Observatorium Sonnblick

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Das Observatorium Sonnblick (links) und Zittelhaus (rechts), Blick von Südwesten
Karte
Das Observatorium auf einer historischen Ansichtskarte aus dem Jahr 1902.
links das Zittelhaus, Bildmitte das Observatorium, Aufnahme von Nordosten
links das Zittelhaus, rechts das Observatorium, Aufnahme von Nordosten
Das Zittelhaus (links) und das Observatorium Sonnblick auf dem Hohen Sonnblick. Ganz im Hintergrund das Dachsteinmassiv mit links dem Gosaukamm.
Gipfelbereich mit Observatorium.
Die bauliche Entwicklung des Observatoriums.
Das Observatorium im eisigen Griff des Winters; historische Ansichtskarte aus dem Jahr 1932.

Das Observatorium Sonnblick liegt unterhalb des Gipfels des Hohen Sonnblicks in den Ostalpen in den Zentralalpen, den Hohen Tauern. Sie ist die älteste Gipfelwetterwarte Europas und mit knapp unter 3 106 m ü. A. auch das höchst gelegene Observatorium Europas. Das Observatorium ist zu Fuß oder mit der Sonnblick-Seilbahn (nur für Mitarbeiter) erreichbar.

Geschichte

Eigentümer und Erhalter des Observatoriums auf dem Sonnblick ist seit 1892 der Sonnblickverein. Gegründet wurde es von Ignaz Rojacher und eröffnet im September 1886. Zu den ersten Beobachtern auf der Wetterwarte zählten Peter Lechner[1] und Simon Neumayer. Die meteorologischen Beobachtungen wurden ab Oktober 1886 bearbeitet.

1879 trafen sich in Rom, Italien, aus aller Welt Meteorologen, um eine wissenschaftliche Frage zu klären: Wie ist die Erdatmosphäre in höheren Luftschichten beschaffen? Im Salzburger Land hörte dies Ignaz Rojacher und bot seine Dienste an. Rojacher war Besitzer des letzten Goldbergwerkes in den Hohen Tauern, dessen Stollen, Knappenhäuser, Pochwerke und Schrägaufzüge sich auf den Höhenzügen bei Kolm-Saigurn, am südlichen Ende des Hüttwinkltales befanden. Also direkt am Fuß des Hohen Sonnblicks.

Rojacher war ein für seine Zeit sehr aufgeschlossener Mensch. Er plante und verwirklichte viele seiner Projekte mit Unterstützung seines Förderers und Mentors Wilhelm Ritter von Arlt. Rojacher besuchte die Weltausstellung in Paris, Frankreich und brachte von dort einen der ersten Stromgeneratoren Europas mit nach Salzburg. Die ersten Glühbirnen von Kolm-Saigurn sind ihm zu verdanken, zu einer Zeit, in der europäische Großstädte noch mit Gaslicht leben mussten. Es waren die ersten überhaupt in den Ostalpen. Der Wiener Meteorologe Julius Hann war von Rojacher fasziniert und kam auf die Idee, auf dem Sonnblick-Gipfel eine Wetterstation zu errichten.

Bei der zwölften Generalversammlung des Oesterreichischen Alpenvereins in Villach am 16. August 1885 bewilligte der Vorstand zur Errichtung einer meteorologischen Station auf dem Hohen Sonnblick aus dem Vereinsvermögen einen Betrag von 1.200 fl[2].

Seit dem 2. September 1886 war das Observatorium nur an drei Tagen im November 1918, als die Monarchie endete, nicht besetzt[3].

Im Laufe von nunmehr über 120 Jahren des Betriebes wurden auch Extremwerten gemessen: Am 30. Juni 2012: ein Temperatur-Maximum von 15,3 Grad; das Minimum wurde am 1. Jänner 1905 mit -37,4 Grad gemessen; die Schneedecke erreichte im Mai 1944 einen Rekordwert von 11,90 Metern im Bereich des Observatoriums. Die höchste Windgeschwindigkeit wurde am 14. Dezember 1998 gemessen: es gab Sturmböen von 242,6 km/h.

Im Mai 2016 wurde Elke Ludewig Leiterin des Observatoriums.

