, zu den "Unsterblichen der Stummfilmzeit" und der "goldenen 1930er Jahre" in den Kinos. Er war einer unter den ersten, die den Glanz und den Jubel um die Bretter, welche angeblich die Welt bedeuten, widerspiegelten. Die Liebe zum Theater setzte der am 23. Juli 1884 in Rorschach am Bodensee in der Schweiz geborene Emil Jannings gegen den Willen seiner Eltern durch. Er wurde Theaterschauspieler, Selbstdarsteller und eroberte sich zuerst die kleinen Bühnen der Provinztheater. Nach dem Tode seines Vaters, eines deutschamerikanischen Strickmaschinenfabrikanten, floh Emil aus den Banden der Familie zur christlichen Seefahrt nach Hamburg. Doch die Bretter ließen ihn nicht los. Über Empfehlung von Werner Krauß kam er an das "Deutsche Theater" in Berlin.

Der erste Lichtspielauftritt Im Bann der Leidenschaft im Jahre 1914 erbrachte ihm eine Tagesgage von 40 Reichsmark. Sehr bald fand der außerordentlich begabte Schauspieler Förderung durch den Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, der im neuen Stil der "Sachlichkeit" Höchstleistungen erreichte. Es entstanden die Streifen Der letzte Mann, Tartuff und Faust. Mit dem Mephisto spielte sich Jannings an die vorderste Rampe. Er wuchs zu einer ungewöhnlichen Schauspielerpersönlichkeit heran, er hatte ein untrügliches Gespür für die Rolle, die er verkörperte. Hochgradigste Leistungen erbrachte Jannings als Herrscher, Forscher, Pionier, Liebhaber und Gauner zugleich. Raunzend, verschmitzt, naiv, abenteuerlich und volkstümlich vielschichtig in der Moral, böse und brutal spielte er, ja schlüpfte in den Geist des Darzustellenden. "Er war der Mann, der einmal leben wollte und lebte".

Am 16. Mai 1929 wird Jannings für seine Rollen in The Way of All Flesh und The Last Command im ersten Jahr der Oscar-Verleihung als "Bester Hauptdarsteller" mit dem Oscar ausgezeichnet. Er ist der einzige deutsche Schauspieler, der diese Ehrung bislang erhalten hat. Schon 1928 erhielt er die "Goldene Statuette" für außerordentliche schöpferische Verdienste verliehen. In Amerika und Hollywood verdiente er sich ein Vermögen. Als Künstlerpersönlichkeit von europäischem Rang wurde Jannings der erste männliche deutsche Star, der in den Studios von Hollywood Fuß fasste.

Jannings und das Salzkammergut

Emil Jannings' Villa in Strobl 1930

Auf seinem Lieblingsbesitz, auf der Landzunge des Zinkenbaches am Wolfgangsee, den er 1929 erwarb, lebte und feierte er seine großen Feste mit illustrer Gesellschaft. Der Künstler war ein leidenschaftlicher Fischer und liebte seine Polarhunde. Für diese Hunde wurden große flache Holzringe angefertigt, so dass sie stundelang am See herumtreiben konnten. Frischgebäck wurde täglich per Traunerl aus der Backstube Gandl aus St. Wolfgang über den See angeliefert.

Mit seinen ersten Tonfilmen unter Vertrag der UFA (Universal Film AG Tempelhof Berlin) Der Blaue Engel, Prof. Unrat – nach der Romanvorlage von Heinrich Mann – und ab 6. Juli 1930 mit Liebling der Götter wird Jannings zum bestbezahlten Filmschauspieler der UFA.

Emil Jannings im Kreise der Künstlerkollegen. Stehend Paul Gandl, 1930

Ein sehr beliebter Treffpunkt für Jung und Alt war das neu errichtete Jugendstil-Künstlercafé Gandl am Uferplatz. Manche Schlager dieses Großereignisses von Liebling der Götter haben sich bis heute im Lied erhalten: "Heut bin ich so vergnügt, das Leben ist so schön, drum bin ich ja so froh – und wo es was zu trinken gibt, zu küssen gibt, da geht's nicht ohne mich. Ein Vogerl fliegt, ich bin ja so vergnügt, holoderio."

Er war die Konstellation des kometenhaften Aufstieges der großen Welt in St. Wolfgang. Schauspielern, Schriftstellern, Künstlern und Musikern war eines gemeinsam: Die Liebe zu St. Wolfgang und seinen Bewohnern. Es war die Zeit eines Alexander Lernet-Holenia, Ralph Benatzky, Robert Stolz, Erik Charell, Gilbert Granichstaedten, Henny Porten, Liane Haid, Marlene Dietrich, Hans Moser, Theo Lingen, Rita Hayworth, Emil Jannings und seiner vierten Frau Gussi Holl. Der Bezirkshauptmann von Gmunden Manfred Graf Pachta-Rayhofen, die Poppers, Graf Bernstoff und der legendäre Bürgermeister von St. Wolfgang Hans Mühlbacher mit vielen erlesenen Berühmtheiten prägten damals das kulturelle Geschehen in St. Wolfgang.

