Die Euro-Staaten können sich nicht weiter verschulden

Manche Staaten können die Steuern erhöhen, um Schulden zu bedienen. Die Staaten der Eurozone gehören nicht dazu.

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Barazon Ronald Barazon

Die Feststellung "die Eurostaaten können sich nicht weiter verschulden" stimmt Wort für Wort. Dennoch werden die Finanzminister dieser Gruppe auch heuer rund 190 Milliarden Schulden machen und das Geld irgendwie auftreiben. Irgendwie.

Wieso soll also der Satz "sie können nicht" stimmen?

Für Staaten wie für alle Kreditnehmer gilt, dass sie in der Lage sein müssen, die Schulden zu bedienen. Und dies setzt voraus, dass sie über die entsprechenden Einnahmen verfügen.

Die Eurostaaten kassieren von den Bürgern und den Unternehmen bereits 50 Prozent der Wirtschaftsleistung, womit die Zahler der Steuern und Abgaben schon überfordert sind. Um zusätzliche Schulden zu machen, müsste man die Steuern und Abgaben weiter anheben können. Das ist aber nicht möglich, weil dann die ohnehin schwache Konjunktur vollends zusammenbrechen würde.

Also sind die Eurostaaten am Ende der Kreditfähigkeit angekommen.

Das wäre ein sehr gesunder Zustand und müsste die Regierungen zwingen, endlich mit der Geldverschwendung aufzuhören.

Diese Konsequenz erspart den Regierungen aber die Europäische Zentralbank, die eifrig Geld schöpft und die Staatskassen füllt. Von den insgesamt rund 9000 Milliarden Schulden der Euroländer entfallen auf die EZB schon weit über 1200. Und Monat für Monat werden zusätzliche Staatsanleihen übernommen.

Die EZB tut aber noch mehr: Sie hält die Zinsen bei null oder sogar bei Minus-Prozent, wodurch sich die Staaten Milliarden an Zinsen ersparen und die kaputten Staatshaushalte aufputzen können.

Diese Aktion löst aber bei sämtlichen Sparformen Verluste aus und ergibt somit im Endeffekt eine kräftige Vermögenssteuer. Die Staaten müssen also die ohnehin überhöhten Steuern nicht selbst anheben. Dafür sorgt die EZB mit ihrer Zinspolitik, die die Sparer enteignet und die Budgets begünstigt.

Also stellt sich die Frage erneut: Können sich die Staaten weiter verschulden? Selbstverständlich! Nachdem über die bestehenden Steuern und Abgaben der von den Bürgern und Unternehmern erwirtschaftete Ertrag bereits dezimiert wird, kann man doch nun getrost die Vermögen vernichten. Und das auf listig verschleierte Weise über die Zinspolitik der EZB. Gleichzeitig wird hemmungslos Geld geschöpft, dem kein Wert gegenübersteht.

Konsequenzen? Ach ja! Die Zentralbank wird zur Krisenbank mit gefährdeten Forderungen, die Wirtschaftsleistung sinkt, der Wert des Euro fällt, die Arbeitslosigkeit steigt, die Inflation zieht an. Aber doch nicht heute.

Und wen kümmert schon morgen.

Aufgerufen am 18.09.2018 um 07:40 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/die-euro-staaten-koennen-sich-nicht-weiter-verschulden-557239

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