Einer der Pulitzer-Preise 2020 ging an die "Washington Post", die für die multimediale Klima-Serie: "2 °C: Beyond the Limit" ausgezeichnet wurde. Im Mittelpunkt eines Artikels der Serie steht das Sonnblick-Observatorium der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) teilte die ZAMG am Mittwoch mit.[4]

Chronologie des Observatoriums

Auszug aus der Rojacher-Biografie von Margot Daum (und dortige Quellen Sonnblickverein und www.sonnblick.net)

  • Die Wissenschaft der Wetterforschung, die Meteorologie, war in den 1880er-Jahren noch ziemlich jung. Da wies der österreichische Meteorologe Prof. Dr. Julius von Hann darauf hin, dass zum Fortschritt der meteorologischen Wissenschaft die Erforschung der Vorgänge in den höheren Luftschichten unbedingt notwendig sei. Es gab bis dahin in Österreich nur zwei Gipfelstationen: auf dem Schafberg (1 782 m ü. A.) und auf dem Obir in Kärnten (2 044 m ü. A.). Ihre Aufzeichnungen waren mangelhaft und unbefriedigend.
  • Prof. Dr. Julius Hann propagierte daher auf dem Internationalen Meteorologen-Kongress 1879 in Rom die Errichtung von Höhenstationen auf exponierten Berggipfeln auf dem Hauptkamm der Alpen. Ignaz Rojacher, eine markante Persönlichkeit des Raurisertales, der sich vom schlichten Zimmermann vermöge seiner Intelligenz und Findigkeit vorerst zum Pächter und später zum Besitzer des stattlichen Goldbergbaues emporarbeitete, hörte von den Plänen des Wiener Meteorologen und bot schon 1884 dem Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein die Möglichkeit, bei seinem Knappenhaus in einer Höhe von 2 340 Metern eine meteorologische Station zu errichten. Das Meteorologische Institut in Wien zögerte nicht, sich mit Rojacher sofort in Verbindung zu setzen und ihm die notwendigen meteorologischen Instrumente zu überlassen. In ungewöhnlicher Tatkraft und in Überwindung aller Schwierigkeiten besuchte nun Rojacher, aus reinem Idealismus für die Sache, im schneereichen Winter die einzelnen Gipfel und kam schließlich zur Überzeugung, dass der einzige geeignete im Winter nicht vereiste Gipfel der Hohe Sonnblick sei.
  • Im Februar 1885 erhielt Prof. Hann einen Brief von Rojacher, in dem dieser seinen Plan zur Errichtung einer meteorologischen Station auf dem Sonnblickgipfel bis in Einzelheiten darlegte. Die Meteorologische Gesellschaft und der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein kamen nun überein, den Plan zu verwirklichen. Die Gesellschaft übernahm den Bau des Fundaments und des steinernen Beobachtungssturmes sowie die Einrichtung mit dem nötigen Instrumentarium und den Bau des Telefons vom Gipfel bis nach Rauris. Der Alpenverein finanzierte den Bau des Holzgebäudes und nun begann eine mutige Tat sondergleichen. Was keiner für möglich hielt, wurde Tatsache.
  • Im Winter 1885/1886 stand das Holzhaus fertig im Tal aufgestellt, wurde dann wieder zerlegt und im Sommer 1886 Stück um Stück auf den Gipfel hinaufgeschleppt. Der Transport gestaltete sich äußert schwierig. Ende August stand der mächtige, aus Felsstücken gebaute Turm mit dem Windmessgerät und die kleine Blockhütte für den Beobachter. Die Blitzableitung führte mehrere Kilometer weit über den Gletscher abwärts.
  • Am 2. September 1886 wurde das Observatorium eröffnet. 80 Personen waren Zeugen dieses denkwürdigen Ereignisses. Der Österreichische Touristenklub war für die gesamte Inneneinrichtung der Beobachterräume aufgekommen. Rojacher war es, der die ersten Beobachter auf dem Sonnblick in ihre Arbeit einführte. Sie waren Söhne der Salzburger Berge. Als erster Wetterwart fungierte Simon Neumayer. Ihm schlossen sich die Männer an, die der Wissenschaft unschätzbare Dienste erwiesen. Peter Lechner, Matthias Mayacher, Leonhard Winkler und Frau, Josef Mühlthaler und Georg Rupitsch mit Frau Maria haben ihren Namen unauslöschlich die Geschichte des Observatoriums geprägt. Manche mussten ihren Heroismus im Kampf gegen die Naturgewalten mit dem Leben bezahlen. Die letzten Opfer unter den Wetterwarten waren Georg Rupitsch und seine Frau, die in einem Schneesturm im November 1944 den Weißen Tod fanden. Ab dem Jahre 1948 übernahm Hermann Rubisoier und seit 1949 auch seine Frau Vevi den anstrengenden Dienst eines Wetterwarts.