Emil Jannings war ab 1929 in St. Wolfgang und Strobl im Salzkammergut beheimatet. Daher fanden die Aufnahmen zu seinem neuen Lustspiel Der Liebling der Götter im Salzkammergut statt. Die Handlung des Films wurde 1930 Emil Jannings zuliebe nach St. Wolfgang verlegt. Eine riesige Anzahl von Statisten aus dem Salzkammergut von St. Wolfgang bis nach Bad Ischl füllte den unteren Marktplatz und die Aufnahmeszenen in St. Wolfgang. Betrachtet man die Riesenaufzüge, mit dem Regiespektakel von Triumphbögen und Tribünen dieses Jannings-Tonfilms auf dem Markt- und den Uferplätzen, kann man sich vorstellen, welch wirtschaftlichen Aufschwung St. Wolfgang in der erfolgreichen Zeit der UFA-Filmproduktion – Berlin nach sich zog.

Die Mitwirkung der einheimischen Bevölkerung von St. Wolfgang bei der nachfolgenden Filmaufzeichnung der Operette Im Weißen Rössl am Wolfgangsee bewirkte wieder eine magische Anziehung für den idyllisch gelegenen Markt, vor allem aber einen weltweiten Bekanntheitsgrad für die Noblen, Reichen und Schönen. Das luxuriöse Grand Hotel bot den Rahmen der Annehmlichkeit. Für die Atmosphäre bewirkten die Großen des Films und Musiktheaters die heute noch globale Bedeutung eines kleinen Wallfahrtsortes (mit großem Bekanntheitsgrad im Mittelalter) und eines einst einfachen Landgasthofes in Lauffen bei Bad Ischl. Das Lustspiel im "Weissen Rössl" wurde ursprünglich von Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg 1896 für die Schwester des Bäcker und Konditormeisters Paul Gandl, Maria, die Wirtin im "Weißen Rössl in Lauffen", geschrieben. Auch diese musikalische Operetten-Neuinszenierung als Singspiel in drei Akten durch Ralph Benatzky, Erik Charell und Robert Gilbert brachte im Sommer 1930 – kurz vor der musikalischen Uraufführung am 8. November 1930 im Großen Schauspielhaus in Berlin – St. Wolfgangs Bürger, seine Komponisten wie Filmgrößen und Trachtenschneidereien mit Hochtouren in Schwung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sandten weltbekannte Filmgrößen Grüße an den Wolfgangsee. Das handgeschriebene Original befindet sich im Gästebuch von Anni Furian in St. Wolfgang:

"Los Angeles California d. 11. Juni 1950 – Die Filmindustrie von Hollywood gestattet sich, den Autoren von St. Wolfgang, Ihren Damen und der Familie Furian Ihre ergebensten Grüße zu senden. Louis B. Mayer, Greta Garbo, Rita Hayworth, L. Gish, Rodolfo Valentino, Tyrome Dolores, Billi Wilder, Helen Lamass, Max Reinhard, und Lernet-Holenia"

Emil Jannings Ehrengrab in St. Wolfgang

Aufgrund seiner schauspielerischen Tätigkeit, seiner Anpassung während der NS-Zeit, in den Filmen Robert Koch, Ohm Krüger als Staatsschauspieler der Filmkomödie Altes Herz wird wieder jung und vieler mehr verhängten die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg ein Berufsverbot über Emil Jannings. Nach der Rückkehr an den Wolfgangsee auf seinen Besitz in Abersee-Strobl setzte sich Jannings intensiv mit Glaubensfragen auseinander und konvertierte wie seinerzeit auch Lernet-Holenia vom Protestantismus zum Katholizismus.

So bewegt und wechselvoll wie die Lebensgeschichte Emil Jannings war auch sein Heimgang. Er starb am 2. Jänner 1950 auf seinem Landsitz am Wolfgangsee (heute im Besitz der Familie des deutschen Unternehmers Otto Wolff Freiherr von Amerongen). Es war ein einmaliger Eindruck, als bei Sturm und hohem Wellengang die letzten Überreste eines Mannes mit Welterfolgen auf einer Plätte über den See gerudert wurden. Bei dem Gedenkgottesdienstes in der Wallfahrtskirche sprachen Werner Krauß und Lernet-Holenia bewegende Abschiedsworte zum Gedenken.

Seine letzte Ruhestätte fand der facettenreiche Schauspieler Theodor Friedrich Emil Jannings in einem Ehrengrab der Marktgemeinde St. Wolfgang auf dem prachtvollen, blumengeschmückten Friedhof, mit dem schönen Ausblick über den Wolfgangsee und das Gebirgspanorama.

Ehrungen

In Strobl steht ein Denkmal Emil Jannings und in St. Wolfgang wurde er in einem Ehrengrab begraben.

Weiterführend

Für Informationen zu Emil Jannings, die über den Bezug zu Salzburg hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema

Bilder

 Emil Jannings – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Quellen