Observatorium Sonnblick

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Observatorium Sonnblick (links) und Zittelhaus (rechts), Blick von Südwesten
Karte
links das Zittelhaus, Bildmitte das Observatorium, Aufnahme von Nordosten
links das Zittelhaus, rechts das Observatorium, Aufnahme von Nordosten
links das Zittelhaus, daneben das Observatorium, Aufnahme von Nordosten
Gipfelbereich mit Observatorium
Blick vom Observatorium

Das Observatorium Sonnblick liegt unterhalb des Gipfels des Hohen Sonnblicks in den Ostalpen in den Zentralalpen, den Hohen Tauern. Sie ist die älteste Gipfelwetterwarte Europas und mit knapp unter 3 106 m ü. A. auch das höchst gelegene Observatorium Europas.

Geschichte

1879 trafen sich in Rom, Italien, aus aller Welt Meteorologen, um eine wissenschaftliche Frage zu klären: Wie ist die Erdatmosphäre in höheren Luftschichten beschaffen? Im Salzburger Land hörte dies Ignaz Rojacher und bot seine Dienste an. Rojacher war Besitzer des letzten Goldbergwerkes in den Hohen Tauern, dessen Stollen, Knappenhäuser, Pochwerke und Schrägaufzüge sich auf den Höhenzügen bei Kolm-Saigurn, am südlichen Ende des Hüttwinkltales befanden. Also direkt am Fuß des Hohen Sonnblicks.

Rojacher war ein für seine Zeit sehr aufgeschlossener Mensch. Er plante und verwirklichte viele seiner Projekte mit Unterstützung seines Förderers und Mentors Wilhelm Ritter von Arlt. Rojacher besuchte die Weltausstellung in Paris, Frankreich und brachte von dort einen der ersten Stromgeneratoren Europas mit nach Salzburg. Die ersten Glühbirnen von Kolm-Saigurn sind ihm zu verdanken, zu einer Zeit, in der europäische Großstädte noch mit Gaslicht leben mussten. Es waren die ersten überhaupt in den Ostalpen. Der Wiener Meteorologe Julius Hann war von Rojacher fasziniert und kam auf die Idee, auf dem Sonnblick-Gipfel eine Wetterstation zu errichten.

Bei der zwölften Generalversammlung des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins in Villach am 16. August 1885 bewilligte der Vorstand zur Errichtung einer meteorologischen Station auf dem Hohen Sonnblick aus dem Vereinsvermögen einen Betrag von 1.200 fl[1].

Seit dem 2. September 1886 war das Observatorium nur an drei Tagen im November 1918, als die Monarchie endete, nicht besetzt[2].

Das Observatorium ist zu Fuß oder mit der Sonnblick-Seilbahn (nur für Mitarbeiter) erreichbar.

Observatorium

Eigentümer und Erhalter des Observatoriums auf dem Sonnblick ist seit 1892 der Sonnblickverein. Gegründet wurde es von Ignaz Rojacher und eröffnet im September 1886. Zu den ersten Beobachtern auf der Wetterwarte zählen Peter Lechner[3] und Simon Neumayer. Die meteorologischen Beobachtungen wurden ab Oktober 1886 bearbeitet.

Im Laufe von nunmehr über 120 Jahren des Betriebes wurden auch Extremwerten gemessen: Am 30. Juni 2012: ein Temperatur-Maximum von 15,3 Grad; das Minimum wurde am 1. Jänner 1905 mit -37,4 Grad gemessen; die Schneedecke erreichte im Mai 1944 einen Rekordwert von 11,90 Metern im Bereich des Observatoriums. Die höchste Windgeschwindigkeit wurde am 14. Dezember 1998 gemessen: es gab Sturmböen von 242,6 km/h.

Im Mai 2016 wurde Elke Ludewig Leiterin des Observatoriums.

Datenerfassung

Aufgrund der Höhenlage eignet sich das Observatorium zur Erfassung mannigfaltiger Daten über Wind, Wetter und Temperaturen. Mit diesen Daten und anderen Beobachtungen werden hier Erkenntnisse über Klimaveränderungen gewonnen, aber auch über Strahlenphysik, Luftzusammensetzung, Hydrologie und Geophysik sowie Gletscherkunde und Verschmutzung der Erdatmosphäre.

