Die Weltwirtschaft torkelt in eine Phase der Erstarrung

Eine fatale Mischung aus Verweigerung, Protektionismus und Kriegslust bestimmt den Herbst 2016.

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Barazon Ronald Barazon

Erstmals seit 2008 wächst heuer der Welthandel schwächer als die Produktion von Waren und Dienstleistungen, melden der Währungsfonds und die Weltbank. Und beide, Produktion und Handel, weisen nur bescheidene Steigerungen auf: Die Weltwirtschaft bietet im Herbst 2016 ein Bild der Erstarrung.

Eine entscheidende Rolle spielt Europa. Der alte Kontinent wirkt derzeit besonders alt. Die Zahl der Menschen, die meinen, der Wohlstand sei ohnehin gesichert, man müsse sich den Herausforderungen nicht stellen und einfach das gute Leben genießen, ist zu groß. Die Zahl der Politiker, die von einer sinnlosen Konferenz zu anderen eilen, Scheinaktivitäten entwickeln und nur um ihre Posten bangen, ist zu groß. Europa bremst die Weltwirtschaft.

In den vergangenen Jahren hat China diese Schwäche ausgeglichen und als Lokomotive der Weltwirtschaft agiert. Jetzt zeigen sich die bei schnell wachsenden Entwicklungsländern üblichen Phänomene: Viele Strukturen sind nicht solide, hohe Schulden machen den Unternehmen, den Banken und dem Staat zu schaffen, in zahlreichen Bereichen wurde die Produktion ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Absatzmöglichkeiten aufgebläht.

China ist aber immer noch eine kommunistische Staatswirtschaft, die Krisenerscheinungen werden möglichst negiert und mithilfe von staatlichen Interventionen kaschiert.

Die USA weisen, allen Unkenrufen zum Trotz, eine robuste Entwicklung auf, können aber keine Wunder wirken. Eine lahmende Weltwirtschaft bietet keine attraktiven Absatzchancen für die Exportwirtschaft. Die Schwäche der Europäer lenkt die Mittel der Anleger zum Dollar, treibt die US-Währung in die Höhe und verteuert die US-Waren. Die Inlandsnachfrage der USA ist zwar stark, aber reicht nicht, um die Weltwirtschaft vor der Lähmung zu bewahren.

Eine entscheidende Rolle spielt der weltweit wieder zunehmende Protektionismus. Die Tatsache, dass nur ein freier Handel für Wohlstand sorgt, gerät in Vergessenheit. Dass nur im Wettbewerb Höchstleistungen erbracht werden, dass Schutzmauern zur Trägheit verführen, wird geleugnet. Man errichtet Zäune, gräbt sich in der vermeintlich sicheren Heimat ein und schimpft über die Globalisierung.

Die Trägheit der Europäer hat ihr erschreckendes Gegenstück im Verhalten der islamischen Welt. Auch in diesem Bereich wird die Annahme der aktuellen Herausforderungen verweigert. Nur führt der Weg nicht in Dauerferien, Frühpension und in die innere Emigration, sondern in ein grauenvolles Blutbad, das zu einem Weltkrieg auszuarten droht. Womit die schwachen Wirtschaftsperspektiven nur mehr ein Nebenthema wären.

Aufgerufen am 12.12.2018 um 05:29 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/die-weltwirtschaft-torkelt-in-eine-phase-der-erstarrung-1021948

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