Linde in Faistenau

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Im Juni mit der Pfarrkirche
Im Frühling
Primiz von Karl Kronlachner am 15. Juli 1900 (Foto: Archiv Kramerwirt Faistenau)
Juni 2009
Im Winter (Südansicht)
Der Stamm mißt 4½ Umgriff oder 27 Fuß.

Die Linde in der Faistenau ist das Wahrzeichen der Gemeinde Faistenau im Flachgau. Sie wächst seit Jahrhunderten auf dem Faistenauer Dorfplatz. Der innen begehbare Stamm hat einen Umfang von 9,10 Metern, die Krone eine Höhe von ca. 20,5 Metern. Die sogenannte "1000-jährige Linde" steht als Naturdenkmal unter Schutz.

Geschichte und Bedeutung

Durch die relativ späte Besiedlung der Gegend im 12. Jahrhundert kann angenommen werden, dass sie von den ersten Siedlern als Tanzlinde gepflanzt wurde. Sie wächst seither auf der Gschwandt, womit das durch Schwenden gerodete Dorf gemeint ist.

Erst danach, im Jahre 1324, stifteten die Edlen von Thurn die Kirche.

Zu bestimmten Anlässen finden Veranstaltungen und Gottesdienste unter ihr statt. Alle drei Jahre wird unter ihr der Jedermann aufgeführt, die nächste Staffel ist für den Sommer 2022 vorgesehen.[1]

Beschreibung der Linde 1863

In einem Artikel im Salzburger Kirchenblatt wird auch die Linde beschrieben, die den Jesuiten anlässlich der Volksmission zwischen 25. Oktober und 2. November 1863 bei Predigten als Kanzel diente: "[…] Ein Gegenstand allgemeiner Bewunderung war die große Linde auf dem Platze vor der Kirche – sie mißt 4½ Umgriff oder 27 Fuß –, an der die Kanzel angebracht war; mit sehr geringer Mühe wurde ein ganz bequemer Aufgang von 9 Stufen durch die sehr schön verwachsene Höhlung der Linde hergestellt, so daß der Prediger aus dem Innern des Baumes auf die Kanzel heraustrat. – Die 9tägige Gnadenzeit war vom herrlichsten Wetter begünstigt, so daß aus den 26 Predigten 19 im Freien gehalten werden konnten. […]".[2]

Primiz 1900

Der am 15. Juli 1900 zum Priester geweihte Karl Kronlachner aus Salzburg (* 1877; † 1951) feierte seine Primiz unter der Faistenauer Dorflinde. In der Zeitschrift Das interessante Blatt erschien dazu unter dem Titel: Die Primizfeier unter einer 800jährigen Linde in Faistenau bei Salzburg ein Artikel mit einem Photo des feierlichen Gottesdienstes unter der Linde.[3]

Eintreffen der Linder-Orgel 2018

Um die Mittagszeit des 5. Juni 2018 traf die neue Kirchenorgel bei Glockengeläut und Böllerschüssen unter der Tausenjährigen Linde in Faistenau ein. Die Belegschaft der Firma Linder-Orgelbau aus Nußdorf am Inn wurde von Pfarrer Clement Temba, Bürgermeister Josef Wörndl, dem Vorsitzenden des Faistenauer Orgelkomitees, Herrn Ing. Matthias Klaushofer und weiteren Personen willkommen geheißen.

Gedicht

Pfarrer Friedrich Pesendorfer hat ein Gedicht über die Linde verfasst, das 1912 im Linzer Volksblatt veröffentlicht wurde.[4]

Die Linde von Faistenau.
Ich bin des Dorfes Linde,
Die Linde von Faistenau,
Mein Stamm mit morscher Rinde
Ragt hoch in des Himmels Blau.
Viel hundert Jahre steh’ ich,
Ein uralter Lindenbaum,
Und die Geschlechter seh’ ich,
Sie kommen und geh’n wie im Traum.
Und kommt vorbei an der Linde
Ein Täufling ins Gotteshaus,
So sprech’ ich über dem Kinde
Auch meinen Segen aus.
Naht sich zur Hochzeitsfeier
Die Braut im Myrtenkranz,
So tanzt sie mit ihrem Freier
Um mich den Hochzeitstanz.
Dem zarten Menschenkindlein,
Dem Mann in Strum und Streit,
Dem Greis im letzten Stündlein
Geb’ ich mein treu’ Geleit’.
Und senkt an der Friedhofsmauer
Ein Herz man zur letzten Ruh’,
So deck’ ich in stiller Trauer
Das Grab mit Blüten zu.
Auch schlagen wird meine Stunde,
Dann bricht mein morscher Bau,
Und die Sage bringt noch die Kunde
Von der Linde von Faistenau.

Bilder

 Linde in Faistenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Quellen

Einzelnachweise

  1. Digitalisat
  2. ANNO, Salzburger Kirchenblatt. Nr. 45 vom 3. November 1863, S. 371f.
  3. Das interessante Blatt, 19. Jg., Nr. 32, Wien, S. 2. Digitalisat
  4. ANNO, Linzer Volksblatt, Ausgabe vom 21. Jänner 1912, Seite 24