Leben 2009

Ludwig Rasser, Johann Lindler, Friedl Wallner und Matthias Daxbacher sind die Wetterwarte, die 2009 am Sonnblick ihren Dienst verrichten. Dienst in einer Umgebung, in der es mehr als 11 Monate Winter und 360 Heiztage pro Jahr gibt. Jeweils zwei Mann sind pro Schicht, die 15 Tage dauert, anwesend.

Schichtwechsel in dieser Höhe ist auch eine Wetterlotterie-Angelegenheit. Eine Woche bis 14 Tage Verzögerung beim Schichtwechsel muss man eben einkalkulieren, will man Wetterwart am Sonnblick sein.

Neben ihrer Tätigkeit als Wetterwarte sind sie als ausgebildete Bergretter auch bei Notfällen im Gelände im Einsatz.

Daten 2009

Mehrmals am Tag liefern die Messgeräte des Observatoriums Werte für die Zivilluftfahrt, Wettervorhersagen und Statistik. Geräte und Mannschaft messen dabei auch Ozonwerte, UVA- und UVB-Strahlung, Ruß- und Staubpartikelgehalt der Luft und vom Gletschereis.

Besondere Wetterdaten

Hitzerekorde

  • 28. Juli 2013: mit 38,6 °C Grad wurde ein neuer Bundesland-Rekord aufgestellt, der in Salzburg-Freisaal gemessen wurde, im Observatorium Sonnblick waren es 13,7 °C
  • 27. Juli 1983: 35,0 °C, gemessen in Zell am See (im Observatorium Sonnblick + 15,0 °C in 3 105 m ü. A.)
  • 20. August 2012: 16 Uhr: 34,9° gemessen in Salzburg-Freisaal (15 Uhr: 32,1° in Tamsweg, 26,0° in Obertauern und um 16 Uhr 11,9° am Hohen Sonnblick[4])

2018: Kälteste August-Nacht seit 1998

Die Nacht von Sonntag, den 26. auf Montag, den 27. August 2018 war die kälteste Augustnacht in Österreich seit 1998 sagte Gerhard Hohenwarter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Montagfrüh. Der kälteste bewohnte Orte war dabei St. Jakob im Defereggental in Osttirol (-0,9 °C). Direkt danach folgten mit Mariapfarr (-0,6 °C) und St. Michael im Lungau (-0,3 °C) zwei Salzburger Gemeinden.

Vor 20 Jahren “wurden im August -1,1 °C in St. Michael und -1,9 °C in St. Jakob gemessen. Außerdem war das auch die erste Frostnacht im August unter 1 400 Meter Seehöhe seit 2005”, so Hohenwarter weiter.

In den Morgenstunden des Montags wurden am Dachsteingletscher -6,6 °C und im Observatorium Sonnblick -6,2 °C gemessen.

Juni 2019: Heißeste Nacht

In der Nacht auf von Dienstag, 25. auf Mittwoch, 26. Juni 2019 wurde an 32 Messstationen der ZAMG (von insgesamt 270 Wetterstationen) eine Tropennacht registriert. Zum Beispiel in Wien (Innere Stadt: Tiefstwert 23,6 Grad), Retz ( 20,9 Grad), Podersdorf ( 20,8 Grad), Fraxern (20,5 Grad), Enns ( 20,5 Grad) und Linz (20,1 Grad). Sogar zwei Orte oberhalb von 1 000 Meter Seehöhe verzeichneten eine Tropennacht: Kolomansberg in Salzburg mit 22,9 Grad (1 113 m ü. A.) und Sulzberg in Vorarlberg mit 22,7 Grad (1 018 m ü. A.). Beim Sonnblick-Observatorium der ZAMG, auf 3 109 Meter Seehöhe, sank die Temperatur in in dieser Nacht nicht unter neun Grad. "Das gab es hier in einem Juni noch nie", so die ZAMG.[5]

Bildergalerie

weitere Bilder

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Weblinks

Quellen

Einzelnachweise