Rojacher Hütte

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Die Rojacherhütte
Die Rojacherhütte
Im Rauriser Talmuseum im Lebensorghaus in Rauris. Siegfried Kopp, Kustos des Museums, erklärt zum Bild der Theresia Peer, vulgo Gletschergoas, dass sie mit 25 Jahren die am längsten gewesene Hüttenwirtin der Rojacherhütte war.
Die Rojacherhütte
Die Rojacherhütte am Weg zum Hohen Sonnblick, links im Hintergrund das Schareck und rechts der dunkle Berggipfel ist das Alteck.
Der immer noch originale Eingang in die Hütte.
Blick ins Innere der Hütte.

Die Rojacher Hütte ist eine alpine Schutzhütte der Sektion Rauris des Österreichischen Alpenvereins, die seit 2021 unter Denkmalschutz steht.

Geografie

Sie befindet sich am Alpenhauptkamm der Hohe Tauern in 2 718 m ü. A., etwa einen Kilometer Luftlinie am Südostgrat des Gipfels des Hohen Sonnblicks mit dem Zittelhaus und dem Observatorium Sonnblick im südlichen Gebiet der Marktgemeinde Rauris. Man erreicht sie von Kolm-Saigurn kommend von Südosten über das Schutzhaus Neubau. Ab der Rojacherhütte wendet sich dann der alpine Steig nach Nordwesten auf den Gipfel des Sonnblicks.

Ausstattung

Es gibt eine einfache Bewirtung, Notunterkunft und Bewirtungsraum in dem man sich gerade umdrehen kann.

Geschichte

Der Rauriser Gewerke Ignaz Rojacher (* 1844; † 1891) war Bergwerksbesitzer und Erbauer des Observatoriums auf dem Hohen Sonnblick. Sein Freund und Berater, Wilhelm Ritter von Arlt, ließ nach dem Tod von Rojacher zu dessen Ehren diese Hütte aus eigenen Mitteln in den Jahren 1898 und 1899 errichten. Sie wurde am Montag, den 14. August 1899, eröffnet.

Vor einigen Jahren wurde in der Nähe dieser Berghütte ein Skarabäus gefunden, der auf die Begehung dieser Gebirgsregion in römischer Zeit schließen lässt.

Denkmalschutz

Seit 2021 zählt sie zu den denkmalgeschützten Objekten in Rauris. Georg Unterberger von der Abteilung Hütten und Wege beim Österreichischen Alpenverein sagt, die Rojacherhütte sei eine der ganz wenigen Hütten aus der Anfangszeit des Hüttenbaus, die noch in ihrem typischen Grundriss erhalten seien. Die Hütte besteht aus einem Vorraum, einem Wohn- und Kochraum und dem Dachboden mit zehn Schlafplätzen. Ein Raum für die Pächter wurde später dazugebaut. Unterberger sagt, vieles stamme noch aus der Bauzeit, wie die gehackten Balken, die Eingangstür und die Treppe ins Lager. "Und die Lage der Hütte ist einmalig." Sie liegt lawinensicher direkt neben dem Ostgrat des Sonnblicks auf einem kleinen, aus dem Fels gearbeiteten Plateau. Ein Alleinstellungsmerkmal ist laut Bundesdenkmalamt auch, dass sie in dieser extrem exponierten Lage auf 2 718 Metern vollständig aus Holz erbaut wurde.

Chronik

Auszug aus der Rojacher-Biografie von Margot Daum:

