Der fatale Ungeist der Protektionisten kehrt zurück

Schranken gegen Importe bilden eine Droge, die ein Land schwächt. Aber bei der Errichtung schaden sie den Lieferanten enorm.

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Barazon Ronald Barazon

Die Protektionisten arbeiten immer mit der gleichen Milchmädchenrechnung: Würden die Importe gestoppt und stattdessen die Waren selbst produziert, so wäre doch das Land im Vorteil. Also sperrt man die Grenzen. Das ist auch die Logik des neuen US-Präsidenten Donald Trump.

Mit dieser Überlegung hat der Finanzminister Ludwigs XIV., Jean-Baptiste Colbert, im 17. Jahrhundert den protektionistischen Ungeist des Merkantilismus in Frankreich fest verankert, der bis heute nachwirkt.

Die Geschichte lehrt: Länder, die sich dem Wettbewerb stellen, sind erfolgreich, weil die Menschen und die Unternehmen nicht unter dem Schutz von hohen Zöllen dem bequemen Schlendrian verfallen. Schafft ein Land hingegen einen Wall gegen ausländische Waren, ist der Niedergang unvermeidlich.

Der offene Wettbewerb hat die USA zur erfolgreichsten Volkswirtschaft gemacht.

Der neue Präsident stellt die scheinbar so überzeugende Rechnung an: Die Handelsbilanz weist ein Defizit von 760 Mrd. Dollar auf. Würden diese Waren im Land produziert, gäbe es mehr Arbeitsplätze und mehr Wertschöpfung in den USA. Nur in der Praxis geht diese Rechnung nie auf.

Insgesamt beträgt das Minus der Außenbilanz etwa 500 Milliarden, weil der Überschuss bei den Dienstleistungen von 260 Milliarden den Abgang im Warenbereich reduziert.

Wovon redet Trump? Die Arbeitslosigkeit ist seit 2009 von zehn auf unter fünf Prozent gesunken. Das Defizit bei den Waren betrug 2006 fast 840 Milliarden und ist somit in den vergangenen zehn Jahren um 80 Milliarden zurückgegangen. In dieser Zeit ist der Überschuss aus den Dienstleistungen von 75 auf die erwähnten 260 Milliarden angestiegen. Die Außenbilanz entwickelt sich also im Zeichen einer Strukturverbesserung. Diese Entwicklung wird nun durch unsinnige Maßnahmen gefährdet. Trump tut Amerika nichts Gutes mit der Errichtung von Handelsschranken.

Unmittelbar wirken aber Zölle und Vorschriften als Importbremse, die die Lieferländer belasten. Der Überhang der Lieferungen aus der EU in die USA gegenüber dem Warenstrom nach Europa bewegt sich bei 150 Mrd. Dollar jährlich. Trump kann also der EU enormen Schaden zufügen.

Genauso China, das allein einen Überschuss von 370 Mrd. Dollar erzielt. Gegenüber Japan sind es 70 Milliarden.

Dass längerfristig die USA leiden werden, ist im Moment ein schwacher Trost. Nicht zuletzt für Österreich, das im Jahr für etwa 11 Milliarden Dollar in die USA exportiert, aber nur für rund 4 Milliarden importiert und somit einen Überschuss von 7 Milliarden verzeichnet.

Aufgerufen am 21.09.2018 um 06:04 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/der-fatale-ungeist-der-protektionisten-kehrt-zurueck-495460

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