  • Die Erhaltung des Observatoriums lag anfangs in den Händen der Österreichischen Gesellschaft für Meteorologie, wäre jedoch ohne die Unterstützung Rojachers nicht möglich gewesen.Durch den plötzlichen Tod Ignaz Rojachers im Jahre 1891 war aber die weitere Erhaltung des Observatoriums durch finanzielle Probleme gefährdet.
  • Das war die Geburtsstunde des Sonnblickvereins, der 1892 gegründet wurde und die finanzielle Basis für die Erhaltung des Observatoriums bereitstellen sollte. Dazu war es jedoch notwendig eine große Anzahl von Mitgliedern und Sponsoren zu werben, was durch einen Aufruf zum Beitritt auch gelang. Zu den Gründungsmitgliedern des Sonnblickvereins zählten viele bekannte Wissenschaftler und Personen des Wirtschafts- und Geisteslebens des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Aus der Vielzahl seien hier Anton Dreher, Bierbrauer aus Schwechat, der Kaffee-Commercialrat Julius Meinl oder Freiherr Albert Anselm von Rothschild erwähnt.
  • Die Erhaltung des Observatoriums stellte sich dann als eine sehr schwierige Aufgabe heraus und war oft von finanziellen Engpässen - manchmal sogar von existenziellen Krisen - geprägt. Besonders die Zeiten nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg erforderten sehr große Bemühungen seitens der Verantwortlichen des Sonnblickvereins um die erforderlichen Geldmittel aufzutreiben.
  • Wilhelm Schmid nach dem Ersten und Luitpold Binder und Siegfried Schwarzl nach dem Zweiten Weltkrieg starteten sehr erfolgreiche Mitglieder-Werbeaktionen. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine Reihe von beachtenswerten Sponsoringaktionen.
  • Edmund Josef Bendl, ein Wiener Lehrer, veranstaltete Lichtbildvorträge über das Observatorium und begeisterte auch die Jugendlichen, welche mit ihm eine Hilfsaktion starteten. Bendl schrieb das spannende Buch "Der Sonnblick ruft". Der damals noch weitgehend unbekannte Johannes Mario Simmel verfasste einen Kommentar mit Spendenaufruf im "Neuen Österreich". Siegfried Schwarzl, ein Wiener Musiker und Meteorologe, veranstaltete ein Benefizkonzert des Staatsopernorchesters zugunsten des Sonnblick-Observatoriums. Durch diese geballten Hilfsaktionen konnte auch in dieser wirtschaftlich sehr schlechten Zeit die Finanzierung gesichert werden.
  • 1969 wird das Observatorium auch Stützpunkt für die Lawinewarnung im Bundesland Salzburg. Täglich werden Schneedeckenuntersuchungen und Beobachtungen von Lawinenabgängen ins Tal gefunkt.[5]
  • Heute stehen dem Sonnblickverein jährliche Subventionen des Wissenschaftsministeriums und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie Vereins- und Sponsoringbeiträge für die Erhaltung des Observatoriums zur Verfügung. Die Beobachter sind Mitarbeiter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, ein Messtechniker wird vom Umweltministerium und den Ländern Salzburg und Kärnten bezahlt.
  • Auch der 1986 fertig gestellte Neubau des Observatoriums sowie der 1994 fertig gestellte Neubau der Talstation der Sonnblick-Seilbahn konnten durch entsprechende Mittel des Wissenschaftsministeriums verwirklicht werden.
  • Der Sonnblickverein kann also mit Stolz auf die Geschichte seines Observatoriums zurückblicken, einer weltweit einzigartigen Forschungsstation, von der bedeutende Beiträge zur Meteorologie und Umweltforschung ausgegangen sind.

