A wie Arbeitsplätze in Gefahr. Der "Plan A" hat Tücken.

Die Festlegung eines Mindestlohns behindert eine praxisnahe Vereinbarung von Kollektivverträgen.

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Barazon Ronald Barazon

Bundeskanzler Christian Kern hat mit seinem Plan A die Einführung eines Mindestlohns von 1500 Euro angekündigt und gleich erklärt, er werde für eine gesetzliche Regelung sorgen, wenn die Sozialpartner nicht mitziehen.

Tatsächlich haben die Sozialpartner mit gutem Grund keinen Mindestlohn vereinbart: Diese vermeintlich so positiv klingende Einrichtung treibt die Arbeitslosigkeit in die Höhe. Der Jungpolitiker Kern wäre gut beraten, die professionellen Lohnverhandler zu fragen, bevor er vollmundig ein Instrument einführt, das enormen Schaden anrichtet.

Da Regierungsmitglieder seit Längerem die Sozialpartner als Feinde betrachten und ihren Beitrag für die Wirtschaft und den sozialen Frieden negieren, könnte Christian Kern auch einfach die Daten zur Kenntnis nehmen.

1500 Euro Mindestlohn ergeben bei den in Österreich üblichen 14 Monatsgehältern 21.000 Euro im Jahr, bei 12 immer noch 18.000 Euro. Also gilt es zu fragen, wer weniger verdient und daher mehr bekommen soll.

Die 2,1 Millionen glücklichen Besitzer eines ganzjährigen Vollarbeitsplatzes hatten bereits 2015 ein mittleres Einkommen von 39.812 Euro im Jahr. Bezüge in der Größenordnung des angepeilten Mindestlohns haben also in diesem Bereich nur relativ wenige.

Insgesamt betroffen von niedrigen Bezügen sind rund 35 Prozent der 4,3 Millionen Arbeitnehmer - ohne Lehrlinge -, die weniger als 21.000 Euro im Jahr verdienen. Das sind, wie die Statistik Austria für 2015 ausweist, 1,5 Millionen Unselbstständige, die zumeist keine
40- oder 38,5-Stunden-Woche arbeiten.

Aus dieser Gruppe sollen die Massen wieder zur SPÖ strömen. Der ehemalige Manager müsste es besser wissen, aber vermutlich lebte er in der Verbundgesellschaft und bei den ÖBB weitab von der Realität des Arbeitsmarkts.

Werden per Gesetz die Bezüge unter 21.000 Euro bestimmt, verlieren die betroffenen Personen reihenweise den Arbeitsplatz, weil die Unternehmen die zusätzlichen Belastungen nicht verkraften. Und: Neue Mitarbeiter in diesen Kategorien werden nicht aufgenommen.

In der Praxis wird ein Mindestlohn zudem zur Groteske, die die Arbeitnehmer wütend machen muss. Die 1500 Euro können nicht als Generalformel zur Anwendung kommen und sind daher auf eine bestimmte Stundenzahl abzustellen. Eine Halbtagsbeschäftigung würde dann aber mit einem Mindestlohn von 750 Euro abzugelten sein, der wohl kaum eine Arbeiterin, einen Arbeiter zu Begeisterungsstürmen für die SPÖ animieren kann.

Die Sozialpartner wissen schon, warum sie die Einführung eines Mindestlohns in Österreich ablehnen und die praxisnahe Vereinbarung von Kollektivverträgen bevorzugen.

Aufgerufen am 14.11.2018 um 03:20 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/a-wie-arbeitsplaetze-in-gefahr-der-plan-a-hat-tuecken-515959

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