Weißsee Gletscherbahn

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Von links nach rechts: Bergstation der ÖBB-Seilbahn Weißsee, Bergstation der Weißsee Gletscherbahn, Hotel Rudolfshütte
Stützen und Gondeln der Weißsee Gletscherbahn unterhalb der Mittelstation. Im Bildhintergrund der Grünsee.
In der Mittelstation der Weißsee Gletscherbahn.
Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt die für die Allgemeinheit benutzbare Weißsee Gletscherbahn. Die ÖBB Seilbahn Weißsee, die parallel zu dieser Seilbahn bestanden hat, wird in einem eigenen Artikel behandelt.

Die Weißsee Gletscherbahn ist eine Seilbahn in den Hohen Tauern.

Lage

Sie befindet sich mit der Talstation am Enzingerboden am Südende des Stubachtals und führt in ca. 20 Minuten mit der Sechser-Umlaufbahn über die Mittelstation zum Berghotel Rudolfshütte, das dem Zeller Hotelier Dr. Wilfried Holleis gehört. Von der Bergstation führt ein Tunnel direkt zum Berghotel Rudolfshütte. Dort liegt die Weißsee Gletscherwelt.

Geschichte

1936 wurde von den ÖBB eine Materialseilbahn errichtet, als die Errichtung der Weißseesperre in Aussicht gestellt worden war. Diese Materialseilbahn entsprach aber in keiner Hinsicht den Anforderungen der Errichtung einer Staumauer in dieser Höhe. In der Planungsphase bildeten sich zwei Projektgruppen. Die eine der Minimalisten argumentierte mit den niedrigeren Kosten für eine reine Betriebs- und Materialseilbahn. Die Gruppe der Maximalisten hingegen hoben die Vorteile einer auf kommerzielle Nutzung ausgerichtete Seilbahn nach Ende der Bauarbeiten hervor. Diese Gruppe setzte sich dann auch durch.

Doch erst 1948 erhielt die deutsche Maschinenbaufirma Pohlig den Auftrag zur Errichtung dieser Seilbahn. Die Bauausführung lag in den Händen der Firmen Rieser, Plana und der Arbeitsgemeinschaft Union-Baugesellschaft-Universale. Die Zweisektion-Führung der Seilbahn war durch den Knick notwendig, den die Trasse nimmt. Interessant dabei war die technische Lösung. Sowohl die Personen- als auch Güterwagen wurden in der Mittelstation von ihren Fahrgestellen gelöst und über Rollbahngeleise in die nächste Sektion gefahren.

1951 nahm sie dann ihren Betrieb auf.

Die Weißsee-Bahn war in gewisser Hinsicht auch ein Aufholprojekt des Landes Salzburg gegenüber Oberösterreich, wo im Herbst 1951 das erste Teilstück der Obertrauner Dachsteinbahn in Betrieb genommen wurde.

Die erste Sektion, die in Betrieb gegangen war, führte vom Enzingerboden zum Tauernmoossee hinauf und brachte Bergsteiger ins Granatspitzgebiet. Parallel dazu gab es aber ein weiteres Seilbahnprojekt der ÖBB, der Seilbahn zur Rudolfshütte. Dieses Projekt einer Einseil-Umlaufbahn wurde dann am Beginn der 1980er Jahre realisiert. Die mit dem Namen Seilbahn Rudolfshütte errichtete Bahn wurde am Weihnachtstag (25. Dezember) 1982 eröffnet.

Mit der Errichtung der Weißsee-Bahn erhoffte man sich auch einen touristischen Aufschwung in dieser alpinen Hochregion, dem der Österreichische Alpenverein wohlwollend gegenüberstand.

Dann stand seit Mai 2003 die Seilbahn wegen akuter Finanznöte und drohendem Konkurs still. Allein in jenem Jahr betrug der Verlust vier Millionen Schilling. Die Weißseebahn machte jährlich geschätzte 290.000 Euro Verlust[1]. Dann fand sich das Land Salzburg neben anderen Investoren an der Abdeckung der Schulden bereit[2].

