Einige Konservendosen im Keller ergeben noch keinen Zivilschutz

In der vernetzten, arbeitsteiligen Wirtschaft kann Zivilschutz nur über Puffer in den regulären Abläufen funktionieren.

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Barazon Ronald Barazon

In Deutschland wird derzeit der Zivilschutz wiederentdeckt. Als ob sich die Welt nicht verändert hätte, wird der Bevölkerung die Hortung von Nahrungsmitteln, Wasser, Heizöl und Bargeld empfohlen. Die Regierung überlegt das Anlegen von Öltanks. Und sichert sich das Recht, die Stromlieferungen auf die notwendigsten Nutzer einzuschränken. Diese Maßnahmen waren, vielleicht, vor hundert Jahren angemessen. Heute wirken sie skurril.

Bevor in Österreich der übliche Nachahmungsreflex erfolgt, sei daran erinnert, dass die Alpenrepublik einen hoch entwickelten Zivilschutz hatte, der unbemerkt ständig gegeben war. Und in den vergangenen Jahren mutwillig gefährdet wird.

Im Nahrungsmittelbereich halten die Lagerhäuser der Raiffeisen-Organisation im regulären Betrieb der landwirtschaftlichen Produktion eine Reserve bereit, die im Jahresverlauf abgebaut und mit der Ernte für die folgenden Monate aufgefüllt wird. In diesen Rhythmus lässt sich ein zusätzlicher Polster leicht einbauen. Nur: Viele Lagerhäuser werden wegen mangelnder Rentabilität geschlossen, eine Erweiterung der Lagerfunktion ist nicht vorgesehen. Um die Ertragslage aufzubessern, agieren die Genossenschaften als Universalhändler.

Im Energiesektor sorgen die E-Wirtschaft und die OMV für eine Absicherung, die auch in den regulären Betrieb integriert ist und keine großen Zivilschutzmaßnahmen erfordert. Allerdings müsste man fast sagen "sorgten".

Die OMV hält im Rahmen der Belieferung des Markts größere Öl- und Gasreserven als Puffer bereit. Aus Sicht des Zivilschutzes ist der Umstand, dass die OMV eine staatliche Gesellschaft ist, von Vorteil. Allerdings ist schon die bestehende Beteiligung von Abu Dhabi problematisch und die diskutierte Verschränkung mit der russischen Gazprom heikel. Der aktuell betriebene Verkauf der Gas-Tochter und die damit verbundene Aufgabe des europäischen Gasverteilungsknotenpunkts im niederösterreichischen Baumgarten sind ein verantwortungsloser Schlag gegen die wirtschaftliche Landesverteidigung.

Die in Österreich reichlich verfügbare Wasserkraft sichert im Alltag die Stromversorgung zu günstigen Konditionen und trägt im Krisenfall entscheidend zum Funktionieren des Landes bei. Nur sabotiert die Politik den Ausbau der Wasserkraft, weil jede Anlage das Wohlbefinden so mancher Kleintiere stören oder den Verlauf eines Flusses ändern könnte.

Nur die Integration der Vorsorge in den Alltag der Bereiche Ernährung, Energie und Verkehr ergibt eine effiziente Vorsorge. Konservendosen im Keller, die unweigerlich nicht mehr brauchbar sind, wenn die Krise unerwartet ausbricht, sorgen nicht für Sicherheit.

Aufgerufen am 23.09.2018 um 04:55 auf https://www.sn.at/kolumne/barazon/einige-konservendosen-im-keller-ergeben-noch-keinen-zivilschutz-1129099

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