Wilhelm Ritter von Arlt

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Wilhelm Ritter von Arlt (* 16. November 1853 in Prag; † 1944 in Rauris) war Freund, Mentor und Mäzen Ignaz Rojachers und Pionier im Raurisertal. Er ist Ehrenbürger der Marktgemeinde Rauris.

Leben

Kindheit und Jugend

Wilhelm Ritter von Arlt wurde als jüngstes von acht Kindern von Maria Theresia von Arlt und Prof. Dr. Friedrich Ritter von Arlt in Prag geboren. Die Schulausbildung genoss er in Wien, wo sein Vater Dr. Ferdinand von Arlt eine augenärztliche Professur an der medizinischen Fakultät der Universität Wien innehatte. Nach Absolvierung des Realgymnasiums studierte der junge Mann mehrere Semester Chemie, Landwirtschaft und bekundete auch Interesse für Bergmannsfächer.

Privat

1878 pachtete Arlt den Meierhof Libesnitz in der Nähe von Prag und gründete dort auch eine Familie. Wilhem von Arlt war ein fortschrittlicher, offener und innovativer Geist. Als Agrarfachmann erkannte er auch den Wert der Pinzgauer Rinderrasse und führte sie im damaligen Böhmen ein, wo sie einmal weit verbreitet und geschätzt war. So ermöglichter den Rauriser Bauern einen Absatz ihrer Rinder in Böhmen.

Wilhelm von Arlt war verheiratet und hatte zwei Söhne.

Arlt wurde wegen seiner Verdienste um den Ort zum Ehrenbürger von Rauris ernannt. Er hatte sich bereits 1893 dauerhaft in Rauris niedergelassen. Er kaufte das ehemalige Landes- und Berggerichtsgebäude und erwarb auch mehrere Almen im hinteren Hüttwinkltal. Im hohen Alter von 91 Jahren verstarb Wilhelm Ritter von Arlt im Jahre 1944 und wurde in Rauris begraben.[1]. Sein Enkel, Dr. Ernst Arlt, lebt in Rauris.

Rauris

Wahlheimat aus Leidenschaft

Aus Bergleidenschaft kam er 1876 das erste Mal nach Rauris. Viele weitere Besuche folgten. 1893 übersiedelte er ganz dorthin und kaufte das so genannte Landrichterhaus und einige andere Liegenschaften. Auch die Grieswiesalm in Kolm-Saigurn, heute wegen des jährlichen Auftriebes der Norikerhengste über das Tal hinaus bekannt, war in seinem Besitz. 1913 verkaufte er sie an die Pinzgauer Pferdezuchtgenossenschaft, da ihm daran gelegen war die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung im Raurisertal zu fördern.

Goldbergbau

Zu dieser Zeit wurde im hinteren Hüttwinkltal noch Goldbergbau betrieben. Der österreichische Staat plante damals, den Goldbergbau aufzulassen, weil dieser nicht mehr kostendeckend war, und verpachtete ihn 1876 an den einheimischen Hutmann Ignaz Rojacher. Von dessen Persönlichkeit war Arlt beeindruckt, die beiden entwickelten rasch eine innige Freundschaft zueinander. Er wurde zum Freund, Mentor und Mäzen von Ignaz Rojacher. Gemeinsam setzten sie viele neue Projekte um.

Besonderen Anteil nahm er am Goldbaubetrieb in Kolm-Saigurn. Er unterstützte seinen Freund Ignaz Rojacher finanziell. Dadurch konnte dieser 1880 den Bergbaubetrieb endgültig kaufen.

Skipionier aus Rauris

Um den Ertrag im Goldbergbau zu steigern suchte Rojacher immer wieder nach neuen Verfahren. Aus diesem Grunde fuhr er im Winter 1885/86 nach Falun in Schweden, um die dortigen Methoden bei der Eisenverarbeitung kennenzulernen. Dabei wurde er von Wilhelm Ritter von Arlt begleitet. In Schweden sahen sie Menschen mit „Holzbrettern“ herumlaufen. Besonders Arlt interessierte sich für diese neue Fortbewegungsart und nahm sich ein Paar der Holzbretter nach Rauris mit – der Beginn des Skilaufs im Jahr 1886 in Rauris war gegeben.

Im selben Jahr wurde auf dem Sonnblick, auf 3 106 Meter Höhe, die noch heute bestehende Wetterwarte erbaut. Der Bau konnte nur durch die Tatkraft Rojachers und seiner Bergarbeiter vollzogen werden. Rojacher konnte auch hier mit der Hilfe seines Freundes Wilhelm Ritter von Arlt rechnen. Dieser durchstieg im Sommer 1887 die Sonnblick-Nordwand, um eine Trasse für eine Telefonleitung zum Sonnblick zu finden. Diese Erstbesteigung beschreibt Arlt im Sonnblick-Jahresbericht 1926.