Der Zeller Steuerberater Erwin Prodinger, der Zeller Hotelier Wilfried Holleis und der Millionär und Sponsor der Zeller Eisbären, Otto Wittschier, wollten die Weißseebahn übernehmen, verlautete eine Pressemeldung am 11. Jänner 2003 der Salzburger Nachrichten. Prodinger war bis dahin Gesellschafter der pleite gegangenen Weißsee-Gletscherbahnen Gesellschaft m.b.H. gewesen.

Die drei Interessenten arbeiteten ein zehn Punkte umfassendes Konzept aus. Darüber wurde Anfang Jänner 2003 in der Gemeinde Uttendorf beraten. Auch LHStv. Wolfgang Eisl (ÖVP), Finanzreferent des Landes und ressortzuständig für den Tourismus, wurde informiert. Wolfgang Eisl konnte sich die Mithilfe des Landes vorstellen. Die würde sich über zehn Jahre erstrecken und jährlich 100.000 Euro betragen.

Eisls Bedingungen:

  • Prodinger, Holleis und Wittschier müssen die persönliche Haftung übernehmen;
  • der Betrieb muss im vorhandenen Umfang weitergeführt werden;
  • es dürfen keine weiteren öffentlichen Mittel in Anspruch genommen werden;
  • in den kommenden zehn Jahren ist eine gemeinsame Lösung mit den ÖBB zu erarbeiten;

Die ÖBB führten parallel zur 1983 offiziell eröffneten Weißseebahn ihre eigene Werksbahn. Die war 50 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Eisl: "Zwei Bahnen, die einen Berg erschließen und nur 500 Meter voneinander entfernt sind, ergeben volkswirtschaftlich keinen Sinn." Im Konzept der Interessenten heißt es: "Ziel ist die Fortführung der Weißsee Gletscherbahnen auf einen möglichst langen Zeithorizont, mindestens auf 10 Jahre. Es ist unbedingt anzustreben, dass eine schnelle Lösung des Problems herbeigeführt wird, um den Frühjahrsskilauf, der heuer durch Ostern besonders spät liegt, noch umsatzmäßig zu nützen."

Die bestehende Gesellschaft sollte erheblich verändert, das bisherige Eigenkapital (1,2 Mill. Euro), auf 580.000 Euro reduziert werden. Das Land Salzburg, die Gemeinde Uttendorf und der Tourismusverband leisten, so die Vorstellung der Interessenten, gemeinsam und jährlich einen Zuschuss von 218.000 Euro. Der Österreichische Alpenverein - er betreibt das Alpincenter Rudolfshütte - schießt zum Betrieb der Bahn pro Jahr 72.800 Euro zu.

Anfang Mai 2003 war von den Gläubigern ein Zwangsausgleich akzeptiert worden. Die Quote wurde von 20 auf 28 Prozent erhöht, einem Weiterbetrieb sollte damit ab Mitte Juni nichts mehr im Wege stehen. Nach jahrelangem hin und her gab es für diejenigen, die auf einen dauerhaften Weiterbestand der Gletscher-Kabinenseilbahn hofften, nun wieder Grund zur Freude. 56 Gläubiger mit Forderungen von mehr als 2,5 Mio. Euro hatten für den Zwangsausgleich gestimmt, „nur“ 18 waren dagegen. Besondere Rücksicht sei bei der Entscheidung auf die Region Oberpinzgau genommen worden.

Erleichterung herrschte nun auch wieder beim Österreichischen Alpenverein, dessen Alpinzentrum Rudolfshütte nun weiterhin via Weißseebahn erreichbar war. Künftig sollten auch im Winter wieder die Räder laufen. Eiskletterer und Tourengeher aus vielen Teilen Europas, Trainingskurse des Alpenvereins, Teams der Bergrettung und Künstler nutzten die Region um Weißsee und Stubacher Sonnblick seit Jahren für Schulungen und Workshops. Der „Neustart“ sollte Mitte Juni 2003 erfolgen. Mehr als 50 Prozent der Arbeitsplätze konnten damit ebenfalls gerettet werden[3].

Betriebszeiten

Die Weißsee Gletscherbahn ist im Sommer täglich während der Öffnungszeiten der Rudolfshütte von 09:30 bis 17:00 Uhr, im Herbst zeitlich eingeschränkt und im Winter von 09 bis 16:15 Uhr in Betrieb.

Weblink

Quellen