Das Observatorium im 21. Jahrhundert

siehe auch Liste der Wetterwarte des Observatoriums Sonnblick

Datenerfassung

Aufgrund der Höhenlage eignet sich das Observatorium zur Erfassung mannigfaltiger Daten über Wind, Wetter und Temperaturen. Mit diesen Daten und anderen Beobachtungen werden hier Erkenntnisse über Klimaveränderungen gewonnen, aber auch über Strahlenphysik, Luftzusammensetzung, Hydrologie und Geophysik sowie Gletscherkunde und Verschmutzung der Erdatmosphäre. Mehrmals am Tag liefern die Messgeräte des Observatoriums Werte für die Zivilluftfahrt, Wettervorhersagen und Statistik. Geräte und Mannschaft messen dabei auch Ozonwerte, UVA- und UVB-Strahlung, Ruß- und Staubpartikelgehalt der Luft und vom Gletschereis.

Arbeitsalltag im Observatorium

Ludwig Rasser, Johann Lindler, Friedl Wallner und Matthias Daxbacher waren die Wetterwarte, die 2009 am Sonnblick ihren Dienst verrichteten. Dienst in einer Umgebung, in der es mehr als elf Monate Winter und 360 Heiztage pro Jahr gibt. Jeweils zwei Mann waren pro Schicht, die 15 Tage dauert, anwesend. Schichtwechsel in dieser Höhe ist auch eine Wetterlotterie-Angelegenheit. Eine Woche bis 14 Tage Verzögerung beim Schichtwechsel muss man eben einkalkulieren, will man Wetterwart am Sonnblick sein. Neben ihrer Tätigkeit als Wetterwarte waren sie als ausgebildete Bergretter auch bei Notfällen im Gelände im Einsatz.

Besondere Wetterdaten

Hitzerekorde

  • 28. Juli 2013: mit 38,6 °C Grad wurde ein neuer Bundesland-Rekord aufgestellt, der in Salzburg-Freisaal gemessen wurde, im Observatorium Sonnblick waren es 13,7 °C
  • 27. Juli 1983: 35,0 °C, gemessen in Zell am See (im Observatorium Sonnblick + 15,0 °C in 3 105 m ü. A.)
  • 20. August 2012: 16 Uhr: 34,9° gemessen in Salzburg-Freisaal (15 Uhr: 32,1° in Tamsweg, 26,0° in Obertauern und um 16 Uhr 11,9° am Hohen Sonnblick[6])

2018: Kälteste August-Nacht seit 1998

Die Nacht von Sonntag, den 26. auf Montag, den 27. August 2018 war die kälteste Augustnacht in Österreich seit 1998 sagte Gerhard Hohenwarter von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Montagfrüh. Der kälteste bewohnte Orte war dabei St. Jakob im Defereggental in Osttirol (-0,9 °C). Direkt danach folgten mit Mariapfarr (-0,6 °C) und St. Michael im Lungau (-0,3 °C) zwei Salzburger Gemeinden.

Vor 20 Jahren “wurden im August -1,1 °C in St. Michael und -1,9 °C in St. Jakob gemessen. Außerdem war das auch die erste Frostnacht im August unter 1 400 Meter Seehöhe seit 2005”, so Hohenwarter weiter.

In den Morgenstunden des Montags wurden am Dachsteingletscher -6,6 °C und im Observatorium Sonnblick -6,2 °C gemessen.

Juni 2019: Heißeste Nacht

In der Nacht auf von Dienstag, 25. auf Mittwoch, 26. Juni 2019 wurde an 32 Messstationen der ZAMG (von insgesamt 270 Wetterstationen) eine Tropennacht registriert. Zum Beispiel in Wien (Innere Stadt: Tiefstwert 23,6 Grad), Retz ( 20,9 Grad), Podersdorf ( 20,8 Grad), Fraxern (20,5 Grad), Enns ( 20,5 Grad) und Linz (20,1 Grad). Sogar zwei Orte oberhalb von 1 000 Meter Seehöhe verzeichneten eine Tropennacht: Kolomansberg in Salzburg mit 22,9 Grad (1 113 m ü. A.) und Sulzberg in Vorarlberg mit 22,7 Grad (1 018 m ü. A.). Beim Sonnblick-Observatorium der ZAMG, auf 3 109 Meter Seehöhe, sank die Temperatur in in dieser Nacht nicht unter neun Grad. "Das gab es hier in einem Juni noch nie", so die ZAMG.[7]

Bildergalerie

weitere Bilder

 Observatorium Sonnblick – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki
 Observatorium Sonnblick historische Aufnahme – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im Salzburgwiki

Bildweblink

Literatur

Weblinks

Quellen

Einzelnachweise

  1. Facebook "Historischer Pinzgau", Bild von Peter Lechner
  2. Quelle Zeitschrift des deutschen und österreichischen Alpenvereins Jahrgang 1885
  3. Salzburger Nachrichten, 12. September 2011
  4. www.sn.at
  5. 5,0 5,1 www.sn.at, Archiv der Salzburger Nachrichten, Ausgabe vom 3. Juli 1976, Seite 9, "Lange Reihen vom Eckpfeiler Sonnblick"
  6. alle Werte Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik http://www.zamg.ac.at
  7. Quelle Salzburger Nachrichten, www.sn.at, 26. Juni 2019