  • 1898 hatte Wilhelm Ritter von Arlt in den Felswänden des Südostgrates zwischen dem kleinen Sonnblickgletscher und dem Südhang des Goldberggletschers auf seine Kosten eine Schutzhütte in der Größe von 5,4 x 5,4 m erbauen lassen. Sie ist ein bescheidener Stützpunkt, aber willkommene Notunterkunft am neuen „Rauriser Weg“.
  • Am 14. August 1899 fand die Eröffnung der Rojacherhütte im Beisein der Mitglieder der DuOeAV Sektion Rauris statt. Der Grund, auf dem die Hütte steht (Besitz des Wilhelm Ritter von Arlt), wurde auf dessen Wunsch durch Vermittlung der Gesellschaft von der Gewerkschaft Radhausberg dem DuOeAV geschenkweise überlassen (Jahrbuch Sonnblickverein 19191923).
  • 16. Juni 1925: Kauf durch die Sektion Halle an der Saale des DuOeAV zum Kaufpreis von 3.000 Reichsmark.
  • 1930: Da die Hütte nicht ständig bewirtschaftet wurde, kam es zu regelrechten Plünderungen, so dass in diesem Jahr die Räume neu eingerichtet werden mussten.
  • 1945 bis 1984 wurde die Hütte und auch das Zittelhaus vom Hüttenwart Karl Baumann aus Salzburg betreut.
  • 1955: Nach Inkrafttreten des österreichischen Staatsvertrages mit den Alliierten wurden die deutschen Hütten Eigentum des österreichischen Staates. Die Hütten der ostdeutschen Sektionen (auch Sektion Halle an der Saale) gingen 1960 in das Eigentum des österreichischen Alpenvereines über.
  • 1951 bis 1975: 25 Sommer lang bewirtschaftete die Hüttenwirtin Theresia Peer, liebevoll „Gletschergoaß“ genannt, „ihr Hütterl“. Ihren kargen Verdienst verwendete sie zum großen Teil wieder für die Erhaltung der Hütte. Ihr ist es zu verdanken, dass die Rojacherhütte nicht dem Verfall preisgegeben wurde. Die von ihr verkörperte Nachkriegs-Hüttengeschichte wird unvergesslich bleiben.
  • Am 30. April 1984 ging durch den Kauf des Zittelhauses von der Sektion Rauris des Österreichischen Alpenvereines auch die Rojacherhütte, im Einvernehmen mit dem OeAV, in ihren Besitz über.
  • 1989: Verkleidung der Wände mit Holzschindeln, Installation einer kleinen Solaranlage.
  • 1992: Um eine halbwegs gute Bewirtschaftung und ordentliche Unterkunft des Pächters zu ermöglichen, wurde eine Erweiterung in Richtung Felshang geplant.
  • 1993: Bau der Fundamente, Aufstellung der Holzkonstruktion mit Isolierung und Verkleidung. Verkleidung der Wände und der gesamten Dachfläche mit Holzschindeln, neuer Kamin.
  • 1994: Innenausbau, neue Fenster und Türen. Einweihung am 16. Juli 1994. Die Baukosten betrugen 350.000 Schilling. Der Zubau ging mit viel Eigenleistung der Sektionsmitglieder rasch voran.
  • Derzeit bietet die Rojacherhütte einen Küchenraum, Pächter-Schlafraum, einen kleinen Lager-Vorratsraum, Holzlager und im Obergeschoß zehn Schlafstellen.
  • Sommer 2010: Sanierung der Photovoltaikanlage (Sonnenkollektoren für Stromerzeugung).
  • Sommer 2011: Sanierung der Fensterbalken und Fenstertausch.
  • Juli 2015: Komplette Erneuerung PV-Anlage mit Schaltschrank und neue LED-Leuchten.
  • Sommer 2016/2017: Wasserquellfassung und Wasserversorgung.
  • Sommer 2018: Erneuerung der Matratzen und der Bettwäsche.
  • Geplant 2020 – eventuell aufgrund von Covid-19 erst 2021: Neue Toilette, ein „Trockenklo“.

Pächter

Ebenfalls aus der Biografie von Rojacher:

Zeit Pächter der Rojacherhütte
1951–1975 Theresia Peer vulgo „Gletschergoas“, 25 Jahre Hüttenwirtin der Rojacherhütte
1976–1980 Hauptschullehrer Diether Bernhard
1981 Keine Bewirtschaftung
1982–1983 Dienstfreie Angestellte der meteorologischen Station Sonnblick
1985 Bewirtschaftet durch Wetterwarte-Mitarbeiter
1986 Johann Gmeiner und Christian Gerstgraser
1987–1988 Elfriede Mazur
1989–1991 Wolfgang Wess
1992–1995 Melita Maislinger
1996–2000 Rudolf Neuffer vulgo „Seeman Rudl“, Rauris
2001–2003 Gottfried Härtel aus Graz
2004–2006 Hermann Maislinger aus Rauris
2007–2010 Edda und Peter Schmitzer aus Graz
2011–2013 Martin Oberlechner aus Rauris
2014–2018 Patrick Meixner aus Dienten am Hochkönig mit Manuela Lehrner
2019–2020 Rupert Rohrmoser aus Großarl
2020 Jakob Schöner aus Mödling in Niederösterreich

Bilder

 Rojacher Hütte – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Literatur

Weblink

Quellen

  • www.sn.at, "Denkmalschutz in 2700 Metern Höhe in Rauris", 7. Oktober 2021