Die gekippte Pyramide der Anlage balanciert auf der Spitze

In der Welt des Sparens ist kein Stein auf dem anderen geblieben. Die Trümmer werden aber noch nicht weggeräumt.

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Barazon Ronald Barazon

Als selbstverständliches Basiswissen wird die Kenntnis der sogenannten Anlagepyramide angesehen. Die solide Bürgerin, begleitet von ihrem ebenso soliden Partner, hat ein biederes Sparbuch als Grundlage, wagt darüber hinaus den Kauf einer beinahe schon aufregenden Staatsanleihe und verzichtet auf vieles, um ein Eigenheim zu erwerben. Diese drei Stufen der Pyramide werden von zahlreichen erklommen, nur wenige steigen auf die meist beängstigende nächste Stufe und kaufen Aktien.

Diese Sicht der Dinge gilt als ultimative Weisheit, wenn es um Geld geht. Leider stimmt die vermeintlich richtige Lehre nicht mehr.

Das Sparbuch bringt keine nennenswerten Zinsen mehr. Das ist aber kein schicksalhaftes Phänomen, sondern die Folge der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Und diese wird betrieben, damit die Staaten ihre kaputten Budgets billig finanzieren können.

Damit nicht genug. Die EU-Kommission hat ein neues Prinzip erfunden: Bail-in. Bail-in steht für die Regel, wonach bei einer Bankpleite die Einlagen verloren sind.

Die zweite Stufe, die ach so sicheren Staatsanleihen, sind auch niedrig verzinst. Manche weisen sogar Minuszinsen aus, man bekommt also von vornherein weniger zurück, als man eingezahlt hat. Zusammen mit der Geldentwertung durch die Preissteigerungen kommt ein satter Nettoverlust zustande. Dass zudem Staaten nicht mehr die sichersten Schuldner sind, hat sich in Griechenland gezeigt.

Da Spareinlagen und Staatsanleihen für Verluste sorgen, flüchten viele wohlhabende Anleger in den Kauf von Immobilien, wodurch die Preise in diesem Bereich in luftige Höhen geschnellt sind. Jungfamilien, die ein Eigenheim erwerben wollen, brauchen schon zwei Sparer-.Leben, um ihr Ziel zu erreichen.

Somit verbleibt die nur von wenigen genutzte höchste Stufe - der Erwerb von Aktien oder die Finanzierung von Unternehmen über
andere Instrumente. Das Spargeld fließt in diesem Bereich direkt in die Firmen, die
die Wertschöpfung erwirtschaften und da-
her in der Lage sind, die Mittel der Anleger angemessen zu verzinsen. Das ist die Spitze der Pyramide, die naturgemäß schmal ist
und bis zur Spitze immer kleiner wird und
mit größeren Risiken verbunden ist.

Derzeit balanciert die Anlagepyramide
auf der Spitze. Da aber die unteren Stufen
nur mehr scheinbar breit und tragfähig sind, ist ein Umbau der Pyramide erforderlich:
Die Sparer und Anleger werden sich wohl daran gewöhnen müssen, dass nur Aktien, GesmbH-Anteile, sonstige Beteiligungsfor-
men und Unternehmensanleihen auf Dauer
eine attraktive Verzinsung des Sparkapitals bringen.

Aufgerufen am 16.11.2018 um 05:13 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/die-gekippte-pyramide-der-anlage-balanciert-auf-der-spitze-537745

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