Lutz Hochstraate

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Lutz Hochstraate (zweiter von rechts)

Prof. Lutz Hochstraate (* 7. Jänner 1942 in Dortmund, Deutschland) war 18 Jahre lang Intendant des Salzburger Landestheaters. 2008 organisiert er das Bachfest in Salzburg.

Leben

Hochstraate studierte in Berlin Schauspiel und begann 1972 seine Regiekarriere. Ab 1974 arbeitete er für fünf Jahre als Oberspielleiter des Schauspiels am Salzburger Landestheater, danach als freier Regisseur unter anderem am Schauspiel Frankfurt, den Bühnen der Stadt Bonn und in Heidelberg.

Beruflich war er stets mit Salzburg verbunden. Er drehte Filme unter anderem über Georg Trakl, Hugo Lindinger oder die "Hundsgräfin" Emilie Kraus - eine Geliebte Napoleons, die mit ihrer Abfertigung zunächst in Schallmoos residierte, dann verarmte und in Gnigl begraben liegt.

Ab 1986 war Hochstraate 18 Jahre lang Intendant des Salzburger Landestheaters. 304 Premieren, 9000 Abonnenten, 88 Prozent Auslastung verweisen auf eine stolze Bilanz, die trotz eingefrorener Subventionen auch finanziell immer positiv ausfiel. Der Sparkurs der Landesregierung veranlasste Hochstraate dann aber letztendlich, sein Amt mit 2004 zur Verfügung zu stellen. Die letzte Vorstellung seiner Intendanz war Figaros Hochzeit am 13. Juni 2004.

Am 13. Oktober 2002 wurde ihm von Landeshauptmann Franz Schausberger der Titel Professor verliehen.

Nach seinem Engagement in Salzburg arbeitete er erneut als freier Regisseur unter anderem in Athen, Ulm, Laibach und Halle. Mit Die Hochzeit des Figaro, Don Giovanni, La Bohème, Tosca und Andrea Chenier hat er in den letzten Jahren vermehrt auch Opern inszeniert.

Hochstraate war auch Geschäftsführer des 83. Bachfestes, das von 4. bis 20. Oktober 2008 in Salzburg stattfand.

Hochstraate ist seit 1989 in zweiter Ehe mit Andrea Hochstraate, geborene Guggenberger, verheiratet und Vater einer Tochter. Davor lebte er von 1969 bis 1988 mit der deutschen Schauspielerin Barbara Rütting zusammen.

Ab Jänner 2009 übernimmt Lutz Hochstraate die Geschäftsführung der Camerata Salzburg.

Vorgestellt

Mit St. Peter verbinden Lutz Hochstraate spirituelle Erlebnisse. "Mit dem Trubel und der Geschäftigkeit der Stadt hat dieser Ort nichts zu tun, hier begegnet man sich in der Ruhe selbst", sagt er in Erinnerung an eine Lesung in den Katakomben. Außerdem durfte er in St. Peter seine Frau heiraten und musste einen seiner besten Freunde und Schauspieler-Kollegen, Georg Schuchter, beerdigen.

Alles Gründe, warum das "Rote Bankerl" in St. Peter steht. "Nicht zuletzt findet auch die Eröffnung des Bachfests 2008 in St. Peter statt", fällt dem ehemaligen Intendanten des Landestheaters noch ein, der dieses Bachfest organisiert, im Zuge dessen sich im Oktober gut 60 Veranstaltungen dem Leben und Wirken des Komponisten widmen werden.

1942 in Dortmund geboren, erlebte Hochstraate die Nachkriegswehen voll mit. Als schlechter Schüler ins Internat "abgeschoben" traf der Sohn einer bürgerlichen Familie auf seine erste Liebe - die Tochter eines Schriftstellers. In dessen Haus stieß er "auf eine Welt, die mich infiziert hat". Im Alter von 15 war für Hochstraate klar, dass er Regisseur werden wollte, weshalb er sich später an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin bewarb. Als einziger deutschsprachiger Schauspieler durfte er später zwei Jahre lang in Australien an der Serie Woobinda (auf Dt. Tierarzt) mitdrehen.

Heimat sei für seinen Jahrgang in dieser Zeit ein obszöner Begriff gewesen. "Unsere Väter waren Nazis. In jungen Jahren wollte ich deshalb immer ein Weltbürger sein", erinnert sich Hochstraate.

Und doch zog es ihn schließlich in die Provinz. 1969 kaufte er mit seiner damaligen Frau, der Schauspielerin Barbara Rütting, ein Bauernhaus in Sommerholz, einem Ortsteil von Neumarkt am Wallersee.

Als gebürtiger Deutscher hat auch er den Status des Fremden erlebt. "Deshalb interessiert mich die Asylrechtsdebatte so", sagt er. Vor dem Beitritt Österreichs zur EU musste er alle zwei Jahre die Fremdenpolizei aufsuchen und um die Verlängerung seines Aufenthaltes bitten. "Es wurde mir damit immer wieder bewusst gemacht, dass ich fremd war", sagt er, obwohl er in seiner Position am Theater nie auf Probleme gestoßen sei, wie sie möglicherweise der "kosovarischen Putzfrau" widerfahren. Im Gegenteil habe dieser Status des Fremden für ihn immer auch einen gewissen Charme gehabt: "Wer weniger Bezugspunkte hat, bleibt auch im Kopf mobiler."

Doch die Bezugspunkte verdichteten sich. Von 1986 bis 2004 oblag Hochstraate die Intendanz des Salzburger Landestheaters. "Beruflich die schönsten Jahre meines Lebens", sagt er im Rückblick. Sie endeten mit dem Ausscheiden des "unbeugsamen Charakters", nachdem er finanziell nicht die Unterstützung erfuhr, die er geglaubt hatte zu brauchen, um das Theater weiter zu entwickeln. In Salzburg leben zu dürfen, sieht Hochstraate als "Geschenk seines Lebens". Trotzdem schwingt auch Ambivalenz mit, wenn er sagt: "Mein Herz schlägt österreichisch, die Zunge ist preußisch angewachsen."

Quellen

  • Salzburger Woche (Sigrid Viehauser)
  • Salzburger Bachgesellschaft [1]
  • Österreich Journal [2]

Fest steht aber schon jetzt, dass er als Regisseur, Oberspielleiter (von 1974 bis 1979)