Arlt hatte also 1886 die Skier in Schweden kennengelernt, er versuchte danach autodidaktisch, sich die Beherrschung dieser Geräte auf den Hängen des Sonnblicks beizubringen. Zu dieser Zeit war das „Knappenross“ das beliebteste Wintersportgerät im Rauriser Tal. Dieses ähnelte in seiner Gestalt ein wenig dem heutigen Snowboard, aber man saß darauf. Mündlich überliefert ist die Geschichte von einer Wettfahrt zwischen Rojacher auf dem Knappenross und Arlt mit Skiern. Der geübte Knappenrossfahrer konnte den noch relativ unerfahrenen Skifahrer schlagen. Arlt freundete sich mit den Skiern aber immer mehr an und am 5. Februar 1894 gelang es ihm, damit vom Sonnblick nach Kolm-Saigurn in 32 Minuten abzufahren. Ein Jahr später benötigte er für dieselbe Strecke nur mehr 15 Minuten. Wilhelm Ritter von Arlt ist damit wahrscheinlich der Erste, der mit Skiern in Österreich von einem Dreitausender abfuhr. Zu bedenken ist dabei, dass die Skier damals keine Kanten hatten und man trug Lederschuhe mit Riemenbindung. 1937 organisierte er das erste Skirennen am Hohen Sonnblick.

In den Folgejahren führte Arlt viele Skitouren auf die Dreitausender der Hohen Tauern durch (Schareck, Hocharn, Johannisberg, Großes Wiesbachhorn u. a.).

Pionier als Bergsteiger

Arlt war auch ein begeisterter und hervorragender Bergsteiger - er hat im Alleingang 1886 erstmals die Nordwand des Sonnblicks bezwungen – und er war ein Pionier des Skisports und Begründer der Sektion Rauris des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins. Wilhelm Ritter von Arlt wurde Vorsitzender der am 26. August 1896 konstituierten Sektion des Alpenvereins. 1899 ließ er zu Ehren Ignaz Rojachers, der 1891 im Alter von nur 47 Jahren verstorben war, die Rojacherhütte (2 700 m ü. A.) errichten.

Das Interesse Arlts für den Skisport zeigt auch die Tatsache, dass er bereits im März 1902 einen Skikurs für Bergführer in Kolm-Saigurn abhielt. Bis 1917 war er 1. Vorsitzender der Sektion Rauris des Alpenvereins.

Wilhelm Ritter von Arlt und Ignaz Rojacher

Arlt und Rojacher - zwei kongeniale Partner

Wilhelm Ritter von Arlt und Ignaz Rojacher waren kongeniale Partner. Ihr Zusammentreffen war ein Glücksfall. Arlts Herkunftsfamilie war gebildet und gut situiert und Wilhelm selbst war Akademiker. Rojacher kam aus einfachsten Verhältnissen und verfügte nur über eine mangelhafte Schulbildung. Arlt erkannte und schätzte dennoch Talent und Fähigkeiten Rojachers. Er wurde sein Berater, Förderer und Mäzen. Arlt und Rojacher wurden im Laufe ihrer Zusammenarbeit auch zu Freunden.

Gemeinsame Reisen und Innovationen im Goldbergbau

Arlt und Rojacher machten gemeinsame Reisen nach Paris, Schweden, Italien und Russland, um Innovationen im Goldbergbau kennen zu lernen und im Hüttwinkltal umzusetzen. Er hat im Bereich des Bergbaus u.a. auch die Erbauung der Brems- und Horizontalbahn auf den Radhausberg angeregt, deren Überreste im Gelände heute noch zu finden sind. Auf diese Weise kam Kolm-Saigurn 1882 auch zu elektrischem Licht, als weder Wien noch Salzburg elektrifiziert waren.

Der Bau des Sonnblick-Observatoriums

Neben der Förderung und Modernisierung des Goldbergbaues, wurde das Observatorium Sonnblick errichtet. Diese Wetterbeobachtungsstation, das so genannte Zittelhaus, wurde später mehrmals erweitert und modernisiert und hat bis heute seine Bedeutung. Arlt und Rojacher, der 1891 verstarb, haben durch ihr Zusammenwirken in ihrer gemeinsamen Zeit in Rauris die Entwicklung im Ort, im Tal und darüber hinaus mitgestaltet. Sie waren echte Pioniere und sollten nicht in Vergessenheit geraten.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Salzburger Woche, Ausgabe Pinzgauer Nachrichten, 15. Jänner 2015, ein Beitrag von Siegfried Kopp, Talmuseum Rauris